Unverfroren pfiffig: Zwei Hamburger kommen rum
Text: Nikolaj Belzer aus De:Bug 113


Zwei Hamburger kommen rum. Von Kitsuné angeschoben, von New Rave beflügelt, sind Digitalism begnadet genug, um ohne fremde Hilfe in den Olymp des Rock’n’Rave aufzusteigen.

“Ist das dieses Simon Handy Disco?”, ruft meine Stiefschwester vom Rücksitz. “Nein, Digitalism.” “Digi … was?” “Di-gi-ta-lism!” “Ahhhh, egal, echt geil.” Der Rest der Mittzwanziger auf dem Weg zum Familienfest nickt zustimmend. Zur Linken kommt der spiegelblaue Zürichsee ins Sichtfeld, am Horizont blitzen die letzten Schneereste der Alpen in der Sonne. Idylle. “Mach ma’ lauter!”, schallt es von hinten.

Ein paar Tage zuvor sitze ich mit Ismail Tuefekcis und Jens Moelle, kurz Isi und Jens, beim Kaffee im Konferenzraum eines Majorlabels in Berlin. Neben dem für die Musikbranche fast schon unerhöht höflichen Auftreten der beiden Hamburger scheint ihnen vor allem eines in die Wiege gelegt zu worden sein: Gelassenheit. Die netten Jungs von nebenan, die schon früher immer das coolere Spielzeug hatten.

Aber halt! Rückwärtsgang eingelegt und noch mal 18 Monate zurück. Spätsommer 2005 in Paris. Im kleinen, aber feinen Shop von Kitsuné versuche ich mit den Labelchefs Masaya und Gildas ein Interview zu führen (s. Debug 97). Eigentlich soll es um Ihre Fashion-Kollektion sowie den Release der neuesten Compilation “Maison 1” gehen. Aber mal abgesehen von der neuen Dachterrasse des Kollegen und Daft-Punk-Schützlings Homem-Christo ist aus Gildas nur eines rauszuholen: Digitalism, Digitalism und noch mal Digitalism! Erst letztens seien sie in Hamburg zu Besuch gewesen und hätten sich von den Jungs die Stadt zeigen lassen; war super nett! Und überhaupt: Es gäbe nur tolles Feedback auf die ersten 12“s. Egal von wo, egal von wem. Da wäre noch mit einigem zu rechnen, vor allem wenn nächstes Jahr erst das Album kommt.

Mehr als anderthalb Jahre später regiert bei Isi und Jens immer noch die Bescheidenheit. Die ganze Lobhudelei in meiner Geschichte scheint ihnen dann doch eher unangenehm zu sein.

Isi: Die Sache hat damit angefangen, dass ein Freund von uns bei einem Major gearbeitet hat. Der hatte noch den Kontakt von Gildas; dem hat er einfach mal “Idealistic” hingeschickt und da kam unerwartet super Feedback zurück. Jens und ich haben abends im Club in Hamburg aufgelegt und plötzlich kam von unserem Kollegen eine Message, weitergeleitet von Gildas: “Ey Jungs, heißer Scheiß, die Leute flippen hier komplett aus. Ich will das Ding unbedingt haben.” Und so ging’s dann los. Eigentlich war auch nicht geplant, dass “Zdarlight” rauskommt. Die haben halt “Zdarlight” gehört, und auch da kriegten wir eine gute Rückmeldung, womit wir überhaupt nicht gerechnet hätten. Geschweige denn, dass es so ein Über-Clubhit wird. Und dann steht man halt da und sagt: “Jo!”

De:Bug: “Jo”?

Isi: … nicht “Jo”, aber …

Jens: Der Witz ist eigentlich, dass es erst mal um “Idealistic” ging, “Zdarlight” kam später; das hatten wir erst mal nur auf CD an Freunde verteilt, den Track hat eigentlich niemand so wirklich beachtet – auch wir selbst nicht.

In der Zwischenzeit haben sich Digitalism vom Plattenladen aus dem Schanzenviertel auf die Weltbühne der Electro-Hipsteria geschwungen. Angefangen hat alles mit einem Re-Edit von “Seven Nation Army” von den White Stripes sowie der anschließenden Eigenveröffentlichung von “Idealistic” auf dem schnell gegründeten HouseHaltsHilfe Rec.

Isi: Wir haben kurz vor Weihnachten zufällig mit Erol [Alkan] telefoniert und der meinte: “Jungs, ihr glaubt das nicht, aber ich hab dieses White Label hier!”

