Internet-Sucht, chipgesteuerte Tennisschläger, tokoioter Ticketschalter mit Unterhaltungsfunktion und Jugendalkoholismus zwischen den Netzen.
Text: anton waldt aus De:Bug 46

Welt am Draht
Neues von der “Internet-Sucht”
“Internetsucht” ist als Phänomen mittlerweile etabliert, als Steigerung wird jetzt von US-Psychologen eine digitale Katastrophe vorausgesagt. “Jüngsten Untersuchungen zufolge sind rund sechs Prozent der Internetnutzer in den USA abhängig, also elf Millionen Menschen”, berichtet die Psychologin Kimberly Young. “Uns könnte eine Epidemie bevorstehen”. Die Behandlung der Internet-Sucht erweist sich laut Experten allerdings als problematisch: Der “Totalentzug” ist wegen der wachsenden Bedeutung von Online-Diensten im Wirtschafts- und Alltagsleben kaum möglich.
Allererste Webcam wird abgeschaltet
Eine Webcam mit Kultstatus hat für immer ausgedient: Nach acht Jahren wird die erste jemals installierte Webcam in einer Teeküche an der britischen Universität Cambridge abgeschaltet. Quentin Stafford-Fraser, Wissenschafter und einer der Initiatoren des Projekts, leistete die Webcam gute Dienste: Über das Netz konnte er stets kontrollieren, ob es gerade Kaffee gab und sich so unnötige Gänge in die Küche sparen.
Smarter Tennisschläger mit Chipsteuerung
Auf der Sportmesse “Ispo” hat Head im letzten Jahr die ersten “intelligenten” Tennisschläger vorgestellt, die mit Hilfe von High-Tech-Materialien und Prozessoren Schläge automatisch optimieren sollen. Nachdem die Österreicherin Barbara Schett den intelligenten Schläger schon bei den Australien Open getestet hat, dürften die aufgerüsteten Sportgeräte jetzt eine weitere Verbreitung im Profitennis finden. Die High Tech-Generation von Tennisschlägern besteht aus piezoelektrischem Material, das einen Teil der Aufprallenergie des Balles in elektrische Energie umsetzt. Der elektrische Impuls versteift den Schläger dann chipgesteuert innerhalb einer Millisekunde. Dadurch werden Schwingungen des Schlägers reduziert und gleichzeitig die gesamte Schlägerfläche zum so genannten “Sweet Spot”, dem eigentlich begrenzten Bereich der die optimale Beschleunigung des Balls garantiert.
Sprechende Fahrkartenautomaten in Tokio
In Tokio gibt es bald “sprechende” Fahrkartenautomaten. Sie sollen sehbehinderten Menschen als akustische Orientierungshilfe dienen. Die Bahngesellschaft JR East wird dazu in einer Testphase zunächst auf einem Bahnhof der stark benutzten S-Bahnlinie Yamanote an mehreren Stellen Sensoranlagen installieren. Sobald sich ein Sehbehinderter mit einem tragbaren Empfangsgerät einem der Sensoren nähert, meldet sich dieser mit einer künstlich generierten Stimme und teilt mit: “Hier steht ein Fahrkartenautomat” oder “Dies ist eine Fahrkartensperre”. Auch der Weg zur Toilette soll künftig über akustische Signale angezeigt werden.
Internet fördert Jugendalkoholismus
Anläßlich der europäischen Ministerkonferenz “Jugend und Alkohol” machte WHO-Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland eine Beziehung zwischen Internet und Alkoholkonsum aus. Demnach fungiert das Netz als Ausweichplattform für Alkoholwerbung, die in anderen Medien immer verpönter wird. Laut Brundtland versucht die Industrie mit ausgefeilten Reklamestrategien nicht zuletzt in neuen Medien wie dem Internet ganz bewusst und mit Erfolg “Trinken als Gewohnheit” bei der jugendlichen Kundschaft als attraktiven Lebensstil zu verankern.

