Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 13

Happy Birthday, Warp! Thaddeus Herrmann thaddi@de-bug.de Eigentlich ist WARP ein Indielabel. Doch, doch. Ein Indielabel mit lauter Indiebands, die nur zufällig mehr oder weniger elektronisch arbeiten. Das ist auch gut so. Schließlich kann man 1998 höchstens noch von Post-Techno sprechen, und die Labels, die durchgehalten und diverse Sinnkrisen und Grabreden weggesteckt haben und dabei musikalisch irgendwie vorangekommen sind, haben das alle so gemacht. Die Rückkehr der Persönlichkeit. In den vergangenen neun Jahren hat Warp den englischen Techno zu einem wichtigen Teil mitgeprägt: LFO, Tricky Disco, Aphex Twin, Autechre, Black Dog, Plaid, Richard Kirk, b12 sind längst Klassiker und werden auch noch in zehn Jahren genauso gut funktionieren. Gleichzeitig suchte man immer neue Wege und Bewegungen. Mit der “Artificial Intelligence”-Serie machte Warp Ambient in England gesellschaftsfähig und heute zeigen Acts wie Red Snapper, Squarepusher, Mira Calix, Jimi Tenor oder Plone, daß es weitergeht. Das muß man nicht alles mögen, hinhören lohnt aber immer. Was in einem Hinterzimmer in Sheffield im Norden Englands begann, ist längst eine feste Größe, mit der man, und darauf kommt es an, immer wieder rechnen muß. Ganz nebenbei ist es Warp und deren Graphikpartnern The Designers Republic, mitzuverdanken, daß Techno aus dem schmucklosen Plattenhüllen befreit wurde und ein angemessenes Cover bekam. Diese Zusammenarbeit setzte neue Maßstäbe. Musik und Design gehören seither fest zusammen, und manche Warp-Platten sind richtig gute Freunde, die nicht nur gut klingen, sondern auch gut aussehen. Sympathische Corporate Identity: Was Warp vormachte, wurde oft erfolglos kopiert. Nun steht WARP 100 an, eine schicke Compilation, auf der all jene Künstler mit exklusiven Tracks versammelt sind, auf die man im Warp-Hauptquartier derzeit so stolz ist. Zeit, sich bei Steve Beckett und Rob Mitchell, den Labelgründern, nach Vergangenem und Zukünftigem zu erkundigen. Ich traf beide in Hamburg. Steve Beckett: Hey, du bekommst den Preis fürs größte Mikrofon dieser Interviewtour! De:Bug: Danke, danke, ich habe ein paar Tracks mitgebracht, die euch eigentlich bekannt vorkommen sollten. Ich dachte, wir spielen Warp-Jukebox, ok? Rob Mitchell: Oh ja! Bei dem ganzen Gerede vergißt man die Musik so schnell. LFO – Simon from Sydney (Frequencies, Warp LP , 1991) Steve Beckett: Simon from Sydney! Von LFO. Bei diesem Track muß ich daran denken, wie er seinen Namen bekam. Als dieses LFO-Album rauskommen sollte, war unser Büro im Hinterzimmer unseres Plattenladens untergebracht, alles war schrecklich beengt. Ich telefonierte gerade mit Simon aus Sydney, besagter Track lief laut im Kassettenrecorder, und Rob brüllte über den Schreibtisch, wie denn der Track hieße. Ich dachte aber, er wollte wissen, wer am Telefon sei. Also brüllte ich zurück: “It’s Simon from Sydney!” Von da an hieß der Track so. Mark Bell von LFO hat es gefallen. De:Bug: Das ist ein Track aus der Frühphase des Labels. Ihr habt 1989 begonnen, richtig? Rob Mitchell: Genau, seit 1987 hatten wir den Plattenladen in Sheffield. Das Label hat sich aus dem Laden heraus entwickelt. Chaos! Völliges Chaos. Vorne der Laden, laut und voll, hinten das Büro. Versuche dich mal mit jemandem bei so einer Lautstärke zu unterhalten! Ich brüllte dann ins Telefon: “Ja, wir kommen dann am Donnerstag, um die Platte zu schneiden. Am D-O-N-N-E-R-S-T-A-G … Ü-B-E-R-M-O-R-G-E-N.” Ich weiß nicht, wie wir das damals bewältigt haben. LFO waren der entscheidene Kick für das Label, musikalisch und finanziell. Wir