Irgendwie weiß niemand so recht, in welches der neuen Style-Fächer im Plattenregal man das nun einordnen soll. Nu-Rave, Electro-Trash oder doch Indie. Der englischen Musikpresse sei Dank, sonst hätte der deutsche Fachverband nichts zum Nachschreiben und die armen Künstler-, äh, Musikerseelen würden in dem Wald voller Filter-Knöpfchen von einer Identitätskrise in die nächste stolpern. Auf jeden Fall spielen Jens und Isi gerne live, oft und überall. L.A, Paris, Sydney usw.

Isi: Wenn ich zurückblicke, muss ich erstaunlicherweise zugeben, dass jedes Wochenende etwas Neues mit sich gebracht hat. Man kann natürlich nicht immer sagen: “Oh, gestern Abend, das war super geil!” Aber es gab eben auch Wochenenden, an denen ein Abend den nächsten getopt hat. So haben wir natürlich schon Abenteuer erlebt. Zum Beispiel “The Fabric” in London: Da waren 60 Live-Bands, komplette Indierock-Bands, wir waren der einzige Act, der Electro-Musik gemacht hat. Und die Leute sind total durchgedreht! Die haben uns angefasst, während wir gespielt haben, so dass Jens und ich uns kaum konzentrieren konnten.

Jens: Das hätten wir gar nicht erwartet, wir wussten erst gar nicht, was wir da sollen. Aber wir fühlen uns eh immer so ein bisschen verschmolzen mit dem Publikum, so als wäre alles ein Brei. Stimmungstechnisch sind wir mit denen und die ziehen wir auch gerne mit rein.

Mit Ableton Live, Controller und zwei Micro-Korgs raved man sich durch die Trend-Geschichte. Wobei so ein ordentlicher Rockeinschlag nicht zu überhören, aber eben auch alles andere als außergewöhnlich ist. Wer zwischen zwanzig und fünfunddreißig Jahren hat nicht schon mal überlegt zur Klampfe zu greifen, egal ob die Motivation jetzt New Order, “And justice for all” oder Def Leppard hieß? Der Titel von Digitalisms Debütalbum ist die Substantivierung ihrer ersten Single: “Idealism”. Da wechseln sich Rave-Knaller wie “Zdarlight” oder “Magnets” mit (stets von Jens eingesungenen) Rocksongs wie “Pogo” ab. Eine Pop-Hymne mit Hitpotential versteckt sich mit “Echoes” ganz am Ende des Albums. Und wer es drauf ankommen lässt, kann bei “The Pulse” sogar einen Barock-Einschlag entdecken, Jens’ Orgelunterricht in jungen Jahren sei’s gedankt. Dabei ist es insbesondere mit Hinblick auf die analog und unheimlich dynamisch klingenden Drum-Patterns bemerkenswert, dass beide eigentlich kein Instrument ernsthaft beherrschen:

Isi: Ich bin gerade dabei, mein Schlagzeugspiel aufzufrischen. Ich habe vor einem Jahr angefangen richtig zu spielen, um es wirklich noch mal zu lernen.

Jens: Also ich habe mir mal eine Gitarre gekauft, mit einem Freund geübt; ein paar Sachen kann ich auch. Aber im Endeffekt landet bei uns alles im Sampler und wird dann noch mal weiter verarbeitet.

Isi: Das sagt halt auch der Name: Digitalism.

Jens: Wir nehmen uns einfach alles, was da rumsteht. Da wir das Studio eh immer mit irgendwelchen Bands teilen mussten, hatten wir auch immer Drums, Gitarren oder Bässe zur Verfügung.

Isi: Rübergegangen, aufgenommen.

Jens: Aber wir sind jetzt keine Profischlagzeuger oder Gitarristen.

Isi: Ne, gar nicht (lacht).

