Ein Gute-Nacht-Gespräch über die Kunst auf den Covern des kanadischen Labels Wagon Repair von den beiden Designern Frank Jonson und Konrad Black.
Text: Konrad Black & Frank Jonson aus De:Bug 96

Coverlover

Frank:
Eines Tages möchte ich fähig sein, mich selber als diese Kreatur auf der “Missing Link”-EP zu sehen, die Drogen schluckt, konsumiert und Dreck macht, die Abgase ausstößt und alte Ladies mit unflätigen Worten belästigt. Im Wald lungern einige Dinge herum, die darauf warten in unsere Dimension zu kommen. “Marionette” ist eins dieser Püppchen, die unter deinem Bett warten und deine Kinder fressen wollen. Und für “Booty Shorts”? Welcher Teil eines Schweins ist abstoßender als ein flammendes pulsierendes Arschloch. Ernsthaft. Wenn ich flachgelegt werden will, ist das die Pose, die ich annehme, besonders das Wackeln. Zur Rückseite. Ich weiß nicht, aber dachte einfach, sie sollten, das gehört dazu. Diese Göre ist ein ziemlicher Badass. Ich würde mich nachts mit keinem “Zombie Biker Chick” anlegen. Diese Seite der Platte ist ein Selbstportrait.
Ich mag einfach zeichnen. Die Labelmacher nehmen meine Kunst und blasen sie auf. Und das sieht auf Glanzpapier dann auch viel besser aus. Es ist cleaner als das, was ich selber produzieren kann, deshalb sag ich auch, hey, warum nicht. Ich mag tatsächlich Skulpturen viel lieber. Wir werden wohl bald kleine Skulpturen an jedes Vinyl heften und drauf bestehen, dass die DJs sie auf die Decks stellen, weil die zusammengemischt gehören wie Cola und Rotwein.

WAG 001 The Missing Link, Screw Loose
WAG 002 Mathew Jonson, Marionette
WAG 004 Mathew Jonson, Return Of The Zombie Bikers/Put Your Booty Shorts On

Konrad Black:
Ich bin etwas besessen von Mädchen in Masken. Besonders diese Art von Mädchen, die man in den Hügeln von British Columbia findet und die behaupten, sie wären vom Mond gekommen.
Weißt du, in den wilden Weiten von Kanada gibt es eine Menge Land, in dem viele unentdeckte Dinge schlummern. Bei einer meiner aufregenden Wanderungen durch diese Natur wurde mir das Glück zuteil, auf ein Feldlager tief in den Wäldern zu treffen. Die Bewohner dieses Camps waren Mondhexen. Zu meiner Erleichterung gehörten diese Hexen zur freundlichen warzenlosen Art. Und alle trugen weiße Masken und Umhänge, ein wenig wie bei der Partyszene in “Eyes Wide Shut”. Je weiter oben sie auf der Nahrungsmittelleiter standen, desto verzierter die Masken. Eine sah ein wenig so aus, als käme sie direkt aus einem Gemälde von Glenn Brown. Wie man auf den Covern sehen kann, ist die Mondhexe, die ich kennen lernte, jung, aus Philadelphia, mit weißer Maske ohne besondere Kennzeichen. Sie war unterwegs, um Kirschen zu pflücken. Und als wir aufeinander trafen, war sie etwas vom Camp entfernt. Nach etwas – wie ich mir gern einrede – geistreichem Geplänkel wurden wir schnell Freunde, später Partner. Jetzt lass ich sie ab und an Vocals machen und sie sagt mir, was sie von meinen Tracks hält, manchmal etwas barsch. Wenn ich drüber nachdenke, würde ich sagen, sie sind alle so. Eine harte Posse.
Irgendwie ist sie meine Freundin. Wir sind sogar fest liiert.
Einmal hat sie mich zu ihrem, wie sagt man, Opfertisch gebracht, der ein wenig so aussah wie der, auf dem Aslan der Löwe von Narnia geopfert wurde. Da haben wir das Photoshooting für die “Draconia”- und “Medusa Smile”-Cover gemacht. Heiß war’s. So wie die Mondraum-Szene in “Die Rache der Nerds”, da wo’s Darth Vader mit der Cheerleaderin treibt.

WAG 003 Konrad Black, Draconia
WAG 006 Konrad Black & Ghostman, Medusa Smile (Don’t Look Back …)

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Elektronische Lebensaspekte.