hatten für unsere ersten Releases vom Vertrieb nie Geld gesehen … Steve Beckett: LFO haben uns das Leben gerettet! Rob Mitchell: … und “Frequencies” ist auch ein bißchen unser Album. Schließlich haben wir die Tracks zusammengestellt. LFO haben uns ständig neue Tracks gebracht, die Richtung des Albums veränderte sich täglich. Irgendwann mußten wir dann die Notbremse ziehen. “Frequencies” klang dann völlig anders, als die Tracks, derentwegen wir sie ursprünglich gesigned hatten. Steve Beckett: Als wir LFO zuerst hörten, machten sie Breakbeat. 5 Jahre, bevor Breakbeat überhaupt begann. Naja … (lacht) Rob Mitchell: Auch wenn wir nur zwei Alben von LFO veröffentlicht haben, gibt es eigentlich vier. Dieses Breakbeat-Album und ein weiteres wollten sie nie rausbringen, leider. De:Bug: Gab es zu dieser Zeit in Sheffield eine funktionierende Partyszene? Steve Beckett: Ja. Sheffield als Industriestadt war Zentrum der Warehouse-Parties. Und die gesamte Werbung für die Parties lief über unseren Laden. Rob Mitchell: Der Norden Englands war die Hochburg für Chicago und Detroit. In London hat das niemanden interessiert, und wenn Londoner zu uns kamen, meinten sie nur, Acid sei bereits vorbei, Rare Groove sei das neue Ding. Sechs Monate später dann kam Acid nach London und Manchester, und sofort wurde versucht, die Geschichte umzuschreiben. De:Bug: Wenn wir schon bei Detroit sind … hier kommt der nächste Track. Steve Beckett: Verdammt, jetzt habe ich einen Ohrwurm…dededededede. “Simon..” ist fantastisch … ein Popsong! Rob Mitchell: Unglaublich oder!? Und er paßt heute immer noch. Kenny Larkin – Q (Azimuth, Warp LP 20, 1994) Steve Beckett: Das ist Kenny Larkin aus Detroit. Der Track erinnert mich daran, am Telefon ohne Grund angeschrien zu werden. Rob Mitchell: Jaja, es gab da einige Streitereien. Dabei ist er eigentlich ein wirklich netter Kerl! Wenn er mit dir redet, denkst du, du stehst einem Komiker gegenüber. Der redet in einem Tempo … unglaublich. Das erste Album “Azimuth” hat sich wirklich gut verkauft. Da dachten wir, daß würde uns einen Loyalitätsvorsprung sichern. Aber dann hat er angefangen, seine Platten telefonisch zu versteigern. Steve Beckett: Er rief uns dann an und sagte: “Ich habe ein Angebot von R&S über soundsoviel. Ich brauche von euch ein besseres bis Morgen Abend, sonst bekommt R&S die Platte.” Und ich konnte nur sagen: “Kenny, halt die Luft an, wir haben das Tape erst gestern bekommen, wir müssen es ein paar Mal hören.” Dann wieder Kenny: “OK, R&S bekommt den Zuschlag.” Und dann legte er auf. Rob Mitchell: Das ist das Problem mit den Detroitern. Sie haben so viele schlechte Erfahrungen mit Geld gemacht, daß sie den größtmöglichen Vorschuß rausholen wollen. Sie glauben nicht daran, je bezahlt zu werden. Als wir dann anfingen, Kenny Schecks zu schicken, normale Tantieme eben, rief er ganz begeistert an, er konnte es gar nicht glauben. Der nächste Scheck war dann nicht mehr so hoch. Sofort schrieb er uns einen Brief, beschimpfte uns und meinte, wenn wir nicht sofort Geld nachzahlen würden, würde er allen in Detroit erzählen, daß wir böse Abzocker seien. Zwei Jahre später dann rief er an, entschuldigte sich mit den Worten, wir seien doch die ehrlichsten Leute, und ob wir nicht wieder zusammenarbeiten wollten. Haben wir dann abgelehnt. De:Bug: Es ist schon auffällig, daß es von den Detroitern immer nur eine Platte auf Warp gibt. Rob Mitchell: Das hat mit der Mentalität der Detroiter zu tun. Sie binden sich ungern an ein Label – nicht daß wir das verlangt hätten – aber mit Kenny hätten wir schon weitergearbeitet. Steve Beckett: Meinst Du? Rob Mitchell: Ja! Steve Beckett: Wir hätten wahrscheinlich mit Richie Hawtin weitergemacht … Rob Mitchell: Naja, dann veröffentlichen sie Platten unter diversen Pseudonymen. Jeder Gemütszustand bekommt einen Projektnamen. Wir sehen unsere Künstler aber als ganze Menschen und wollen ihre beste Musik, egal, ob die in diesem Moment traurig oder lustig ist, ob es Jazz oder Techno ist. Steve Beckett: Die Amerikaner arbeiten vor allem Track-orientiert. Alben sind ungewöhnlich. Die Engländer, mit denen wir zusammenarbeiten, haben fast alle eine Indie-Vergangenheit, sind an Alben interessiert. Das macht das Arbeiten leichter. Ich telefoniere aber regelmäßig mit Drexcyia, vielleicht veröffentlichen sie bei uns noch etwas. De:Bug: Oder ist der Warp-Labelsound einfach mehr englisch geprägt? Steve Beckett: Nein, es gibt ohnehin keinen Warp-Sound. Als wir anfingen, dachten alle, es ginge uns um die Bleeps und Klonks, was aber gar nicht stimmte, es ging um den Bass. Rob Mitchell: Das LFO-Album mußten wir fünf Mal schneiden, ehe der Bass tief genug war. Gestern haben wir jemanden in Köln getroffen, der als DJ mit dieser Platte eine Clubanlage zerstört hat. War etwas unangenehm. De:Bug: Was bedeutet euch Bass? Rob Mitchell: Dynamik! Er hat Energie, er ist organisch, er jagt einem Schauer über den Rücken. Disjecta – Cheekchops (Clean Pit & Lid, Warp LP 41, 1996) Steve Beckett: Was zum Teufel ist das? De:Bug: Gleich kommt so eine kleine Melodie… Rob Mitchell: Disjecta? De:Bug: Mmmm… Steve Beckett: Verwirrt mich total. Autechre haben gerade einen Remix gemacht, der genauso klingt. Unglaublich … Rob Mitchell: Um dir die Wahrheit zu sagen: Seefeel hat mich viel mehr fasziniert als Disjecta. Seefeel hatten anfangs das, was My Bloody Valentine auch hatten. Als ich ihr erstes Album “Quique” (Too Pure) hörte, dachte ich, daß sie weiter in dieser Richtung arbeiten würden. Aber irgendwie hat Warp sie beeinflußt, sie wurden immer technoider. Das hatten wir nicht erwartet. Steve Beckett: Wir haben ihnen schon vor einer ganzen Weile Geld gegeben, um neue Demos aufzunehmen. Gehört haben wir die aber nie! Ich weiß nicht, ob sie jemals noch etwas für uns machen werden. De:Bug: Disjecta, Seefeel, das waren Platten, die in eine neue Richtung arbeiteten. Rob Mitchell: Stimmt, aber wir können das ja nur bis zu einem bestimmten Punkt dirigieren. Die Künstler sagen, in welche Richtung es geht. De:Bug: Die “Artificial Intelligence”-Serie war doch aber eine bewußte Entscheidung weg von Dancefloor, oder? Ab diesem Punkt war Warp doch immer mindestens zweigleisig. Rob Mitchell: AI haben wir gemacht, weil uns die Musik wichtig war. Die Releases waren ein wichtiges Statement: Es gibt ein Leben jenseits des Dancefloors. Viele unserer Musiker waren zu dieser Zeit so eingestellt, hatten großartiges Material aufgenommen, das einfach veröffentlicht werden mußte, gleichzeitig aber nicht mehr in den Clubkontext paßte, also auch anders verkauft werden mußte, sprich: mit richtigem Cover. Das war plötzlich ein neuer Level. Die Musik hatte Potential. Also verfuhren wir, wie wir immer verfahren waren. Die Künstler geben uns ihre beste Musik, wir versuchen dann davon soviel wie möglich zu verkaufen. Wir mögen nicht dieses elitäre Undergrounddenken. In dem Moment, wo viele Menschen wenigstens die Chance haben, Warp-Platten zu hören, ist unser Job erfüllt. De:Bug: Um das zu erreichen, braucht man eine gute Infrastruktur. Wann habt ihr diese Entscheidung getroffen und gesagt: Okay, es wird ernst. Steve Beckett: Ernst war es immer! Wir kannten Daniel Miller von Mute Records. Er half uns, diese Struktur mit den Lizenznehmern