Eben mit diesem unbekümmerten Auftreten gießen Digitalism noch mehr Öl in die Wunde der Kulturkritik, die sie mit ihren Live-Auftritten, Produktion und Remixen – u.a. für Tiga, Daft Punk oder Depeche Mode – in den letzten Jahren eh schon weit aufgerissen haben. Bei aller Liebe zur wilden Party: der Vorwurf – und die damit einhergehende Nichtbeachtung des deutschen Dance-Feuilletons -, dass es sich bei diesen zusammengewürfelten Stilelementen aus Rock’n’Rave in erster Linie um Effekthascherei handelt, verklingt nicht ungehört. Gerade in Deutschland, wo im Gegensatz zum angloamerikanischen Kulturraum der Zweck selten die Mittel heiligt. Schließlich scheint dies zum allgemeinen Trend zu passen, der sich von der Subkultur (von Jeans Team bis Boys Noize) bis hin zum BundesVision-Song-Contest zieht. Dabei war der ebenso kurzlebige wie blödsinnige Ausflug des New-Rave-Hypes von London nach Deutschland nur ein Nebenschauplatz. Interessant und nachhaltig bleiben dabei nur die Fashiontrends.
Aber was bedeutet das im Fall Digitalism? “Talent vor Stil”, alles Quatsch mit Sauce und ab jetzt nur noch Kompakt und Perlon respektive The Strokes oder The Postal Service im CD-Player?

“Everything is anything new
The future is a thing that’s a danger to you
Even the minimum is maximum …”
aus “Anything New” auf “Idealism”

Erstens machen Isi und Jens natürlich primär Musik für den Dancefloor, auch wenn das nie so geplant war:

Isi: Unser Studio ist in einem Bunker aus dem 2. Weltkrieg, original ohne Fenster.

Jens: Der Bunker von innen ist ja quasi wie so’n Club.

Isi: Kein Tageslicht, nach acht Stunden hast du keinen Sauerstoff. So wie im Club, und irgendwann tropft es auch mal von der Decke [lacht]. Nein, so extrem ist es nicht, aber es hat halt schon Clubfeeling.

Jens: Wir haben uns jetzt nicht extra gesagt, dass wir Clubmusik machen, sondern die Hauptsache für uns war (kurzes Zögern) … wir hatten irgendwann angefangen zusammen aufzulegen und fanden es immer langweilig, dieselben Sachen wie andere Leute zu spielen. Das war überhaupt der Grund, warum wir mit Edits angefangen haben. Isi hat im Vertrieb (bei WordandSound) gearbeitet und ich im Plattenladen (Underground Solution). Jede Woche haben wir 500 neue Platten gehört, die uns zu 90% langweilig vorkamen. Aber wir wollten unbedingt neues, cooles Material zum Auflegen zur Verfügung haben und so sahen wir uns gezwungen, dieses Material, was wir eben richtig toll finden, selber zu produzieren. Das war eigentlich die einzige Vorgabe, die wir uns soundtechnisch gegeben haben.

Dabei ist man sich durchaus bewusst, dass man kritisch gesehen wird. Nur ist das für beide ganz natürlich und deswegen auch ok so.:

Isi: Deutschland steht mehr für Minimal und Techno. Und wir sind ja genau das Gegenteil. Da ist es natürlich schwer für viele Künstler sich zu verbiegen, gerade, weil deren Sound eher oft sehr gerade ist. Wenn man unseren Sound anschaut, dann ist der eher wellenförmig, denn er hat relativ viele Höhen und Tiefen, und Minimal oder Techno ist wesentlich eher eine gerade Strecke.

Jens: Ich glaube, viele Leute sehen das auch viel zu ernst. Es sind gerade irgendwelche Blödeleien gewesen, die wir stets gut fanden. Oder Leute, die das alles nicht so ernst nehmen. Wir fanden immer schon Sachen wie Wu-Tang oder Dr. Dre geil, die ganz plötzlich etwas ganz anderes in ihre Musik reinhauen.

Letzendlich funktioniert das ordentliche Spiel mit den Emotionen nur dann nachhaltig, wenn man sein Handwerk beherrscht. Es ist also auch kein Wunder, dass ein begeistertes Raunen durch den Raum geht, als ich nachfrage, ob Digitalism nicht z.B. mal Van Halen remixen würden. Dabei gibt es gerade in Rock und Pop einen großen Unterschied zwischen einem billigen und einem gut gemachten Effekt. Zum Letzteren gehören, wenn man so jung und unerfahren ist wie Digitalism, Unverfrorenheit, aber vor allem auch Können. “Pfiffig sein!”, verbessert mich Isi und grinst. Dafür ist insbesondere im Studio Bedachtheit gefragt und nicht die “Auf die Fresse”- Attitüde, die Digitalism bei ihren Live-Auftritten oft unterstellt wird.

Isi: Da kommt, glaube ich, jetzt mein Part. Ich bin sehr großer Musikliebhaber. Jens und ich hören sehr, sehr viel Musik, auch unterschiedliche. Wenn es um Breaks geht, dann versetzte ich mich in die Situation der Leute und sage: Wie wirkt das auf mich, wenn das so im Club läuft? Das ist, glaube ich, eine Fähigkeit von mir, dass ich mich da gut reinversetzen kann. Entsprechend versuchen Jens und ich das dann umzusetzen.

