Text: mercedes bunz aus De:Bug 60

In der letzten Zeit sind EU-Urheberrecht und US-Copyright, die voneinander nur noch marginal zu unterscheiden sind, in Verruf geraten, weniger die Rechte der Künstler zu schützen, als vielmehr den Argumentationen und Interessen der verwertenden Unterhaltungsbranche zu dienen. Im Allgemeinen, abgesehen davon und grundlegend schützen erstmal jedoch beide – Urheberrecht und Copyright – jede geistige Leistung, die wahrnehmbar ist. Klar, ansonsten könnte ja jeder behaupten, er hätte eine Idee zuerst gehabt. Das Urheberrecht oder Copyright existiert also automatisch mit dem physischen Wahrnehmen einer Arbeit – im Gegensatz zur geläufigen Annahme ist auch in den USA keine Registrierung zwingend nötig und seit dem 1. März 1989 muss auch die Copyrightnotiz – das berühmte “©” – nicht mehr im Werk enthalten sein. Dennoch kann zur rechtlichen Absicherung weiterhin ein Copyright beim Copyright Office registriert werden. Das ist bei uns nicht möglich und auch nicht nötig.

Micky Mouse und das Copyright Law

Nach einer bestimmten Spanne von Jahren erlöschen Urheberrecht und Copyright. Das geistige Eigentum wird damit zum Allgemeingut, zum Leidwesen der daran verdienenden Unterhaltungsbranche. Nicht erst, seitdem durch das Internet Daten – also “geistiges Eigentum” – eine neue, fließende Beweglichkeit erlangt haben, ist ein langes Festhalten am geistigen Eigentum wichtig geworden. Der Kreuzzug wird auch außerhalb der digitalen Welt geführt, vor allem von der Entertainment Industrie. Das berühmteste Beispiel ist hier der immer noch andauernde Kampf um die spießige Walt Disney Figur “Mickey Mouse”. Die kostbaren Rechte der 1928 angemeldeten Maus sollten eigentlich – nachdem sie sowieso schon verlängert worden waren – 2003 in die Public Domain fallen. Also nächstes Jahr. Ist aber nicht, denn: Mit dem sogenannten “Mickey Mouse Copyright Law” wusste der Disney Konzern das Wahlkampfspenden prassend durch den amerikanischen Kongress zu verhindern, der das Copyright einfach schlichtweg insgesamt verlängerte – mit der Argumentation, es an europäische Verhältnisse anzugleichen.
In Europa erlischt das Urheberrecht 70 Jahre nach dem Tod des Autors bzw. nach der Veröffentlichung des Werkes. In den USA galt das Copyright erst 14, dann 28 Jahre nach dem Tod des Autors. Nun hat man die Zeitspanne auf 50 Jahre erhöht. Als Lohnarbeit entstandene Werke, an denen meist große Konzerne wie Disney das Copyright haben, sind seit 1998 sogar insgesamt 95 Jahre geschützt. Damit bewahrt das Gesetz die 1928 entstandene Micky Mouse bis 2023 vor dem Fall in die Public Domain – falls nicht erneut eine Verlängerung erlassen wird.
Die Argumentation einer Verlängerung auf Grund einer internationalen Harmonisierung zwischen USA und EU mag vielleicht verständlich erscheinen. Beängstigend bleibt jedoch, dass für den US-Kongress die ökonomischen Interessen der Entertainment Industrie mehr zählen als die Public Domain. Doch immerhin – die Klage des Robin Hoods des Urheberrechts, des amerikanischen Rechtsprofessors und Stanford Juristen Lawrence Lessig, der geltend macht, dass die exzessive Verlängerung kaum die Entstehung neuer Werke fördert und der freien Meinungsäußerung hinderlich ist, ist, obwohl Präsident Bush sich dagegen ausgesprochen hatte, im Februar überraschend zugelassen worden. Wahrscheinlich hinter Bushs Rücken, denn der ist ja voll und ganz mit der Achse des Bösen beschäftigt.

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Elektronische Lebensaspekte.