in der ganzen Welt aufzubauen. Das ist bis heute der Grund, warum wir so viele unterschiedliche Dinge veröffentlichen können. Wenn sich eine Platte nicht gut verkauft, verkauft sie sich immer noch im erträglichem Rahmen, weil sie nicht nur in England in den Regalen steht. Aphex Twin – Flim (Come To Daddy, Wap 94, 1997) Rob Mitchell: Aphex Twin. Flim. Der Track war praktisch fertig, es fehlte nur noch eine Melodie. Die hat dann seine Freundin eingespielt. Steve Beckett: Auf der nächsten Aphex Twin-Single singt seine Freundin in französisch Rob Mitchell: Er vertont sein Leben, seine Beziehungen, seine Persönlichkeit. Die Musik ist emotional und direkt. Auch wenn man ihn nicht persönlich kennt, weiß man so immer, wie er sich gerade fühlt. Steve Beckett: Außerdem ist er einer der wenigen Künstler, die genausoviel Sorgfalt auf die B-Seiten verwenden, wie auf die A-Seiten der Singles. “Flim” ist ja eigentlich eine B-Seite von der “Come To Daddy” E.P. Man hätte es aber auch ohne Probleme zu einer A-Seite machen können. De:Bug: A- und B-Seiten? Das klingt jetzt schon ziemlich majormäßig! Rob Mitchell: Das sind die Regeln in England. Es ist verrückt, aber man muß sich darüber Gedanken machen. Wie gesagt: Das Wichtigste ist, daß die Leute unsere Musik hören. De:Bug: Eine Bedingung für die Akzeptanz im Plattensupermarkt habt ihr erfüllt: “ordentliche” Cover. The Designers Republic haben Warp auch zu einer graphischen Trademark gemacht. Kaum ein Label hat eine derart feste Identität durch die Cover geschaffen wie Warp, mal von 4AD abgesehen vielleicht. Steve Beckett: Richtig, diese Phase ist jetzt aber auch vorbei. Das Artwork geht völlig in die Händer der Musiker über, wenn sie es wollen. Letztendlich geht es ja um sie und nicht um Warp. Autechre, Broadcast, Aphex Twin, Boards Of Canada, sie alle machen das Artwork jetzt selber, bzw. lassen es von anderen Firmen machen. Rob Mitchell: Wir hoffen dadurch unsere Platten zukünftig pünktlich veröffentlichen zu können. De:Bug: Hä? Rob Mitchell: Naja, die hatten die Cover nie zum vereinbarten Termin fertig. De:Bug: Trotzdem waren die Cover ja immer großes Erkennungsmerkmal von Warp. Warum wurde die graphische Seite nie per CD-ROM umgesetzt. Hätte sich gut verkauft! Steve Beckett: Designers Republic hassen CD-ROMs! Rob Mitchell: Ja? Steve Beckett: Ja, ich übrigens auch, sterbenslangweilig! Rob Mitchell: Das wußte ich ja gar nicht! Warum sagst du das denn erst jetzt? Interessant. Richard Kirk – Reality Net (Artificial Intelligence 2, Warp LP 25, 1994) Rob Mitchell: Oh, Richard. De:Bug: Auch aus Sheffield. Rob Mitchell: Ja, Richard und Cabaret Voltaire waren wichtige Voraussetzungen für Warp. Sie schufen mit ihrer Musik überhaupt erst das Bewußtsein in Sheffield für diese Musik, also auch bei uns. Cabaret Voltaire lief in Sheffield überall. Damals war uns das nicht so klar, wie einflußreich sie waren. Heute aber, aus der Entfernung, kann man das gar nicht hoch genug bewerten. Und dann schließlich Platten von ihm zu veröffentlichen war eine große Ehre. De:Bug: Spürt ihr eine gewisse Verantwortung Sheffield gegenüber? Eine Verpflichtung, dort etwas zu organisieren? Immerhin gibt es dort seit geraumer Zeit einen Warp-Club: Blech. Steve Beckett: Nicht unbedingt eine Verpflichtung. Es gibt eben kaum Clubs, in denen unsere Musik gespielt wird. Also mußten wir es selber machen. Rob Mitchell: Wie haben eh keinen großen Fanclub in Sheffield. De:Bug: Geht es bei Blech um ein Electronic Environment? Steve Beckett: Nein, denn wir spielen nur zu einem Teil elektronische Sachen. Bei Blech findet alles Platz, was gut ist, egal, ob es mit