Text: jörg koch aus De:Bug 03

Nestlé entdeckt das Netz
Nestlé schätzt, daß möglicherweise langfristig bis zu 10% des Lebensmittelumsatzes im Internet getätigt wird. Ein Kunde könnte mittags per Computer seinen Menu-wunsch für ein Abendessem mit Gästen eingeben. Online stellt Nestlé Alternativen zur Wahl, läßt die entsprechenden Produkte zusammenstellen und am selben Nachmittag zu Hause anliefern. Immer wieder amüsant, wenn die Konzerngiganten in Sachen Internet aufwachen und altbackene Zukunftsszenarien entwickeln. Sabotageversicherungen sind allerdings nicht wirklich billiger.

Babes in Boyland
Gibt es Sexismus in Silicon Valley fragt Business Week in der aktuellen Ausgabe. Die Wissenschaftlerin Anita Borg in Palo Alto antwortet: “You run into subtle sexism every day. It’s like water torture. It wears you down” Und Tangotänzerin Kim Polese, die Sun verliess, um Marimba zu gründen, und Mitglied im ÒBabes in BoylandÓ ist (Club von Hi-tech Vorstandsfrauen) fügt hinzu: “If you really want to shoot to the top, you probably have to start your own business.” Feminismus in Silicon Valley – Mittelstandsförderung für Millionärinnen.

Nur gucken
Vom 6.bis 7. September 1997 findet in Zürich das Symposium Òjust watchÓ über die Repräsentation von Ògender and ethnicityÓ in elektronischen Medien statt, das auch als Treffen von Medienaktivistinnen weltweit angedacht ist. Schwerpunkt der Tagung liegt auf der Rolle der Frauen aus der dritten Welt in ihrem lokalen Medienkontext sowie in der globalen Berichterstattung. Ein Programm aus Workshops, Austellungen und Videos wird das Symposium noch bis Anfang November begleiten. Mehr Infos unter http://www.access.ch/justwatch

101 Ways to save Wired
Wired Ventures steckt in einer Sinnkrise, die mit finanziellen Schwierigkeiten einhergeht. John Battelle, Mitgründer von Wired, verließ die Firma, weil er ein neues Zeitschriftenprojekt ˆ la Wired meets Economist meets Vanity Fair realisieren möchte, und Louis Rossetto will nicht länger alle Posten innehalten und gibt die CEO-Stelle auf. Leute werden gekündigt (oh) und das hochtrabende Medienimperium befindet sich gerade in einer Konsolidierungsphase. Analog zu der Wired-Geschichte Ò101 Ways to Save AppleÓ, haben die Web-Magazine “Stating the Obvious” und “Netly News” ein Special Feature namens “101 Ways to Save Wired Ventures” eingerichtet. Ein Stelldichein der Netz-Schickeria, die nicht mit Rat an Wired spart: ÒHave Louis Rossetto slain on the steps of 520 Third Street by a shadowy, club-hopping, webgeek serial killer on the lam (I nominate Carl Steadman for the job). Like Versace’s clothes, Wired magazine & Wired Ware wil fly off the shelves, and hits to HotWired will triple. (Note, this is a short-term fix.)Ó
Zu finden unter http://www.theobvious.com/wired

Der Chefideologe der Net-Pravda über die post-coole Zeit
Leicht lädiert versucht sich Wired neu zu erfinden. Im Gespräch mit der New York Times vermerkt Wired Executive Editor Kevin Kelly: “You can only be cool once, so I think we’re going into a postcool period and we’re going to be as radical as we can without being cool.” Oha. Wie gehts weiter? “I don’t think at all that the storm has passed or the rebels have cleared the street. So we’ll still be there trying to scout ahead and report back from this other continent west of California that we call the future. All we’re saying is this revolution is bigger than you thought.” Word up kann man dazu wohl nur sagen.

Sprachwissenschaftler: Internet verändert die Sprache rasant!
ÒDas neue Medium bringt wieder mehr mündliche Elemente in die SpracheÓ, so stellte der Sprachwissenschaftler Professor Dieter Stein im Vorfeld der internationalen Konferenz über historische Linguistik in Düseldorf vergangener Woche fest, Òweil man darin schreibt, wie man spricht.Ó Eine aufsehenerregende Erkenntnis, eh? Aber Professor Stein kann es toppen: Während neue Sprachformen bisher rund 1 000 Jahre benöigten, um sich durchsetzen, könne man im
Internet bereits nach drei Monaten einen Sprachwandel bemerken. Dazu gehörten unter anderem neue Begriffe, das Auslassen der Artikel und einfache Satzkonstruktionen.