Jens: Diese Musik soll natürlich auch uns dazu bringen, dass wir, während wir daran sitzen, mit der gleichen Erwartungshaltung auf den Break warten und dann “jetzt bitte los!”.

Die höchste Kunst ist der Break und das beherrschen und lieben die beiden. Man schaue sich nur ihren ersten Clubhit “Zdarlight” an. Zwei offensichtliche Breaks hat der knapp sechs Minuten lange Track, wobei der zweite eine verkürzte Version des ersten darstellt. Dabei geht es, hört man genau hin, schon von der ersten Sekunde an los. Das eigentliche Thema entfaltet sich nur in den knapp dreißig Sekunden zwischen den beiden Breaks sowie am Ende, wo es per Synthie-Aufsatz leicht moduliert wird. Ansonsten steuert alles von Beginn auf den Break hin. Eigentlich ist der Track ein Break. Ständig werden Sequenzen aus- und abgeschaltet, stets so fließend, dass der Song melodisch intakt bleibt; die Intensität nimmt ab, während sich der Track harmonisch steigert, dann das Ganze wieder umgekehrt.

Jens: Wir sind eben Breakfetischisten! Wenn man sich manche Tracks von uns anschaut, ist da oft zu sechzig Prozent Break und der Rest ist eigentlich nur ganz kurz.

Isi: Das beschreibt sozusagen auch unsere Musik. Viele Emotionen, sehr rough – laut auf jeden Fall. Der laute Sound kommt vielleicht auch an Hand des Bunkers, der uns im Sound so ein bisschen geprägt hat.

Habt ihr auch vorläufige Versionen, die ihr dann austestet?

Jens: Ja (seufzt), wir haben halt sooooo viele Ideen …

Isi: Das ist wirklich heftig.

Jens: … dass wir ganz viele Sachen auch auf die Schnelle provisorisch fertig machen und dann irgendwann vielleicht gar nicht mehr anfassen. Zum Beispiel sind auf dem Album ein paar Sachen von vor drei Jahren drauf, die wir noch mal umgewandelt haben. Aber ganz oft heißt es dann auch “Wochenende! Morgen müssen wir wieder auflegen! Dann lass mal diese Sache noch ganz schnell fertig machen, damit wir es irgendwie reinhauen können.” Also vorläufige Sachen haben wir auf jeden Fall oft dabei gehabt.

Bei all den Ideen im Kopf interessiert es wenig, ob da jetzt der große Erfolg kommt. Im Endeffekt steht doch wesentlich mehr dahinter als nur abzufeiern. Es geht um den eigenen Sound, eben diese Idee im Kopf, die raus will und auf ihre Verwirklichung wartet. Entsprechend überlegt reagieren beide dann auch auf die Frage, ob sie ihrer Zeit voraus seien.

Jens: Wir sind in unserer Zeit, in unserer eigenen Digitalism-Zeit (lacht), Ich weiß nicht, wo die angesiedelt ist, ob die ein bisschen vorweg ist oder nicht. Natürlich kriegen wir alles Mögliche mit, was um uns rum passiert. Ob jetzt neue Bands aufkommen oder sich Sound-technisch Veränderungen ergeben. Wenn uns irgendetwas gefällt, dann adaptieren wir das selbstverständlich auch. Und was aus uns wird, ob wir jetzt irgendwie Superstars werden oder nicht, das ist uns eigentlich egal. Hauptsache, wir können möglichst vielen Leuten unsere Musik präsentieren. Da ist es natürlich von Vorteil, wenn du einen Major im Hintergrund hast, der das Ganze weltweit platziert. Das hat alles irgendwo seinen Sinn. Denn wir wollen ja auch was rüberbringen. Was die Leute uns dann für Labels oder Tags geben, das ist dann eigentlich egal.

Isi: Und Stress und Druck sind normal, das hast du auch im normalen Arbeitsleben.

Jens: Ich finde das gerade super, egal wie viel Stress. Ich will ja gar nichts anderes machen.

Dass Digitalism keine Modeerscheinung sind, wird auch daran deutlich, dass mit Robert Smith von The Cure ein ganz Großer ihrem Re-Edit von “Fire in Cairo” (jetzt “Digitalism in Cairo”) letztlich zugestimmt hat, obwohl sich die Vorgeschichte alles andere als positiv für die Jungs darstellte:

Isi: Das war ‘ne interessante Story. Ich komme erst mal zum Bootleg, der releast wurde …

Jens: … der war nicht von uns!

