Text: Der Jim aus De:Bug 21

Vintage Spring Reverb “VSR-3″ It’s spring again… Der Jim MAM überrascht uns immer wieder mit kleinen, feinen Maschinchen, die obendrein auch noch recht preiswert sind. Geräte wie der Vocoder VF-11 oder der Resonator RS-3 zeugen außerdem von einem gewissen Mut des Herstellers, denn während Firmen, die einstmals Klassiker schufen, nur noch Groove-Rappel-Kisten basteln, zeigt MAM, mit dem “Blick nach hinten”, Weitsicht. Nun hat man also den Federhall wiederentdeckt. Da mag so mancher durchaus berechtigt fragen: Wat is dat denn eigentlich? Vor langer, langer Zeit, als es noch keine DSPs gab, also kurz nach der Steinzeit, mußten sich die Menschen was einfallen lassen, weil sie ihre neuerfundenen, elektrischen Instrumente nun schlecht in Akustikräumen aufnehmen konnten. Eine der lustigsten Erfindungen um dieses Dilemma zu beheben war der Federhall, dessen Grundprinzip ebenso simpel wie genial ist. Ein Signal wird in das Gerät gespielt, dort versetzt es mehrere (spezielle) Spiralfedern in Schwingung und diese übertragen den Ton wieder zum Output. Da so eine Feder relativ träge ist, schwingt sie nach und gaukelt somit der Umwelt eine räumliche Illusion vor. Was ist das besondere am Federhall? Der Klang! “Moderne” Features wie Diffusion, Pre-Delay und High-Damping führt so ein Federhall nahezu ad absurdum. Die Natürlichkeit, Wärme und Dichtheit heutiger Hallgeräte wird natürlich nicht erreicht. Stattdessen hat dieser Sound Charakter. Und zwar einen recht metallischen, wabbligen, der auch immer ein wenig an Filterresonanz erinnert. Wer sich darunter nicht viel vorstellen kann, sollte sich mal ein paar ältere Reggae-Dub-Platten anhören. Meine Empfehlungen sind z.B. King Tubby “Controlls”, Mickey Dread “African Anthem” und The Aggrovaders “Johnny in the Echo Chamber”. Auf der letzteren ist auch mein Lieblings-Special-Effect zu hören, der mit einem Federhall zu realisieren ist. Dazu muß man das Hallgerät in die Hände nehmen und einmal leicht schütteln. Dann schlagen die Federn nämlich gegen eine Metallplatte und erzeugen einen äußerst hübschen Knall. Ähnlich interessante Ergebnisse bringen sehr kurze, überlaute Impulse zustande. Allerdings sollte man bei diesen Experimenten vorsichtig sein, da das Gerät für diese Anwendungen nicht unbedingt gebaut wurde. Die Ausstattung des VSR-3 darf man durchaus spartanisch nennen. Auf der Frontseite gibt es nur zwei Regler: Inputlevel für die Pegelung des Eingangsignals und Outputlevel, der allerdings nicht den Pegel reguliert, sondern die Mix-Funktion zwischen Originalsignal und Hall übernimmt. Mit dem Effekt On/Off-Knopf kann der Hall ganz abgeschaltet werden. Rückseitig finden sich folgende Anschlußmöglichkeiten: ein In und zwei Outs (kein Stereo), sowie die 9-Volt Buchse. Einen Netzschalter gibt es wegen des externen Netzteils nicht. Das Gehäuse macht im Gegensatz zu früheren MAM-Geräten einen äußerst stabilen Eindruck. Da fehlt doch was! Eine Einstellung der Hallzeit ist nicht möglich. Ist mir völlig unverständlich, zumal es technisch, zwar mit einem gewissen Aufwand, durchaus machbar ist. Das Statement des Entwicklers dazu: “Ist doch nicht nötig.” – Kein Kommentar meinerseits. Jedoch soll nicht unerwähnt bleiben, daß viele der alten Federhallgeräte diese Funktion auch nicht hatten. Kann man das VSR-3 mit den alten Geräten vergleichen? Klanglich absolut. Der typische Sound wird authentisch und sauber erzeugt. Die Nebengeräusche halten sich beim VSR-3 in Grenzen. Nur bei freistehenden Signalen und sehr hohem Hallanteil ist ein leises, rauschiges Zippern und ein leichter Brummton zu hören. Bei einigen digitalen Effektgeräten dieser Preisklasse, z.B. Alesis, ist das Grundrauschen deutlich höher. Und da zur Zeit sowieso mit aller Macht und unzähligen Plug-Ins “LoFi”-Sound erzeugt wird, fällt das bißchen Nebengeräusch des VSR-3 wohl kaum ins Gewicht. Eine umfangreichere Ausstattung hätte ich mir schon gewünscht. So vermisse ich neben einer einstellbaren Halldauer auch eine Klangregelung. Da allerdings viele Mischpulte einen EQ im FX-Return haben, relativiert sich dieser Punkt, auch in Hinblick auf den Preis. Fazinierend kann man also festhalten: Das VSR-3 liefert einen speziellen Hallsound, der in keinem digitalen Effektgerät oder Plug-In in dieser Form produziert wird, so daß als einzige Alternative nur ein altes Federhallgerät in Frage käme. Diese sind allerdings recht selten zu einem günstigen Preis zu erstehen und haben auch meist ein höheres Grundrauschen. Wenn man mit der Einschränkung der unveränderbaren Halldauer leben kann, ist der VSR-3 eine wirklich interessante Bereicherung für das FX-Setup. Hersteller: MAM Preis: 440,- DM Info: http://www.music-and-more.com / Sound & Sync 030-53 63 84 33

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Elektronische Lebensaspekte.