Einmal 6.000 Seiten Source Code scannen, bitte!
Der Source Code der neuen Version 5.0 der populären Kryptographiesoftware PGP ist in diesem Monat auf einer Website der Osloer Universität aufgetaucht, obwohl der Export von 128-bit fähiger Verschlüsselungssoftware in Amerika verboten ist. Doch der PGP 5.0 Source Code hat das Land ganz legal verlassen. In Form eines 6.000 seitigen Buches; ein Format für das das Gesetz keinerlei Einschränkungen vorsieht. Hacker haben dann die 6.000 Seiten eingescannt. Ein aufwendiges double-checking nach Fehlern wurde betrieben, das zwei Monate in Anspruch nahm, um schließlich auf der Website veröffentlicht zu werden (zuerst Unix, Mac und Windows Versionen werden folgen).

jörg koch, koch@buzz.de

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Text: jörg koch aus De:Bug 01

Das Paradies naht I
Neunmal schnellere Geschwindigkeiten als ISDN – 0,5 Mbits/s – versprechen die ersten Münchener Kabelzugänge ins Netz. Die Daten werden durch das Fernseh-Antennenkabel in die Haushalte gepumpt. Allerdings: Als Rückkanal wird immer noch eine Modem bzw. ISDN-Verbindung benötigt. Mehr Infos unter http://www.cablesurf.de

Aufgeklärter Egoismus
Man erinnere sich: Der Millionär und Oracle-Gründer Larry Ellison sorgte mit seinen Absichten, Apple in einem ãhostile take-overÒ einzuverleiben, für einige Schlagzeilen in den vergangenen Wochen. Doch wer seine Ankündigungen nur als billigen Marketing Hype für sein Network Computer -Projekt abtat, sieht sich jetzt getäuscht: Ellisons Handeln wird nur von dem Wunsch angetrieben, jedem amerikanischen Kind einen Computer auf den Schreibtisch zu stellen. Dem amerikanischen Magazine Vanity Fair verriet er in der Juni Ausgabe seine ãhehreÒ Motivation: ãThis is all being done pro bono. The question is: What do you do with your life? This is what, after the first several billion dollars, keeps you going… I mean, the goal is not be the richest guy in the graveyard. I don’t care how much I’m worth when I’m dead. How do I make myself feel good? The only way I know to make myself feel better is to make the world feel better. Don’t mistake that for altruism. It’s egotism. Call it enlightened egotism.”

Get-rich-quick Datenschmarotzer
Eine nicht genannte Firma aus Houston, Texas hat für $150.000 den Domain Namen ãbusiness.comÒ von einer britischen Firma abgekauft, die den Namen vor vier Jahren kostenlos registriert hatte. Laut dem Broker, der den Deal vermittelt hatte, ist es bis dato die Rekordsumme für einen verkauften Domain Namen.

Muß man hin I
Vom 5.-8. August findet die open-air hacker convention ãHacking in Progress 1997Ò (HIP!) auf einem Campingplatz in der Nähe der niederländischen Stadt Almere statt. Von Linux Lehrgängen bis zu Diskussionen über virtual communities wird alles beackert, was die Herzen der europäischen Hacker, Künstler und Medienaktivisten erfreuen wird. Obwohl man Zelte mitbringen muß, gibt es eine Ethernet-Verkabelung für die mitgebrachten Computer und Laptops. Ein Gefühl von ãglobal telepresenceÒ wird mittels Video-links und anderen Gadgets (hey, letztendlich sind es ja Hacker…) zu der parallel verlaufenden Konferenz ãBeyond HopeÒ des Magazines 2600 in NY generiert.
Mehr Infos unter +31 20 5352081, fax +31 20 5352082, info@hip97.nl , http://www.hip97.nl/

Crazy but not insane
Die vielbesprochene ãeconomy of attentionÒ erhält nun einen finanziellen Unterbau. Ähnlich dem Frequent Flyer Programm von Fluglinien, kann man nun auf bestimmte Websites Punkte sammeln, die man später eincashen kann. Je nachdem ob man Formulare ausfüllt, Werbetexte durchliest oder an Unfragen teilnimmt gibt es zwischen 50 cents und mehreren Dollars. Werdet reich bei http://www.cybergold.com