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Text: anton waldt aus De:Bug 45

Welt am Chip: Kurioses

Barcelonas Müll wird digitalisiert
Die Stadtverwaltung von Barcelona will ihre 18.000 Papierkörbe demnächst mit Mikrochips ausstatten, um der Stadtreinigung die Arbeit zu erleichtern. Die Chips ermöglichen es den Müllmännern, mit einem handlichen Taschen-Computer abzufragen, wie voll ein Abfalleimer ist und wann er zum letzten Mal geleert worden ist. Zudem könne auch geklärt werden, ob ein Behälter einen neuen Anstrich [!] benötige. Wie dies genau funktioniert, verriet der Sprecher der Verwaltung allerdings nicht. Mit der speziell entworfenen Software will man eine Optimierung des Reinigungsdienstes und der Müllabfuhr-Routen erreichen, sagte der Sprecher weiter.

Handy aus Altpapier für 10 Euro
Die Erfinderin Randice-Lisa Altschul will mit ihrer Firma Dieceland im Herbst diesen Jahres in den USA ein Wegwerf-Handy aus Altpapier auf den Markt bringen. Anfang 2002 soll es weltweit vermarktet werden. Grundidee ist die flexible Platine, die jetzt schon in vielen Handys verwendet wird, so zu formen, dass sie zum Gehäuse wird, wodurch die Kosten für ein Plastikgehäuse entfallen – Displays sind natürlich erst gar nicht vorhergesehen. Das Phone-Card-Phone soll um die 10 US Dollar kosten und als Trägermaterial für die Funktionselemente Altpapier nutzen. Die “Card” führt das Billigprodukt nur im Namen, sein Guthaben aufladen kann man höchstens online mit der Kreditkarte. Altschul hat 1999 zusammen mit einem Partner ein Patent für Einweg-Handys angemeldet und inzwischen 21 weitere Patente, die Details des Junk-Fons betreffen, hinzugefügt. Die Papierhandys, die mit 60 Minuten Sprechzeit aufgeladen sind, werden entweder einzeln verkauft [In Supermärkten genauso wie von der Modekette “The Gap”] oder aber als Werbegeschenke vermarktet.
sfmoma

Cisco bringt den Nobelpreis ins Netz
Die altehrwürdige Nobel-Stiftung hat eine Kooperation mit Cisco angekündigt, die die bisherigen und zukünftigen Preisträger und ihre Arbeit “ernsthaft” ins Netz bringen soll. Bislang ist die Site eher knapp gehalten. Außer der Altersstruktur der Komiteemitglieder stand einer umfangreichen Site bislang auch das strenge Vermächtnis Alfred Nobels im Weg, der die Verwendung von Geldern eigentlich nur für die Preisträger vorsieht. Dementsprechend sieht laut Cisco auch die bisherige Netzinfrastruktur der Nobel-Stiftung aus: Eine bunt zusammengewürfelte Sammlung von Rechnern unterschiedlichsten Alters, die in einem Raum ohne Türschloss untergebracht ist. Eine echte Überraschung waren für Cisco das bisherige Personal: “Der Webmaster ist ein Mikrobiologe von Weltklasse,” berichtet Tom Herbst von Cisco. “Viele Sachen, die er mit seinem Team gemacht hat, sind wirklich einzigartig und innovativ, andere aber schlicht katastrophal.”

Autonomer Roboter sichtet Walfutter unter Eis
Britische Wissenschaftler planen mit einem autonomen Tauchroboter das Leben unter der arktischen Eisdecke zu erforschen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Futter von Walen, dem Kril-Vorkommen, die bislang kaum erforscht sind. Die Navigation des Roboters ist eine Premiere: An der Oberfläche kann Autosub zwar auf ein GPS-System zurückgreifen, unter dem arktischen Eis soll er allerdings völlig autonom und nicht wie bisherige System von einem Schiff aus ferngesteuert schwimmen. Autosub muss dementsprechend über die bisher zurückgelegte Strecke, die Meßdaten über Wasser, Temperatur und Strömung sowie die Entfernung zur Eisdecke selbstständig navigieren.

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