Im Leipziger Centraltheater
Text: Ji-Hun aus De:Bug 123


Der deutsche Wald: Laub, Geäst, Sehnsuchtsbild. Nährboden deutscher Lyrik, Romantik, Kunst und Kultur. Eichen, Buchen, Birken, heterogenes Gewächs. Die Hermannschlacht im Teutoburger Wald, die Initialzündung nationaler Identität. Der Wald ist das genuine deutsche Landschaftsbild. Dort wo in England und Frankreich der gezähmte Park Zeichen von aufgeklärter Hochnatur gewesen ist, war die Waldwildnis der Gegenpol aus Deutschland.

Der deutsche Wald: Wagner, Wagnis, Wolfgang Voigt. Ambient, Acid, Manifest. Die Alben von Gas in den 90ern Initialzündung elektronischer Popmusik neu definiert. Im Diskurs verwachsen wie ein riesiges Rhizom: verwurzelt, verästelt, eine eigene Klangwelt. Dort wo im Rest der Welt die Wildnis des maximalen Techno gesucht wurde, wurde hier der Grundstein für kölschen Minimal, für einen Großexport sondersgleichen gelegt. Kompakt, Köln, Imperium. Re-inventing German Kraut. Ambiguität des Selbst: Fuchsbau, Freiland, Auftrieb, Dom, Wassermann.

Nah und Fern nennt sich die Retrospektive von Gas. Vier Alben, dazu ein Fotoband mit Bildern Voigts aus den Jahren 95-98. Geschichte schlägt zurück. Für ein besseres Deutschland.

Im September bringt Wolfgang Voigt Gas erstmals live zur Aufführung und zwar im Leipziger Centraltheater.

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Elektronische Lebensaspekte.