AOL4Free
http://www.mmp.co.uk/mmp/informer/netnews/HTM/66n1y.htm

Bildungsbürgertum aufmischen
Während der Documenta X findet sich die europäische Netzkulturmafia zum Stelldichein beim hybriden Workspace-Projekt (18.06-28.09.07) in Kassel ein. Wird net-art jetzt sexy für das Bildungsbürgertum? Von Innenstadtpolitik zu Cyber-Feminsmus thematiseren woechentlich verschiedenen Künstler, Aktivisten und Theoretiker den state of art in Kassel. Daß man von Workspace nicht nicht ins Netz kommen soll begründen die Macher damit, daß sich dann eh nur alle Pornos ansehen würden. Künstler. Mehr Infos unter 0561 – 108 88 90, fax 0561 – 108 88 91, workspace@documenta.de, http://www.documenta.de/workspace

Technologies Amricans love to hate
InvestorÕs Business Daily berichtet von einer Umfrage unter 1.000 Konsumenten nach den meistgehassten technischen Errungenschaften, die die American Research Group (welch origineller Firmenname…) letzten Jahres unternahm. Es stellte sich überraschenderweise heraus, dass Internet-Shopping den beachtlichen zweiten Platz errang. Ein Konsument begründete dies mit: “What happens if I have a problem with the product? I can’t shove it in my hard drive and send it back.” Und der Sieger? Voice Mail. Platz drei übrigens für Autotelefone.

Muss man hin II
Vom 5. bis 7. September findet in Berlin zum dritten Mal die Softmoderne statt. An den Schnittstellen von Netz- und Sprachkritik, Netzliteratur und Online-Journalismus will die Konferenz operieren, die einen einzigartigen Status in Deutschland geniesst. Wieso aber werden ãlaunige Late-Night VeranstaltungenÒ versprochen? Das klingt nach Spass, eh?.

Quote of the issue
Nach dem Massenselbstmord der Sektenmitglieder in San Diego, die den Kometen als Startsignal für ihren Ufo-Trek (miss)-deuteten, kursierte der folgende Spruch, prädestiniert für einen Autoaufkleber, auf der ã0xdeadbeefÒ Mailing Liste: So many idiots…so few comets.

Das Paradies naht II
Im Rahmen der Koelner Medientage wurde ein Pilotversuch von RTL und Telekom für digitales terrestrisches Fernsehen vorgestellt. Das Novum: Die digitalen Signale können künftig mit jeder Zimmerantenne und einem speziellen Decoder empfangen werden. Diese neue technische Revolution für den Fernsehmarkt, die eine hoehere Frequenznutzung (mehr Kanäle) zu niedrigeren Kosten bedeutet, läßt uns hier bei Buzz natürlich kalt. Aber nettes Nebenprodukt dieser Entwicklung: Terrestrische Internetantennen sind hiermit ohne weiteres möglich. Und geplant. Und was ist mit dem E-Mail Plug-In für G-Schock?

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Text: nico haupt aus De:Bug 08

