Dixon & Levin cruisen gelenkig durch Verzweigungen
Text: Finn Johannsen aus De:Bug 115


Dixon und Georg Levin rüttelten 2004 gleich mit der ersten Veröffentlichung “Make ‘em shake it” massiv an den Club-Dächern. Der sonore Bouncer mit Capitol A gab Broken Beats ein gehöriges Jeep-Feeling. Housekreuzritter Dixon, mit seiner “Innervisions”-12inch-Reihe in aller Munde, und der melodieverliebte Soul-Afficionado Levin haben ihre eklektische Vision jetzt auf Albumlänge ausformuliert – und geben ungeahnte Einblicke in ihr Geschmacksuniversum.

Nach den ersten Singles und Remixen unter dem Namen Wahoo kam es nicht von ungefähr, dass Dixon und Georg Levin sich nicht länger auf das Terrain ihrer sonstigen Erfolgsgeschichten festlegen lassen würden. Deep House und Modern Soul sind mitnichten des Feldes verwiesen, aber es geht um mehr: um Spielraum, Gegenpole, Spaß an Texten und Songs, Zusammenarbeit, Freundschaft und letztlich um Pop. Nach längerer Umsetzungsphase ist daraus ein Album geworden, das sich gelenkig, selbstbewusst und stilsicher durch die musikalischen Verzweigungen bewegt, die ihnen am meisten bedeuten.

De:Bug: Ist das Album für euch so eine Art Querschuss? Es ist ja schon ein Popalbum. Was für ein Statement wollt ihr damit vorlegen

Georg: Wir haben vor, mit dieser Platte mehr Leute zu erreichen als sonst, ohne uns zu verbiegen. Ich habe festgestellt, dass viele meiner größten Idole oder Einflüsse wie zum Beispiel Marvin Gaye nicht aus dem Underground kommen, sondern eigentlich aus dem Mainstream, Underground heißt ja nicht immer, dass es was Tolles ist. Der Anteil von absolutem Oberschrott und guten Sachen ist genauso hoch wie im Mainstream. Daher haben wir alles reingebracht, was wir gut finden, und uns vielleicht ein bisschen mehr an unseren Vorbildern orientiert, die Major Label Artists sind. Aber natürlich ist immer noch eine ordentliche Portion von dem drin, was Dixon auflegt. Wenn ich das Album auflege, habe ich nicht das Gefühl, jetzt kommt was Nerdiges, auf das nur ein paar bestimmte Leute stehen. Man muss nicht viel erklären, es läuft einfach und die Leute wissen, worum es geht. Ich habe mich auch vom Songwriting her viel bewusster rangesetzt als bei meinem ersten Album.

De:Bug: Du singst ja auch selber. War es ein Problem, die ganzen Gastvokalisten in diesen Überlegungen auf eine Linie zu bringen?

Georg: Das war bei diesem Projekt eine große Freiheit. Ich konnte aussuchen, wer zu welchem Stück besser passt. Wir hatten anfangs ein Problem, weil wir noch nicht so bekannt waren und viele unserer Wunschkandidaten wohl dachten, damit wollen wir nichts zu tun haben. Später habe ich die Texte geschrieben und den Kandidaten vorgesungen, wie es klingen sollte, um es auf eine Linie zu bekommen, etwa bei Miss Platnum, Celina Bostic oder Paul Randolph. Das ist vielleicht auch die Stärke des Albums. Robert Owens ist eher auf uns zugekommen und wir haben den Track um ihn herumgebastelt, damit es zum Rest passt, ihn sozusagen verformt. Mit Capitol A waren wir eh im Studio. Wir hatten überall unsere Hand drauf und daher hat das vielleicht auch ein stärkeres Albumgefühl als Sachen, bei denen Produzenten Sängern Tracks schicken und hinterher denken: An der Stelle hätte ich mir das vielleicht schöner oder anders vorgestellt, aber ich will den Typen auch nicht beleidigen. Ist ja auch eine heikle Sache.

De:Bug: Ihr erwähnt Basement Jaxx als großes Vorbild. Das hätte man euch nicht unbedingt zugeschrieben?

Dixon: Die haben House-Produktionen gemacht, die State of the Art waren und die ich ganz groß fand, und dann ihr erstes Album, das war was ganz anderes. Das hat mich damals total überrascht. Es war ein befreiender Umgang mit dem Thema House. Es waren fast alles noch Housenummern und es ging um Spaß. Das ist bei uns vielleicht nicht so extrem, aber es gibt eben uns als eigenständige Künstler und es gibt Wahoo. Ich hasse es, wenn sich Leute zehn verschiedene Pseudonyme geben und der Unterschied ist der Effektgrad der HiHat. Wenn wir schon was machen, was uns beide vereint und nicht Dixons Innervisions-Linie oder Georg Levins Songwriter-Soul-Linie ist, dann lass uns doch einfach ein bisschen über die Stränge schlagen.

De:Bug: Was ist für euch als Wahoo der Unterschied oder auch Mehrwert zu euren anderen Aktivitäten?

Georg: Ich kann mich bei Wahoo in viel mehr musikalischen Bereichen austoben und werde nicht so sehr auf meine Person und meine Stimme reduziert. Auch mal andere Leute produzieren, völlig andere Sachen machen, weil ich auch völlig verschiedene Sachen höre. Soul ist schon mein Stronghold, aber man kann das auch mit anderen Sachen kombinieren. Daraus hat sich mir eine ganz andere Perspektive auf Musik eröffnet, eine Nichtmusikerperspektive auf Musik. Dass es gerade bei House und auch bei Soul auf irgendwelche Synthielines ankommt. Mir war das früher egal. Ich dachte, du kannst genauso gut eine andere Synthieline nehmen, und sah das nicht als Detail, das den entscheidenden Unterschied macht. Das musste ich erst mal kapieren.

De:Bug: Ihr habt euch den Spielraum erweitert, indem ihr die Position von Songwriter und Produzent einnehmt, die mit Gastsängern arbeiten – eine typische Pop-Produzenten-Position.

Dixon: Wir sagen auch nicht, dass wir auf keinen Fall in die Popfalle treten würden. Aber ich glaube nicht, dass wir etwas veröffentlichen würden, zu dem wir nicht stehen.

Georg: So was wie “Get Another Girl” hätte ich vor drei Jahren nicht geschrieben. Da hatte ich jetzt aber Bock drauf. Das wären mir damals zu poppige Harmonien gewesen, auch der Aufbau. Ich habe mich mehr geöffnet, auch um mehr Leute zu erreichen. Als ich festgestellt habe, dass das bei den Leuten gut ankommt, habe ich das natürlich auch persönlich lieb gewonnen und nicht die Sachen, bei denen ich in meinem stillen Kämmerlein dachte, oh wie geil, und dann damit doch nicht so viele Leute erreichen konnte. Es gibt auch so was wie “(I Got) Somebody New”, immer noch der erfolgreichste Song, der unter meinem Namen veröffentlicht wurde. Da hatte ich mich damals eigentlich verbogen. Das waren nicht meine typischen Harmonien oder Melodien, das kam nicht so aus dem Bauch. Aber der Song kam gut an. Die Beatles haben auch darauf geachtet, was gerade läuft, und das mit dem vereint, was sie gut finden. Es ist eine ganz komische romantische Vorstellung, dass der Sänger oder Songschreiber sich mit seiner Gitarre hinsetzt und was macht und an nichts anderes denkt und das werden dann die besten Stücke.
http://www.wahoo-music.net

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Elektronische Lebensaspekte.