Das Jazzgesangsduo "Wednesday" von Anna Feilchenfeldt und Hester Boverhuis flieht sein traditionelles Jazz-Umfeld, sucht die Nähe zu Techno und findet die goldene Synthese aus Stimme und 808. Zwischen Ben Beckers "Trompete" und Mad Max vom Tresor.
Text: Andreas Krüger aus De:Bug 54

Voice & Beats, Mensch & Maschine
Wednesday wohnt in Amsterdam

Voice & Beats, Mensch & Maschine ist ein stets neu definiertes Versuchsfeld mit manchen Hits und vielen Misses, ebenso wie der meist nur gut gemeinte Versuch, serielle und “freie” Musik in ein kreatives Spannungsverhältnis zu bringen. Meist dient das eine nur der Ornamentierung des anderen. Beats für den Wumms, Stimme und “Jazz” als Soße obendrauf. Tausende Diskussionen wurden darüber schon geführt. Eher zufällig stolperten “Wednesday”, das neueste Projekt von Anna Feilchenfeldt und Hester Boverhuis, in dieses Terrain: Beide studierten in den Niederlanden Jazzgesang und waren unzufrieden mit der musikalischen Entwicklung der Jazzgruppen, in denen sie sangen und spielten. Beide begannen zunächst unabhängig voneinander, sich rein elektronischer Musik zuzuwenden. Jeff Mills nahm mit Anna Feilchenfeldt PM-009 / “If” auf, Anna und Hester sangen gemeinsam auf dem Track “Come Along” von DJ Minus 8 (auf “Compost One Hundred”). Ich hörte “Wednesday” zum ersten Mal in der “Trompete”, Ben Beckers Berliner Bar. Als wir kamen, haute ein ziemlich verlebt aussehender DJ namens “Henry” den wenigen Gästen “Plastic Dreams” von JayDee um die Ohren. Mitleid und Missmut machten sich breit, bis “Wednesday” die Bühne betraten und einen Loungehit nach dem nächsten aus dem Ärmel schüttelten. Die Spannungsbreite reichte von reduzierten Housemelodien bis zu rhythmisch sehr vertrackten Kompositionen. Bei “Wednesday” gibt es keine festen “Rollen”: Beide singen, spielen, komponieren, arrangieren. Musik und Stimme sind gleichberechtigt miteinander verwoben, so wie auch die miteinander vernetzten Prozesse der Macintosh Laptops, des Synthesizers und der 808. “Wednesday” pflegt darüber hinaus eine mit den Jahren entstandene Freundschaft und einer gemeinsame musikalischen Idee. Die Freiheit (aber nie Beliebigkeit) Ihres Umgangs mit Texten beobachten Anna und Hester selbst in “words”, einem Track, der die Dynamik klassischer Main Street Recordings hat: “words as necessity or else as a pasttime / sometimes they’re all we have / sometimes they’re all we give / words define meaning to what may have or have no meaning …” Von der Tristesse einer halbleeren Großstadtbar in einer regnerischen Sommernacht ließen sich “Wednesday” nicht anstecken, sondern zeigten elegant, was Clubmusik im 21. Jahrhundert sein könnte. Dabei half Ihnen auch Ihre Bühnenerfahrung, so trat z.B. Hester als Teil der “Schismatics” und mit ihrem eigenen Projekt “Speechwater” u.a. in der “Knitting Factory” (NY) und der “Roten Fabrik” (Zürich) auf. Die Zukunft sieht vielversprechend aus: Neben weiteren Experimenten als Gesangsduo u.a. mit Mad Max & Steve D. (Tresor/Berlin) sind weitere Auftritte geplant.

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Elektronische Lebensaspekte.