Anton Waldt schildert die aktuelle Krise der Telekom-Unternehmen.
Text: anton waldt aus De:Bug 46

Welt am Chip
Überschuldete Telekoms und sorglose Banken
Die internationalen Telefonkonzerne haben nach Angaben der “Bank für Internationalen Zahlungsausgleich” [BIZ] im Jahr 2000 zur Finanzierung von Lizenzen und Übernahmen ihre internationale Kreditaufnahme auf den Rekordwert von 273 Milliarden Euro mehr als verdreifacht. Zur Frage, ob die Banken damit eventuell zu große Risiken eingegangen sein könnten, äußerte sich die BIZ nicht direkt. Sie zitierte aber Stimmen, wonach verschiedene Banken gerade in Europa übermäßig große Risiken im Hinblick auf die Telekomindustrie übernommen haben könnten. Die BIZ, die den Notenbanken der Mitgliedsländer als Zentralbank aber auch als Koordinationsplattform dient, erfasst Kredite dann, wenn mindestens eine Bank eines Konsortiums ihren Sitz nicht im gleichen Land wie der Kreditnehmer hat. Kredite einer Bank an ein Unternehmen im gleichen Land werden in der Regel nicht erfasst.
Multimedia-SMS soll Telekoms sanieren
Die aktuelle Krise der Telekom-Unternehmen ist vor allem auf die hohen Investitionskosten in das zukünftige UMTS-Netz zurückzuführen – und darauf, dass bislang völlig unklar ist, wie die teils existenzbedrohlichen Schulden wieder hereingespielt werden sollen. Die Hoffnungen der Branche richten sich jetzt auf Multimedia-SMS, also das einfache und schnelle Versenden von Textnachrichten, die mit Bildern, Musik- und Video-Files gekoppelt sind. Zum Hoffnungsträger taugen die MMS [Multimedia Messaging Service] genannten Dienste, weil sie intensiven Datenverkehr mit der Popularität von SMS kombinieren. Allerdings sprechen auch eine Reihe von Tatsachen gegen den Optimismus der angeschlagenen Branche. Zum einen hat der Erfolg von SMS die Netzbetreiber in den letzten zwei Jahren selbst völlig überrascht. Zum anderen müßten sich die entsprechenden Handys mit integrierter Bild- und Tonverarbeitung zuerst am Markt durchsetzen.
Erstes UMTS-Netz auf der Isle of Man
Überraschender Weise könnte die britische “Isle of Man” im Wettstreit, in welchem Land als erstes Mobilfunkdienste der dritten Generation [3G] angeboten werden, die Nase vorn haben, noch vor der japanischen NTT DoCoMo und der Vivendi-Tochter Monaco Telecom. NTT DoCoMo hat den Start ihres 3G-Angebots für den 30. Mai angekündigt. Die ersten Basisstationen sind auf der Isle of Man bereits in den Weihnachtsfeiertagen an Ort und Stelle gebracht worden. Sie werden derzeit installiert und in Betrieb genommen. Das größte Problem ist momentan die Lieferfähigkeit 3G-fähiger Mobiltelefone. Bisher hat Manx Telecom, die BT-Tochter auf Insel, nur hunderte und nicht wie angestrebt tausende Handys geliefert bekommen. Die Telefone stammen aus der Produktion der NEC.
Handys sind zum Telefonieren da
Bei der Handy-Nutzung werden Datendienste nach Überzeugung des britischen Mobilfunkkonzerns Vodafone entgegen der gängigen Branchen-Meinung noch über Jahre eine relativ geringe Rolle spielen. In den kommenden drei Jahren werde die klassische Sprachtelefonie weiter 80 Prozent der Firmeneinnahmen ausmachen, erklärte Vodafone. Trotz der Möglichkeit neuer Multimedia-Dienste durch Übertragunstechniken wie GPRS oder UMTS werde das direkte Gespräch von Mensch zu Mensch weiter der wichtigste Grund bleiben, zum Handy zu greifen. Die Datenübertragung werde bis 2004 maximal ein Fünftel des Konzern-Umsatzes ausmachen.
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Elektronische Lebensaspekte.