Text: Anton Waldt aus De:Bug 40

Welt am Chip: Filesharing

Der nächste Albtraum der Musikindustrie
… könnte nach Napster “Aimster” werden, ein Filesharing-Tool, das auf Gnutella-Routinen aufbaut und den Kontakt zwischen Tauschwilligen durch Messenger-Programme herstellt. Derzeit befindet sich das Programm in der Beta-Version 2.0 und ist nur für Windows und AOLs Instant Messenger zu haben. Im nächsten Monat sollen allerdings Versionen für ICQ und Yahoos Messenger folgen. Aimster hebelt mit der Einschränkung des File-Tauschs auf Buddy-Listen zunächst das Hauptargument der Musikindustrie gegen Napster aus, dass Musik dort nicht im privaten Rahmen sondern öffentlich getauscht wird. Dazu scheint Aimster auf Allianzen mit mächtigen Verbündeten zu setzen, die vor lästigen Prozessen schützen oder diese zumindest besser durchstehen helfen könnten. Laut eigenen Angaben steht Aimster mit Intel in Verhandlungen über mögliche Kooperationen oder finanzielle Beteiligungen. Mitte September hat die Zahl der Aimster-Nutzer die Millionen-Grenze überschritten.

Intel in Napsters Fußstapfen
Intels Entwicklungsabteilung arbeitet derzeit an einer Reihe von “Peer-to-Peer”-Projekten. Peer-to-Peer bezeichnet den direkten File-Austausch direkt zwischen den Nutzern, die quasi ein “eigenes” Netz bilden. Es entspricht dem Funktionsprinzip von Gnutella und eingeschränkt auch dem von Napster – bei Napster wird noch ein zentraler Server zur Anbahnung des Austauschs benötigt wird. Pat Gelsinger, Intels Technologie-Chef, bezeichnet das Peer-to-Peer Grundprinzip seines Unternehmens als “Virtual Private Web”, wobei das Netzwerk aus den Angestellten einer Firma, einem Freundeskreis oder Familienmitgliedern bestehen kann. Darauf basierend will Intel eine Reihe von Anwendungen präsentieren, etwa zum Austausch von Firmendaten, Familien-Fotos- und -Filmen oder von Prozessor-Resourcen. Intel dürfte seine Entwicklungen allerdings kaum direkt vermarkten, sondern eher an Partner-Unternehmen lizenzieren.

MP3.com-Nutzer bekommen Werbe-Mails
Nachdem sich das Unternehmen mit vier der fünf großen Plattenfirmen außergerichtlich geeinigt hat [und von Universal vielleicht dennoch in den Ruin durch Schadensersatzforderungen getrieben wird], hat die Musikindustrie MP3.coms Datenbestände als Grundlage für Werbebotschaften entdeckt. Anfang September gingen an hunderttausende MP3.com-Nutzer Werbe-Mails für die Band “Vast” der Warner Music Group. Die Mails enthalten Links zur Site der Band, auf der ein Titel gratis angehört werden kann, sowie zu Amazon zwecks schnellen Erwerbs der CD. Camille Hackney von Warner kommentierte die Aktion so: “Für uns ist das ein Weg, genau die richtigen Leute durch aggressives Marketing unserer Künstler zu erreichen.”

Scour entläßt Zwei-Drittel seiner Angestellten
Die Multimedia-Suchmaschine Scour.com hat 52 von 70 seiner Angestellten entlassen müssen und damit den Gerüchte über einen baldigen Konkurs des Unternehmens neuen Auftrieb gegeben. Scour bietet neben Suchfunktionen für Multimedia-Inhalte auch ein Tauschfunktion an, die nach einem ähnlichen Prinzip wie bei Napster funktioniert [“Scour Exchange”]. Hintergrund der ökonomischen Schieflage Scours ist die fehlende Bereitschaft von Kapitalgebern, in das Unternehmen zu investieren, solange es von einer Lobbygruppe der Filmindustrie in Prozesse verwickelt wird. Die Auseinandersetzung vor Gericht kosten das Unternehmen außerdem sehr viel Geld, so daß frisches Kapital früher als erwartet benötigt wird.

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