Wer steckte dahinter?

Isi: Ich hab das Ding im Netz gefunden, sehe plötzlich: “Digitalism In Cairo”- Bootleg – und sage: Das kann nicht angehen. Wer war das?

Hattet ihr den Track denn vorher schon so genannt?

Jens: Ja, ich glaube, das war auch der Arbeitstitel. Aber das ist auch schon wieder zwei Jahre her. Wir hatten diese alte “Boys Don’t Cry”-LP mal wieder irgendwo ausgepackt und fanden diesen Refrain so geil, dass wir den unbedingt verlängern und noch mal spielen wollten. So haben wir das dann in den Sampler gehauen, noch was drumrum gebaut – das hat auch eigentlich nicht lange gedauert – und dann hat sich das als ziemlich cool oder effektiv herausgestellt.

Isi: Ich habe versucht rauszufinden, wer es ist, aber das haben wir bis heute nicht geschafft.

Jens: Gute Werbung war es ja trotzdem …

Isi: … es war super Werbung, man muss es unter dem Aspekt sehen.

Jens: Das Problem war nur: Genau zu der Zeit, als das Bootleg rauskam, haben wir versucht, das ganz offiziell von The Cure absegnen zu lassen. Das war natürlich erst mal nicht so förderlich. Wir haben inzwischen alles komplett neu eingespielt, deswegen ging es nur noch um das Publishing und das fand Robert Smith dann auch ok. Das heißt, es ist jetzt ein eigener Song, kein Remix, kein Re-Edit.

De:Bug: Ihr habt Robert Smith aber nicht persönlich getroffen?

Jens: Leider nicht. Wir waren gerade letzte Woche in Miami bei der Winter Music Conference und haben ihn verpasst.

Isi: Zur gleichen Zeit, als wir gespielt haben, hat er auch gerade auf einer anderen Stage gespielt.

Jens: Aber wir haben auf myspace Kommentare bekommen, dass wir Leute von der The-Cure-Bühne weggezogen haben (Gelächter).

Inwiefern fühlt ihr euch denn auch als Teil der Bands, denen das Internet geholfen hat? Wenn man sich anschaut, dass Bands wie Wolfmother oder The Presets aus Australien plötzlich auf der anderen Seite der Welt per Subkultur nach oben schwimmen.

Isi: Ich finde es gut, dass es sozusagen einen Generationswechsel gibt. Damals war es immer das Radio und jetzt ist es komplett das Internet. Die Blogs tun enorm viel für Bands, egal, ob bekannt oder unbekannt. Die Leute sind generell immer musikinteressiert! Und das ist halt die beste Plattform, um dieses Interesse mit Neuem zu sättigen.

Gerade eure Remixe, z.B. der “DanceNotDance”-Remix von Cajuan, gehen ja enorm rum im Netz. Also ich habe ihn daher.

Jens: Ja, da hast du einen unveröffentlichten Track von uns. Man kann das eigentlich mit der Print-Presse vergleichen. Denn die Leute, die die Musik verbreiten, respektieren die ja auch. Deswegen finde ich es auch okay, wenn Blogs ähnlich wie irgendwelche Printmagazine vor dem Releasedate bemustert werden.

In Zukunft soll es von Isi und Jens auch eigene Projekte geben, ob als Isi E, Jence, Palermo Disco Machine oder Cajuan, wo Jens schon jetzt mitproduziert.

Auf jeden Fall ist Digitalism aber im Moment das Hauptprojekt und alles was sonst kommt, das kommt halt dazu. Das Wichtigste ist “Idealism”. 15 Tracks elektronische Musik, produziert von zwei Jungs mit einer ordentlichen Portion Gleichmut und wahrscheinlich mehr Talent, als es vielen lieb ist. Oder wie es die Fluokids, Frankreichs Style-Weblog-Heroen, mit dem Titel ihres Digitalism-Interview-Posts ganz unfreiwillig auf den bilingualen Punkt bringen: “Pizza aux fruits des champs”! Denn mit Sicherheit hört man auf dem Album bei aller Stil-Kontingenz eine Handschrift heraus oder wie Jens sagt, das Album trägt als Ganzes “die Digitalism Unterschrift. So dass es sich liest wie ein Roman statt einer Sammlung von Kurzgeschichten.”
http://www.myspace.com/digitalism

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Elektronische Lebensaspekte.