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Text: jörg clasen aus De:Bug 32

/produkte Wie Sie sehen, hören Sie nichts Mit WAP ins WEB Bereits im Februar 1998 gründeten Ericsson, Motorola, Unwired Planet und Nokia das WAP-Forum, das sich zur Aufgabe gestellt hatte, einen weltweit gültigen Standard für die Übertragung von Web-Applikationen auf mobile Endgeräte wie Handys oder Handlets zu etablieren. Dem Forum traten nach und nach andere Gesellschaften bei, so dass man am Ende desselben Jahres bereits bei 71 Mitgliedern war. Die grosse Zahl von Firmen könnte dabei ein Garant dafür sein, dass sich der Benutzer einmal nicht mit Inkompatibilitätsproblemen herumschlagen muss, die einem in anderen Bereichen so unglaublich zum Hals heraushängen, sondern auf eine systemübergreifende Lösung hoffen kann. Ausserdem wird sich dank dieser Interessengemeinschaft hoffentlich die Zeit verkürzen, die noch nicht gelösten Probleme der neuen Technologie zu überwinden. Mobil revolutionieren WAP wird die Funktion des Mobiltelefons revolutionieren, denn es bedeutet einen weiteren Schritt in Richtung neu nutzbarer Endgeräte. Dass dieser Weg der Trend ist, ist nicht neu und zeigt sich schon im regen Anklang, den die Möglichkeit der SMS-Versendung im Mobilfunknetz gefunden hat. Für kurzen non-verbalen Austausch von Nachrichten nicht mehr die EDV-Anlage hochfahren zu müssen, gefällt. Im Heimatland der mobilen Kommunikation, das da Finnland ist, macht SMS heute bereits ein Fünftel des Profits der Telefongesellschaften aus. Und auch hierzulande zeigt man sich begeistert. Schneller, ortsunabhängiger und jederzeit verfügbarer Zugriff auf Information aus dem Netz wird aber nicht nur der Handy-Kultur einige Veränderungen verschaffen. Negativ gedacht, könnte man sagen, dass sich mit dem Mobil-Werden des Internets die Telefonrechnung, positiv gedacht aber auch die Information als Grundidee des WorldWideWeb wieder mehr in den Mittelpunkt schieben wird. Denn weil die Darstellungsfähigkeit auf dem Handy-Display viel eingeschränkter ist, als auf gigantisch grossen 21 Zoll Monitoren, muss die Information komprimiert werden. Auf aufwendige Graphiken wird man verzichten. Der ganze Audio-/Video-Schnickschnack, der heute viele Pages ziert, ist für das Abrufen vom Mobiltelefon aus eben absolut nicht zu gebrauchen. Es musste also ein Weg gesucht werden, wie man Pages für die Nutzung sowohl per Handy, als eben auch auf dem herkömmlichen Weg per Rechner attraktiv gestalten, beziehungsweise erhalten könnte. WAP-Spezifikationen Das beinhaltet insbesondere einen Mikrobrowser, der unter anderem von Phone.com in Pionierarbeit entwickelt wurde und ähnliche Funktion hat, wie die Internet-Browser von Netscape oder Microsoft. Um die erwähnten Defizite bei der Darstellungsmöglichkeit von Handys und deren geringer Rechenleistung auszugleichen, werden die Inhalte nicht als Hypertext Markup Language (HTML) übertragen. Statt dessen wird eine HTML Ðähnliche, jedoch nicht kompatible XML-Sprache namens Wireless Markup Language (WML) verwendet. Die WML-Inhalte lassen sich dabei durch die bereits von HTML-Inhalten bekannten http-URLs adressieren, die Dateiendung lautet dann .wml. Und als Pendant zu JavaScript gibt es WMLScript. Wird also auf eine WML-Datei zugegriffen, kommuniziert das Handy mit einem WAP-Proxy, der die gewünschte WML-Datei vom Webserver holt und sie im Binärformat an das Handy schickt. Im Falle des Zugriffs auf HTML-Dateien kommuniziert das Handy ebenfalls mit einem WAP-Proxy. Der greift jedoch hier nicht auf den Webserver zu, sondern auf ein sogenanntes HTML-Gateway, welches die automatische Übersetzung von HTML zu WML übernimmt. Uffz. Auf diese Art kann das Handy theoretisch auf jede beliebige Internetseite zugreifen, sei sie nun speziell dafür gebaut worden oder nicht. Theoretisch deshalb, weil die Übersetzung nicht perfekt sein wird. Viele Internetseiten verwenden aktive Inhalte (Dynamic HTML), die in WML nicht existieren und daher auch nicht korrekt übersetzt werden können. Entwicklungen Mikrobrowser existieren neben dem genannten ebenfalls bereits von Nokia, Microsoft und Ericsson. Sie arbeiten gemeinsam an der Entwicklung eines eigenen Modells. Also tolle Sache, aber noch nicht den Kinderschuhen entwachsen. Softwareprobleme und Systemzusammenbrüche bestimmen das Bild, und dass Inhalte derzeit mit langsamen 9.600 Bit/s auf das Display geladen werden und das dann mit teuren Mobilfunkgebühren berechnet wird, wird sich wohl auch noch ändern müssen. Ab 2003 soll das auch passieren, mit der Einführung des sogenannten UMTS-Standards (Universal Mobile Communications), durch das Information mit realistischen 384 KB/s aufs Display rattern soll. Bis dahin sollen Übergangslösungen die Zeit versüssen, wie das High Speed Circuit Switched Data (HSCSD), das schon heute in Ballungszentren von E-Plus angeboten wird. Als Vorteil könnte sich noch erweisen, dass nicht die leidigen Sexanbieter dem neuen Medium den Erfolg verschaffen werden, wie dies ja wohl sowohl beim Video, als auch beim Internet der Fall war, denn die werden kaum eine Chance haben, eine Darstellung erotisch überzeugender Graphiken, die Lust auf mehr machen auf 47 x 79 Pixeln, oder wie gross das eigene Display nun jeweils sein mag, zu erreichen. Zugegeben sind die Sichtfelder der neuen Mobiltelefon-Generation stark weiterentwickelt worden, einen Bildschirm werden sie in naher Zukunft aber kaum ersetzen können.

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Elektronische Lebensaspekte.