Text: Anton Waldt aus De:Bug 40

Welt am Chip: Vermischtes

Schizophrener Roboterhund
Der Spielzeughersteller Tomy will im November für rund 150 Euro einen neuen Roboterhund auf den japanischen Markt bringen, der mit “intelligenter” Kommunikation überzeugen soll. “Dog.com” soll ähnlich wie Hasbros “Furby” im Lauf der Zeit Vokabeln einer “Hundesprache” erlernen und je nach dem, wie er behandelt wird, einen von 16 Charakteren entwickeln. “Dog.com” soll immerhin 795 verschiedene Geräusche und Wörter beherrschen. Der Robo-Hund ist mit sieben Sensoren ausgerüstet, darunter vier Taster, ein Sensor für den Gleichgewichtssinn, zwei akustische für die Lokalisierung von Geräuschen und ein Lichtsensor. Wau.

Jugendmode mit Sex-URLs bedruckt
Eine “Fantasie-Internetadresse” auf Sweat-Shirts des Textilfilialisten C&A führt zu einer Porno-Site. Von den 60.000 Teilen seien mehrere hundert verkauft, der Rest aus den Regalen geräumt worden. C&A ruft alle Käufer auf, die Sweat-Shirts zurückzubringen. Als “unfassbare Sauerei” hat C&A Deutschland-Chef Dominic Brenninkmeyer den Vorgang bezeichnet. Nach Auskunft von Firmensprecher Thorsten Rolfes ist noch unklar, ob bereits bei der Produktentwicklung oder erst nach dem Verkaufsstart die Verlinkung geschaltet wurde.

“Ich habe downgeloadet”
Der am 25. August erschienene neue Duden kennt 5.000 Begriffe mehr als die vier Jahre zurück liegende letzte Auflage, davon stammt ein großer Teil aus dem IT-Bereich. Zu einer besonders kühnen Festlegung hat sich der Duden beim “Downloaden” durchgerungen – hier wird die unschöne Perfektform “ich habe downgeloadet” mit höheren Weihen versehen. Weitere neue Verben sind das “Verlinken” und das “Highlighten”, letzteres ebenfalls mit Hinweis auf eine etwas kuriose Perfektform: “gehighlightet”. “Chatten” wird als elektronische Kommunikation “über Tastatur und Bildschirm” erklärt. Den “Quellcode” beschreibt der Duden etwas abwegig mit “Text eines grundlegenden Computerprogramms”. Das Rechtschreibwörterbuch übernimmt auch die Vorliebe der IT-Branche für Abkürzungen: Berücksichtigt wurden unter anderem der ASCII-Code [“Zeichenkode zur Darstellung bestimmter Informationen”], die DVD, FAQ, HTML, das MP3-Format, SMS, WAP und SGML [“eine normierte Form der Textmarkierung”]. Zum Glück hat es auch der “Bug” in den Duden geschafft…

Virenattacken auf PDAs und Handhelds
Nachdem Ende August der erste Trojaner, der auf Palms abzielt, aufgetaucht ist, sind PDAs und Handhelds vermehrt in den Blickwinkel von Sicherheitsexperten geraten. Das Programm, das vorgibt eine gecrackte Version des Gameboy-Simulators “Liberty 1.1” zu sein, überschreibt Dateien auf dem Palm, sobald dieser an einen PC zum Datenabgleich angeschlossen wird. Vor allem die fehlende Unterstützung von Macros macht die PDAs allerdings ungeeignet für eine schnelle Verbreitung von Viren. Dementsprechend sind die Schäden derzeit nur geringfügig, aber mit zunehmender Vernetzung der PDAs dürften sich Missbrauchsmöglichkeiten vervielfachen und die Gemeinde der Virusschreiber ihre Aufmerksamkeit auf dieses Segment lenken.

