Text: Sascha Kösch aus De:Bug 08

Vorsicht Kinder Sascha Kösch bleed@de-bug.de Die beiden Leipziger Diana und Kai machen seit einiger Zeit schon ihr eigenes Label Circuit Beats. Acid EP’s in kleiner Auflage, die einem endlich wieder den Spaß am analogen Groove zurückbringen, witzig verzwirbelte Sequenzen und vor allem eine Reduktion auf einfache, aber klare Sounds aus Rolands X0X Serie. Eine Idee, die so einfach klingt, daß einfach niemand das seit Ewigkeiten mehr machen wollte. Ihr Projekt A Dreams A, das vermutlich mehr Leute von den diversen Liveauftritten kennen, steht weder für Minimalismus, noch für Trance, weder für extatische Modulation noch für irgendeine funktionale Abfahrt. Es geht ihnen um ein friedliches, albernes, aber vor allem produktives Zusammenleben mit ihren analogen Maschinen und es eigentlich kein Wunder, daß es nach all den grauenvollen Mißbräuchen von Acid so lange gedauert hat, bis es wieder auf die entdeckende Art Sinn machen kann, jeden Tag alles neu zuverkabeln. Debug: Was genau steckt eigentlich hinter den Namen eurer EPs, “Vorsicht Kinder” und “Spielplatz Kinder”? ADA: Auf Vorsicht Kinder sind wir gekommen, weil uns das Straßenverkehrsschild mit dem Mädchen und dem Jungen (Diana und Kai) inspiriert hat. Unser Spielplatz ist der Gerätepark. Und Kinder, wir lieben das Chaos und die einfache Denkweise von Kindern. Da gibt es keine Berechnung, gut und böse sehen sie einfach anders als Erwachsene, von denen wir uns unterscheiden wollen. Wir denken, daß Kinder eher auf solch spielerische Art Musik machen würden, als das die Großen so tun. Debug: Kann man noch Kind sein, wenn man beim Institut für Troposphärenforschung arbeitet? Hat so eine Arbeit irgend etwas mit der Musik machen zu tun? Diana: Am Institut für Troposphärenforschung schreibe ich meine Diplomarbeit. Einen Zusammenhang zur Musik gibt es durch Mathematik und Physik. Wissenschaftler erklären viele Phänomene mit der Ausbreitung von Wellen. Musik, Akustik lebt ja auch davon. Außerdem habe ich mich schon immer für Technik interessiert, mit Rechnern und Geräten habe ich täglich zu tun. Kai baut normalerweise Küchen für die Hausfrauen zusammen. Debug: Warum Acid? Faszination für genau diese Maschinen? ADA: Acid steht für saure Musik und schräge Klänge. Wir sehen keine Verbindung zu Eurodance, zu dem, was heutzutage Teenagern als Acid verkauft wird. Das hat für uns nichts damit zu tun. Die Faszination besteht in den vielen Möglichkeiten, in die Musik einzugreifen und sie mit Hilfe unzähliger Knöpfe, Schaltern und Reglern zu beeinflussen. Für Platten selektieren wir sehr stark aus vielen Stücken und denken nicht, daß jedes Stück es Wert ist, herausgebracht zu werden. Natürlich ist aber auch der finanzielle Aspekt ein Fakt, der den Output begrenzt. Debug: Ihr nennt, was ihr macht, analoge Acidträume, wie realisiert man so etwas? ADA: Die Art und Weise der Aufnahme bestimmt die Form unserer Tracks, d.h. es wird ohne PC-Sequenzer gearbeitet. Das bedeutet, alle Geräte sind ständig in Action und werden je nach unserer Stimmung ein oder ausgefadet. Auch die Filterbewegung wird nicht genau vorausgeplant. So wie die Stücke dann auf Tape klingen, entsprechen Sie der momentanen Atmosphäre, Laune, Stimmung, den Ideen, Fähigkeiten und den äußeren Einflüssen. Acid hängt für uns immer untrennbar mit Smileys zusammen. Unsere Maschinen wurden nun mal für Acidtracks verwendet, das ist der Ursprung und wir versuchen dies mit der heutigen Technik und unseren Gedanken zu koppeln. Wir fügen das in unsere harte und stressige Zeit ein und versuchen alle unsere Ideen umzusetzen und neue Wege zu gehen. Wenn die Sequenzen einzeln laufen, kommen sie besser zur Geltung. Weil wir monophone Geräte benutzen, entstehen solche Stücke. Wir nutzen einfaches Equipment, das komplizierte Effekte und Modulationssounds nicht zuläßt. Und wenn, wir würden es nicht wollen, wir arbeiten daran, es so klar wie möglich klingen zu lassen. Wir sind ständig dabei unsere Verkabelungen zu ändern, was bei den analogen Geräten durch zum Teil modulare Baukastenform sehr gut möglich ist. Stelle Dir doch einen Kasten mit Legobausteinen vor. Da fällt Dir bestimmt auch jedesmal was anderes dazu ein, wenn Du den Haufen siehst. Wir gehen einfach mit offenen Augen durch die Welt, sammeln neue Ideen und mögen keine Einbahnstrassen. Debug: Wie versteht ihr euch mit den anderen in euerer Umgebung? ADA: Richtigen Austausch über Musik machen, technische Probleme und so etwas pflegen wir nur mit den Chemnitzer EchoRausch-Leuten, wo die Platten endabgemischt werden und von denen das Stück “Kaugummi im Haar” stammt. Ansonsten entstehen Kontakte mit allen möglichen Leuten aus unserer Umgebung und überall, wo wir hinkommen. Debug: Ihr wohnt zusammen, oder? ADA: Ja, wir wohnen seit einem Jahr zusammen in einer größeren WG und haben dort zwei Zimmer, von denen wir eins als Wohnstudio umfunktioniert haben. Die Atmosphäre, hervorgerufen durch unsere geliebten Ernie, Bert, Kermit, Maus und Schlumpfplüschfiguren, erinnert doch stark an Kinderzimmer. Debug: Was ist euer merkwürdigster Gedanke über analoge Maschinen? ADA: Bist Du in einem eiskalten Club, dauert es ewig, bis sie warmoszilliert sind und richtig gut klingen. Das finden wir lustig. Es kommt uns manchmal so vor, als würde es einen kleinen Mann in den Geräten geben. Das Design fasziniert uns: eckig, kantig, toll und mit vielen, vielen Knöpfen, Reglern, Schaltern und Leuchtdioden. Sie laden uns immer wieder zum spielen ein. Wir finden es einfach toll, aus einem Gewirr von Kabeln, Reglern und Knöpfen, Töne zu produzieren und könnten uns derartige Ideen mit kahlen Geräteoberflächen einiger Maschinen nicht vorstellen. Analoge Maschinen stehen bei uns für “technology you can trust”. Grade erschienen, aber z.Z. noch ohne Vertrieb: A Dreams A: Spielplatz Kinder (Circuit Beats 003). Contact: diana@tropos.de

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Elektronische Lebensaspekte.