Net News collected by Nico Haupt netzkraut@newmedia.de Phreak Hotel Als viel zu kurzer Geheimtip galt im Januar das Anwählen der neuen Telefonprovider über Hotels, Gaststätten und teilweise auch Kaufhäuser. Der Nebenanschluss nahm die Taktierung nicht an, so daß man kostenlos telefonieren konnte. Leider quatschten wie immer irgendwelche Nerddeppen zu früh. Schade, denn der beste Kick neben dem Auslandsgespräch zur Freundin war das Hören der Chartbreaker von WOM-Filialen der jeweiligen Nachbarstadt über die Aktivboxen. Aktuelle Phreakpläne gibt es aber noch in den einschlägigen Adressen. Kloning On Demand Riesenrummel um Richard Seed, der den ersten menschlichen Klon bauen will. Seine Gegner treiben ihn nun ins Ausland und natürlich in die Mailinglisten. Angeblich kann man deswegen bald dann doch für 2,2 Mio DM eine Kopie bestellen, vermutlich ist er ja schon über AOL zu erreichen. Crack 5.0a Der neue Crack 5.0a zum Selberbasteln ist erhältlich. Dient besonders auch zum Checken eigener Schwachstellen in der Sys-Admin. Eine Anlaufadresse: ftp://ftp.fu.berlin.de/pub/unix/security/crack/Crack_5.0a.tar.gz I-nettelefonie gegen T-Kom Neben den ca. 40 neuen Telefonprovidern in Deutschland gibt es mittlerweile auch ca. 20 Alternativsysteme im und um das Internet herum. Viele davon bieten auch internes Videoconferencing. Eine Adresse für reine Vidnet-Plugins gibt es unter oder http://www.browserwatch.iworld.com/ oder http://www.isl.org/EIES/CSCW/CSCW_info.html. Digicrash der Weltbank Mit Õ98 beginnt auch ein neuer Startschuss in Richtung Digitaler Zahlungsverkehr im Net. Schon zittern die Weltbanken, ob dies in finanzpolitischer Weitsicht nicht auch eine Konkurrenz an sich werden könnte. Ein Januarbericht in der Zeit gab uns eindrucksvoll analytische Aussichten. Die Deutsche Bank leierte seit Anfang 98 dennoch ungerührt das lizenzierte Cybercash-Projekt an, das schon 95 als Digicash fungierte. Eine weitere neue chipgestützte Variante ist zu erforschen unter http://www.millicent.com/. Hacker an der UNI Düsseldorf Emailwechslern zur FH wollte man per ÒoffiziellemÓ Mail sämtliche Kennungen entlauschen. Wieviele darauf reingefallen sind, war zur Stunde noch unklar. Gewiss ist, dass man bereits Stunden später sämtliche alten Emails vom Server kopieren konnte. Digital Video Disc DVD-die nächste Runde. Nachdem es nun zwei konkurrierende Rewrite-systeme geben wird (auch schon mit Doublespeed), ist die übernächste Generation verabschiedet. DVD Video kann bei Kontoabbuchung über Modem upgeloadet werden. Ein DivX-Player umfasst Mehrkanalaudio und unter anderem auch ein Hollywood-Digital Theatre System. Go: Deinstall Explorer Neuer Schlag für Microsoft Explorer. Nachdem die Bundesbehörde durchgedrückt hat, das Betriebssystem solle nicht mehr unmittelbar mit dem Browser vergeben werden, fand ein Tüftler auch raus, wie man das BS ohne Browser starten kann. Microsoft hatte behauptet, das System könnte ohne Browser nicht sauber ablaufen.Netscape hat diesen De-installer nun als Button auf seiner Homepage eingebaut und soll schon von diversen Sympathisanten gelinkt worden sein. Mystik Worms Im IRC kursieren derzeit zwei gefährliche Worms, die Festplatten abstöbern können. Name der Unholde: Simpsalabim und Acogaril. Antiwürmer unter http://www.irchelp.org/irchelp/mirc/si.html. Save The Mouse Computersimulationen sollen Tierversuche ersetzen. Ein wirklich humanes Projekt namens SimHeart soll in naher Zukunft an der Johns Hopkins University in Mayryland/USA durchgeführt wurden. Grundlagen sind simulierte Physiologie, Zellen und Organe. Hoffmann-La Roche hat bereits ein Bluthochdruckmittel in Testauftrag gegeben. Mittlerweile gibt es auch schon die Ableger SimMuscle, SimPatch, Simnerv u.a. Infos unter http://www.tierrechte.de und in der Januar-cÕt. Teardrops for Government Das US-Energiebehörde gibt die Existenz der Angriffsprogramme “Teardrop” und “Land” zu. Diese Hacktools werden dazu benutzt, ohne Berechtigung in Computersysteme und Netzwerke einzudringen. Sie spüren jeweils Schwachstellen in Servern auf und greifen mit der “denial-of-service”-Strategie an, die die Server mit falschen Nachrichten überschwemmt und so den legitimen Nachrichtenverkehr verhindert. More Music On Demand Immer mehr music on demand-Tools gibt es nun im Web zu ziehen. In Konkurrenz zu Liquid Audio stehen nun Cerberus, AudioNet, Winamp, AT&T a2b, Musicmaker (mit direkt brennen von CD), Globalmusic und Myc (Potsdam), ansonsten erfreuen sich die klassischen freien Real Audios dieser Welt nach wie vor der größten Beliebtheit im Netz. D-Box gecrackt Auf dem letzten Chaos Computer Club Kongress gab es die Cracks der D-Box (Hard- und Software) zu bestaunen, und obwohl das wohl nicht das aus dieser Kirch Wundermaschine, die nach seinem Willen demnächst unser ganzes Leben regieren soll, so wie “einst” der PC, sein wird, können wir uns mal wieder getrost zurücklehenen in der felsenfesten Überzeugung, daß wo eine Zukunft, da auch ein Crack.

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