SMS-Fake
Die Meldung, dass einige Nokia-Mobiltelefone durch bestimmte SMS-Texte kurzzeitig lahm gelegt werden könnten, erwies sich dagegen als Ente. Besonders gravierend wäre der Schaden aber sowieso nicht gewesen. Es wurde kolportiert, dass der Akku entfernt und wieder eingelegt werden müsste, um die Telefone wieder in Gang zu bringen

Welt am Chip:

Illegale Bilder im Netz aufspüren
Die Kasseler Firma Cobion [Bis vor kurzem noch Only Solutions] hat im September erstmals Furore mit dem Auffinden von 50.000 Hakenkreuz-Abbildungen im Netz gemacht. Das Geschäft Cobions ist allerdings nicht das Auffinden von potentiellen Strafrechtsverstößen im Netz sondern das von illegal kopierten Bildern oder Marken-Logos. Die drei Firmengründer aus Kassel beschäftigen inzwischen nach eigene Angaben in Kassel und San Francisco 50 Mitarbeiter, die angeblich täglich 50 Millionen Abbildungen untersuchen. “Pixel für Pixel” vergleichen die Cobion-Rechner angeblich alle Abbildungen im Netz mit dem gesuchten Objekt. Dabei würden zunächst Bilder aussortiert, in denen Symbole der gesuchten Farbe und Form vorkommen. Bei der Suche nach einem Markenzeichen etwa können auch stark ähnelnde Symbole selektiert werden. Die Firmengründer rühmen sich der Entwicklung der weltweit ersten Software zur Bilderkennung, die die Leistung des Gehirns beim Sehen kopiert. Sollten die Angaben Cobions stimmen, hätte die Firma allerdings einen deutlichen Vorsprung vor der internationalen Konkurrenz: Erst im August haben australische Wissenschaftler angeblich erstmals die menschliche Farbwahrnehmnung simuliert. In Zukunft soll die Cobion-Software auch zum Analysieren bewegter Bilder genutzt werden.

Shopping-Bots sollen das Netz erobern
Nachdem Software-Agenten, die eigenständig die günstigsten Angebote im Netz suchen bzw. ersteigern, 1998 einen großen Hype erfuhren aber anschließend in der Praxis eher unzureichende Ergebnisse erbrachten, wurden die Shopbots vordergründig vergessen. Die Industrie hat das Prinzip allerdings nicht aufgegeben und hat die Bots weiterentwickelt. Unlängst traf sich die Branche zu einem Kongress und ließ erstmals die verschiedenen Bots in einem Wettbewerb gegeneinander antreten. Dabei wurde neben der Fähigkeit aus Fehlern zu lernen insbesondere auf Auktions-Psychologie Wert gelegt. Hier geht es vor allem darum zu vermeiden, dass ein Produkt zu teuer erworben wird, weil zu viele Bieter teilnehmen. Es gibt allerdings auch Datenschutz-rechtliche Bedenken gegen den Einsatz der Softwareagenten: Wenn diese selbstständig im Netzaktiv sind, um bestimmte komplexe Aufgaben zu erfüllen, könnte es ein leichtes sein auf die Bedürfnisse oder Pläne des Nutzers Rückschlüße zu ziehen.

Allergisch gegen Mikrochips”
Die britische “Times” berichtet über eine Rentnerin, die “allergisch gegen Mikrochips” ist. Demnach bekommt Joan Stock [79] seit 25 Jahren starke Kopfschmerzen, wenn sie sich einem Computer oder einem anderen elektronischen Gerät nähert. Seit in den Supermärkten elektronisch gezahlt wird, kann sie dort auch nicht mehr einkaufen gehen. Wie die “Times” berichtete, “verträgt” sie auch keine Farbfernseher und kann nicht in Zügen mit elektrischen Türen fahren. Ihre Wohnung in Bristol sieht aus, als wäre dort die Zeit in den frühen 70er Jahren stehen geblieben.

PC-Crash schlimmer als Ehescheidung
Eine Umfrage der britischen Firma Benchmark Research im Auftrag von ILC zu alltäglichen Problemen mit Informations-Technologien malt ein düsteres Bild der Informationsgesellschaft. Demnach finden es beispielsweise zehn Prozent der Befragten, die alle hauptsächlich am PC arbeiten, schlimmer, wegen technischer Probleme einen Tag keinen Zugang zu ihren Daten zu haben, als den Flieger in den Urlaub zu verpassen. Zwölf Prozent der Befragten finden die unfreiwillige Rechnerabstinenz sogar schlimmer als die Trennung von einem Partner.

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