Elektronik oder Gitarren gemacht wurde, egal, ob alt oder neu. De:Bug: Gibt es eine elektronische Kultur? Steve Beckett: Es gibt auf jeden Fall eine elektronische Familie! Wir gehören dazu, Rephlex, Mego usw. Wir arbeiten schon auf derselben Wellenlänge, haben ähnliche Ideen, sind von ähnlichen Dingen geprägt. Autechre – Flutter (Anti E.P., Wap 54, 1994) Steve Beckett: Autechre De:Bug: Von der Anti E.P. Steve Beckett: Auf jeden Fall eine wichtige Platte. Sie war die direkte Antwort auf die Criminal Justice Bill, die illegale Parties in England stoppen sollte und es ja auch praktisch geschafft hat. Argumentiert wurde mit dem Verbot von sich wiederholenden Beats. Stell dir dieses Argument vor! Menschen wird das Recht genommen, repetetive Beats zu hören. Was ist überhaupt ein sich wiederholender Beat? Wer soll das vor Ort auf den Parties entscheiden, die Polizisten? Dann machten Autechre diese Platte. Sie meinten nur: “Steve, mach dir keine Sorgen, wir basteln einen Track, auf dem kein Beat dem anderen gleicht, kein Problem.” Autechres Idee war, die Platte auf Raves zu spielen, und dann mit der Polizei Diskussionen anzufangen, ob dieser Track nun solche sich wiederholenden Beats beinhalte oder nicht. De:Bug: Einen Track habe ich noch auf dem Tape … Jimi Tenor – Can’t stand with you baby (Wap 86, 1996) Rob Mitchell: Jimi! De:Bug. Auch ein komisches Signing für Warp. Rob Mitchell: Finde ich eigentlich nicht. Steve Beckett: Solche Platten machen Warp aus. Unser Motto war immer: Expect the unexpected! Vor rund drei Jahren waren wir in einer echten Krise. Wir hatten den Eindruck, alles sei bereits gesagt, aufgenommen und veröffentlicht. Wir suchten eine neue Richtung, neue Leute, die eine ähnliche Philosophie haben, sie aber musikalisch nicht im klassischen Warp-Stil umsetzen. Jimi war so einer. Er liebt Techno, Detroit, aber eben auch Curtis Mayfield. Ein Label kann nur interessant bleiben, wenn das musikalische Output facettenreich bleibt. Wir sind stolz auf ihn. Jimi ist ein Star. De:Bug: Der von seinem finnischen Label Säkhö aufgebaut und dann von euch weggekauft wurde! Steve Beckett: Das Problem ist doch, daß die kleinen Labels die Künstler eben nicht aufbauen, dazu fehlt ihnen die Struktur. Und es sind die Künstler, die den entscheidenen Schritt machen, nicht nur wegen des Geldes. Von Jimi Tenors Album haben wir 60.000 Stück verkauft. Dieselbe Platte auf Säkhö hatte vielleicht 1.000 verkauft? Wir sind keine Typen, die plötzlich bei den Musikern klingeln und ihnen einen dicken Scheck geben. Wir haben lange mit Tommi von Säkhö gesprochen und alles freundschaftlich und gemeinsam organisiert. Rob Mitchell: Unsere Herangehensweise an neue Musiker hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Früher wäre es für uns undenkbar gewesen, Musiker wie Jimi oder die Boards of Canada zu signen, einfach, weil sie schon auf anderen Labeln Material veröffentlicht hatten. Wir wurden dann aber eines Besseren belehrt, als mehrere Leute, an denen wir großes Interesse hatten, dann einfach zu Virgin oder zur EMI gegangen sind. Das passiert uns nicht wieder. Wir wollen die beste Musik veröffentlichen, auch in Zukunft. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Musiker vorher schon Veröffentlichungen hatten oder nicht. De:Bug: Na dann, auf die nächsten 100 Platten! We Are Reasonable People (Wap 100) erscheint am 26. Juni bei Rough Trade. http://www.warp-net.com/ —————————————————————- Zitatvorschläge: Designers Republic hassen CD-ROMs! Unser Motto war immer: Expect the unexpected!

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Elektronische Lebensaspekte.