Voodeux sind das neueste Hit-Pferd in Claude von Strokes Label-Stall. Auf dem Langspieler "The Paranormal" definieren die beiden Voll-Nerds ihren ureigenen Sound.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 135

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Voodeux sind die neuen Shootingstars auf Claude von Strokes Mothership-Label, das sich im Gegensatz zum House-lastigen Dirty-Bird-Imprint technoideren Sounds widmet. Auf dem Langspieler “The Paranormal” definiert das Duo seinen speziellen Sound: ein funky Beat-Gerüst, auf das man ohne weiteres warme House-Tracks bauen könnte, kombiniert mit gequälten Synth-Sounds in dunklen, großen Hallräumen, die in den meisten Tracks von einem fröhlichen hüpfenden Plinkerelement erlöst werden.

Mit “Just a Spoonfull” findet sich auf “The Paranormal” auch ein veritabler Hit, der nicht nur den Floor irre macht, sondern auch als hartnäckiger Ohrwurm funktioniert: Wenn sich diese wandernde Bassdrum-Bassline einmal festgesetzt hat, rumpelt sie einem tagelang durch den Kopf.

Im Track schallt dazu ein Nebelhorn durchs Hafenbecken zu dem sich Chicago-Rim-Geklapper gesellt. Über dieser Basis, die allein schon schön euphorisch-wuschig macht, wirft Voodeux dann noch einen elegantes Synth-Funk-Loop, der eindringlich und wunderschön zum Kreischen einlädt. Das Erstaunliche an dieser Kombination ist dabei, dass all diese scheinbar widersprüchlichen Elemente sich keineswegs gegenseitig an die Wand drücken, sondern im stimmigen Gesamtbild des Voodeux-Sounds den Kram nach vorne treiben.

Und wer kommt auf solche Sachen?

Hinter Voodeux verbergen sich James Watts, Tanner Ross und ein unfassbares, drittes Element, das sich irgendwo in der DSL-Leitung zwischen Boston und Philadelphia verbirgt, über die Watts und Ross ihre Soundideen austauschen. Die beiden haben sich nämlich in einem Forum für Synth-Frickler kennengelernt und pflegen seitdem eine prototypische Nerd-Online-Freundschaft. Watts ist blond, schmächtig und neigt zur Gesichtsdisko, bei der vor allem Varianten des Nasekräuselns zum Einsatz kommen, was seine kleine Brille hüpfen und verrutschen lässt, die er anschließend mit einer fahrigen Handbewegung wieder zurechtruckelt, was wiederum mit einem nervösen Blinzeln einhergeht.

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Bild: James Watts

James, der den Seemannsbart mit freier Oberlippe pflegt, hat unter dem Pseudonym KiloWatts schon einige Releases auf dem Buckel, sowohl auf eigenen Labels (DayLite, KiloWatts Music), aber auch bei Kleinstkollegen wie dem kanadischen “Thoughtless Music” oder “Artificial Music Machine” aus Austin, Texas: “Zusammen mit Bil Bless mache ich Skeetaz, das Zeug kommt dann auf dem eigens gegründeten Label Proboscis raus. Zuletzt habe ich an einem Solo-Album gearbeitet, das hat sich irgendwie zu einer Trance-Geschichte entwickelt und kam dann unter dem Titel ‘Undercurrent’ auf Somnia Records. Neben Voodeux habe ich mich außerdem gerade noch mit MC Amagine zusammengetan, wir nennen uns Super Galactic Expansive und machen Hirn-verschiebenden Digital-HipHop – das entwickelt sich gerade aber noch …”

Neben Watts, der unseren Verdacht, dass er seine Brötchen als Pizzabote verdient, weder bestätigen noch dementieren will, wirkt sein Kollege Ross wahnsinnig bodenständig, der bärige Holzfällertyp, der erstmal die Ruhe weg zu haben scheint. Konsequenterweise trägt Ross einen 7-Tage-Vollbart – nur seine Designerbrille will zu dieser Erscheinung nicht recht passen: Sie ist offensichtlich seinem Dasein als Sound-Design-Student am Berkley College of Music in Boston geschuldet. Auf die Frage nach dem omninösen dritten Element reagieren die beiden leider vielsagend ausweichend:

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Bild: Tanner Ross

Ross:
Als wir die Heavyweight EP fertig hatten, die 2007 auf Dirty Bird rauskam, war klar, dass wir das Projekt fortsetzen und das nicht als “Tanner Ross & KiloWatts” machen wollten, also musste ein neuer Name her. Das “Voodoo” kam mir dann, als ich ein Video von Screaming Jay Hawkins sah, in dem er “I Put A Spell On You” in einem Voodoo-Kostüm performte.

Watts: Unser Sound tendiert zum Dunklen, Mysteriösen, Unheimlichen – das hat sich so ergeben… “Voodoo” passte da schon ganz gut zu und da wir zu zweit sind, lag “Voodeux” fast schon auf Hand. Und hypnotischer, trippiger Techno hat ja oft eine ähnliche Wirkung wie Voodoo-Rituale.

Debug: Wo kommt euer offensichtlicher Hang zu düsterem Kram her?

Rosss: Bei mir sind es eher profane Einflüsse, also Musik auf Wagon Repair, Minilogue Records oder von Nine Inch Nails – oder Filme von David Lynch und Alfred Hitchcock.

Watts:
Was mich betrifft, vor allem Albträume und schlechte Trips (lacht). Aber mal ernsthaft: Es geht mir auch darum, echt tiefen Scheiß auszudrücken und das hat eigentlich gar nichts mit gruseligen Splatterfilmen oder so zu tun.

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Voodeux, The Paranormal ist auf Mothership erschienen.

http://www.mothershipmusic.com
http://www.kilowattsmusic.com

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Elektronische Lebensaspekte.

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