Text: Mercedes Bunz aus De:Bug 09

Weª Mercedes Bunz bunz@de-bug.de New York hat mich irgendwie noch nie besonders interessiert, bislang. Um mich herum fuhr man offensichtlich vor allem dahin, um von da an zu tun, als wären New York und man selbst Kumpels aus der Krabbelkiste, und ebenso wie die Stadt hätte man jetzt internationalen Standard. Nichts gegen New York, aber nein, das glaubt euch doch keiner Kinder. Außerdem machte dann genau in der Zeit, in der ich in das New-York-Da-Muß-Man-Gewesen-Sein-Alter kam, London viel mehr Wind, ganze Wirbelstürme, ob jetzt mit Kunst oder mit Breakbeats. Jetzt allerdings habe ich herausgefunden, warum New York interessant sein könnte und zwar wegen der Parties. Nicht, daß dort mit einem Male das Ravezeitalter erneut ausgebrochen sei, und wahrscheinlich erzählen einem die Brooklyner auch, früher sei alles viel besser gewesen. Trotzdem habe ich entdeckt, daß New Yorker Parties etwas Besonderes haben, weil die New Yorker bildende Kunst, Performance, Installation, Design und Musik nicht als meilenweit voneinander entfernte Felder verstehen, wie sie hierzulande verhandelt werden, sondern als ineinander übergreifende. Gestaltung wäre vielleicht ein Begriff, auf den sich alle einigen könnten, und durch den sie ihrem Feldghetto entkommen können, auf dem hierzulande munter beharrt wird. Außerdem sind in Glasbecken winkende Taucher auf New Yorker Parties einfach netter, als tote Hirst-Kälber auf Kölner Kunstmessen. Weª, bestehend aus DJ Olive, Once 11 und Lloop, kommen aus diesen Zusammenhängen, die sich aus lokalen Eigenheiten entwickelt haben. Als Multipolyomni bzw. als Lalalandia organisierten sie Taucher und gestalteten Parties, d.h. arbeiteten sie an Kombinationen von Sound, Video und Performance, sowie obskuren Installationen aus Plastik. Eine Mood-Disorientation-Campaign, wie sie es nannten. Auch das Design der Liquid Sky-Boutique in Soho, von der alle schon mal was gehört haben, wenn man meistens auch nicht genau weiß, was drinnen ist, stammt von ihnen. Weª ist deshalb auch weniger als nur Musik zu sehen, sondern mehr als Audio-Komponente all ihrer Tätigkeiten, obwohl ihr erstes Album “As Is”, das Ende letzten Jahres erschienen ist, durchaus für sich alleine stehen kann. Musikalisch wiederholen sie im Grund genommen die Verschiebungen, die sie durch die Parties begonnen haben. Auf Kategorien läßt man sich respektvoll ein, um sie ebenso respektvoll wieder zu verlassen und nur das mitzunehmen, was man gebrauchen kann. Es gibt keine Rolle, die Beats oder Bässe, Schnelligkeit oder kulturelle Horizonte zu spielen hätten. Eher orientiert man sich an einem weiten Feld zwischen Dub, Jazz und Drum and Bass. Oder es werden mal Sampels arabischer Musik eingearbeitet, ohne einen exotischen Bonus zu liefern, sondern einfach, weil sie einen interessanten Effekt geben. Es ist etwas spannendes, sehr eigenes, was Weª produzieren, wenn sie die Beats ein wenig grob, old schoolig für sich selbst stehend, über Tracks setzen und immer perfekt mit diesen ruhigen, melodischen Sampels abstimmen, die sie zusammenklauben. Drum and Bass ist für sie dabei weniger ein Ziel, das zu erreichen oder ein Konkurrent zu dem man sich in Wettstreit setzten müßte, denn Anregung für eigene Ideen. Klar, Weª sind in New York sowieso genug damit beschäftigt, mit ihrem eigenen Gespenst – Illbient – zu kämpfen, zu dem man sie in Beziehung setzt. Nicht zuletzt deshalb, weil es eine Wortschöpfung ist, die sie hervorgebracht haben wollen. Und das lange bevor DJ Spookey den Begriff zu oft am Telefon erwähnte, plötzlich für Illbient stand und außerdem noch Derrida mitverantwortlich dafür machte. Für sie selber hatte Illbient immer wenig damit zu tun, Musik eklektisch aneinanderzusetzen und kulturpessimistisch die Krankheit der Stadt widerzuspiegeln zu wollen, bzw. keinen Einspruch gegen diese Deutung zu erheben. Im Gegensatz zu dem Zug, frecherweise Dekonstruktivismus drüber zu sprayen, war Illbient für sie eher ein Zusammen verschiedener Elemente, sei es musikalisch oder auch visuell. Nicht zuletzt das macht jedoch genau deshalb Probleme, weil Illbient von DJ Spookey, Soundlab und DJ Soulslinger eindeutig zu einem Stil getrichtert wurde, wobei der Begriff ursprünglich für ein Zusammen der Stile stand. Weshalb sich Weª mittlerweile nach einem neuen Begriff umsehen. Vorschläge können an lloop@interport.net gemailt werden. Aber nur progressive!

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Elektronische Lebensaspekte.