Die Arbeiten der Wiener Programmiererin "lia" stehen seit längerem für eine gelungene Verbindung von organischen und technologischen Komponenten. Neben ihren explizit künstlerischen Projektenhat sie zuletzt mit "Revdesign" die "Clicks&Cuts" CD auf "Mille Plateaux" gestaltet und im Anschluss auch gleich noch die wunderschöne Website für Achim Szepanskis Labelkonglomerat entworfen.
Text: Anne Pascual, Marcus Hauer aus De:Bug 61

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Directors Clicks & Cuts aus Wien
LIA programmiert für Force Inc. zwischen Technik und Struktur

DEBUG befragte “lia” nach ihren Anfängen, ihrer Arbeitsweise und den Grenzen von “Natur” und “Technik”, die sich in den Strukturen und Formen aktueller Flash/Lingo-Anwendungen verschoben haben. Unbeantwortet blieb dabei vieles, vor allem die Frage nach der “Funktion” solcher Arbeiten, dem, was sie tatsächlich erzeugen. Die Diskussion, um dahinterliegende Strukturen, Werkzeuge und Outputs wird weitergehen.

DEBUG: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Force Inc bzw. Mille Plateaux, für die du die Clicks & Cuts CD und die Website gestaltet hast?
LIA: Ich bin gefragt worden, ob ich auch “kommerzielle” Seiten mache. Daraufhin hab ich Miguel Carvalhais von Revdesign (www.revdesign.pt) gefragt, ob er mir dabei helfen will. Wir haben von den Leuten von Mille-Plateaux ziemliche Freiheiten bekommen. Und im Laufe der Zeit haben wir Cover gestaltet und andere Arbeiten gemacht, die relativ viel Spaß gemacht haben.

DEBUG: Wie bist du zum Computer gekommen?
LIA: Über Dextro. Er hat mir zu Beginn viel beigebracht, sowohl was die Benutzung des Computers im Allgemeinen betrifft, als auch die Ästhetik.

DEBUG: Was hat dich dazu bewogen, das Programmieren zu lernen? Gab es eine Initialzündung?
LIA: Naja, eigentlich über “lingo”, einer Programmiersprache. Vor einigen Jahren war “lingo” viel “flüssiger” als heute. Sie sah auf den ersten Blick nicht wie eine echte Programmiersprache aus, sondern eher wie Gedichte.

DEBUG: Wie programmierst du, wie entwickelst du eine Idee?
LIA: Ich überleg mir, was ich machen will – ein Prinzip, eine Idee zu etwas – dann fang ich an – ohne mir vorher alle notwendigen Schritte bis ins kleinste Detail zu überlegen. Während des Programmierens ergeben sich natürlich oft zufällig andere Richtungen als geplant, in die das Ganze dann gehen kann.

DEBUG: Was treibt dich bei deiner Arbeit an?
LIA: Hauptsächlicher Antriebsfaktor ist wohl meine Neugier – verstehen zu wollen, wie was funktioniert. Nicht nur im Bereich von programmieren, sondern auch im Allgemeinen. Und natürlich freut es mich auch, wenn das, was ich mache, auch Anderen etwas bringt.

DEBUG: Deine Faszination für Mathematik und Gesetzmäßigkeiten schlägt sich in deinen Arbeiten nieder, die oft stark an organische Gebilde erinnern. Löst sich für dich darin die Trennung von Technik und Natur auf?
LIA: Ich sehe keine Trennung zwischen Mathematik und Natur. Die wird nur erdacht. Mathematik kann verwendet werden, um die Natur zu beschreiben. Umgekehrt kommen mathematische Prinzipien in den Formen in der Natur vor. Es sind keine Gegensätze – nur andere Ausdrucksformen.

DEBUG: Ab wann ist etwas aus deiner Sicht Kunst und ab wann ist etwas Technologie bzw. Informatik?
LIA: Ich denke, dass bleibt immer absolut subjektiv… alle Attribute, die auf diese “Richtungen” angewandt werden können, kann man sicher im Einzelfall wieder neu definieren oder sogar einfach austauschen.

DEBUG: Vielen Dank!

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Elektronische Lebensaspekte.