Warp VST emuliert im heimischen Rechner Gitarrenverstärker aus der Vergangenheit. Und was gibt es Tolleres, als seinen Mesa Boogie endlich zu verschrotten und die Gitarre direkt in den Rechner zu spielen? Los gehts.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 62

Musiktechnik

Warp VST – die Emulation einer Emulation

Die Emulation oder das Modelling analoger Geräte nimmt gelegentlich verschlungene Wege: bei Warp VST ist es die Emulation in der dritten Generation. Spectral Design haben in Zusammenarbeit mit Hughes & Kettner den Zentera entwickelt, ein digitaler Hardware Amp der diverse klassische Gitarren Amps emuliert. Da man nun also schon die Algorithmen hatte, lag es nah, in die Zweitverwertung als Software zu gehen, die jetzt mit Warp VST vorliegt.

Bedienung & Oberfläche
Warp VST ist ein “echter” Gitarrenverstärker als VST PlugIn, so echt, wie das eben ein Stückchen Software sein kann. Es stehen drei Amps zur Verfügung, die mit drei verschiedenen Boxensetups angehört werden können.

JC-Clean modelliert den transistorbasierten Roland Jazz-Chorus aus den Siebzigern und kommt mit den Reglern Volume, Bass, Mid und Treble. Er ist klangtechnisch der “unauffälligste” Amp, will sagen, selbst bei maximalen Werten ist der Eingriff ins Klanggeschehen recht zahm und betont vor allem die oberen Mitten.

Plexi emuliert einen JMP Modell 1987 aus dem Jahre 68, der unter anderem von Jimi Hendrix, Eric Clapton und Konsorten benutzt wurde und die Regler Gain, Master, Bass, Mid, Treble und Presence benutzt. Beim Plexi geht es deutlich heftiger zur Sache, dabei bleibt die Verzerrung aber immer sehr lebendig (weil sie auf die Dynamik des Signals, so eine vorhanden ist, zum Teil sehr drastisch reagiert) und klingt angenehm warm.

Warp ist schließlich eine Anlehnung an den Mesa Boogie “Rectifier” wie ihn sogenannte NuMetal Gitarristen (all der überflüssige Unsinn à la Limp Bizkit und hastenichgehört) gern als Distortion benutzen. Hier stehen die gleichen Regler wie beim Plexi bereit. Vom Sound geht er deutlich in Richtung der angepeilten NuMetal Zielgruppe, wenn man ihn für die Gitarre benutzt, ist aber auch eine drastische Distortion Option für Basslines und Drums.

Die drei Verstärkermodule lassen sich wiederum durch drei unterschiedliche Boxenemulatoren schicken. Greenback erzeugt einen eher höhenbetonten, cleanen Sound, während British dumpf-warm klingt. Combo schließlich macht eher den Eindruck eines leicht übersteuerten Kompressors.

Die Bedienung ist angesichts der doch eher übersichtlichen Parameteranzahl sehr einfach und völlig selbsterklärend, auch bei der Performance kann man nicht meckern.

Performance und Sound
Ob das Ding Gitarristen wirklich überzeugt, was den Sound angeht, weiß ich ehrlich gesagt nicht, für dezente bis heftige Verzerrungen aller möglichen anderen Sounds ist es aber durchaus geeignet und besitzt ein angenehm ausgewogenes Klangbild. Fest steht allerdings, dass Warp VST im Endeffekt eine recht kleine Zielgruppe haben dürfte: Gitarrenspieler, die nicht auf Hardware schwören und ihre Klampfe direkt an die Soundkarte anschließen. Für alle, die eher einen universellen Amp Simulator und/oder Verzerrer mit vielen Parametern suchen, gibt es wesentlich günstigere und vielseitigere Konkurrenz.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.