WhatWhat ist Rapperin. Aber weder ein edel wackelndes "Yo"-Sweetie noch eine Vorzeige R&B Lady, die bezaubernde Melodien zum besten gibt. Sie ist einfach eins: ein guter MC. Das hat sie u.a. auf Degos HipHop Album Tek9 bewiesen.
Text: clara völkel aus De:Bug 35

/hiphop/MC Royale Mic Taktik MC WhatWhat ”Viele Leuten wissen nicht, wie sie mich einordnen sollen.” Das passiert leicht, wenn man nicht in gängige Klischees passt. WhatWhat ist weiblicher MC. Keine singende Randerscheinung, die mit verzückender Stimme und korrektem Körpereinsatz die männliche Masse bei Laune hält. “Ich kann schon richtig singen. Aber ich muss es nicht.” Lässig und mit einer Menge Talent hat WhatWhat aka Jean Grea das Mic im Griff. Sie hat mehrere erstklassige Produktionen zusammen mit ‘The Herbaliser’ aufs Vinyl gelegt, auf dem Tek9 Album begeistert und mit Kool Keith und Bobbito bei den Jungs-Stars High & Mighty ihre “hands on experience” gezeigt: “Ich gehe gerne ab. Und ich habe keine Angst vor irgendeinem Thema. Und wenn es kontrovers ist – hey das ist sogar noch besser.” Background WhatWhat bounct über die Tracks, gefühlvoll rough und elegant. Geboren als Tsidi Ibrahim in Kapstadt wohnt die 23-jährige in Manhattan, New York. Neben dem MCing macht sie auch Beats, inzwischen seit elf Jahren. Damals, mit zwölf, wollte WhatWhat ja eigentlich DJ sein, aber ihr waren “die Platten einfach zu verdammt schwer”. Also begann sie mit dem Equipment ihres Bruders rumzuspielen. Als Produzentin, u.a. für Makin Records Projekte wie ‘The Bad Seed’ und Pumpkinhead, heisst sie Run Run Shaw, als MC inzwischen Jean Grea. WhatWhats Eltern sind Jazzmusiker, ihre Mutter Sängerin und ihr Vater der Pianist Dollar Brand. Sie hatte lange Zeit Klavierunterricht, ein wenig klassisches Stimmtraining, und elf Jahre lang Ballettunterricht. “Daher kommt wahrscheinlich auch meine Vorliebe für klassische Musik, insbesondere Streichmusik”. Durch die Musik ist sie auch zum Rappen gekommen: “Um mich herum war immer Musik. So ziemlich alle Leute, mit denen ich abhing reimten auch.” Mit 14 trug sie bei Spoken Word Poetry Veranstaltungen ihre Texte vor. Bis sie 1996 auf Natural Resource traf. Die 12” des Trios namens “Baseball”, von ihr als Run Run Shaw produziert, schlug mit über 10.000 verkauften Kopien ähnlich wie der Vorgänger “Bum Deal” unerwartet in den independent Himmel ein. Eine EP folgte. Trotzdem sagt sie: “Wir hatten damals eigentlich keine Ahnung, was wir taten”. Neue Orientierung Letztes Jahr fand WhatWhat dann, dass die Quelle ausgeschöpft ist. Natural Resource war ihr auf Dauer zu peacig: “Mein Style ist definitiv ein wenig härter und kantiger.” 1996 kam WhatWhat nach Europa, London. “Ein kleines Label brachte mich dahin und wollte, dass ich dort etwas aufnehme. Ich hatte keine Lust, aber alle meinten, ich solle es mal abchecken. Also bin hingefahren und habe den Track gehört und dachte mir: Das mache ich nicht! – Das war natürlich ein Problem. Erst letzten Abend meines Aufenthaltes habe ich dann Herbaliser getroffen. Sie meinten ganz cool, wir könnten ja mal zusammen arbeiten. 1997 war ich dann wieder dort und habe etwas aufgenommen.” Seitdem war WhatWhat ständig bei ihren Produktionen dabei. Auch Dego alias Tek9 wollte für sein Album “Simply” mit ihr arbeiten. Sie kannte ihn aber gar nicht: “Er hat mir einen Brief geschrieben. Ich hatte noch nie etwas von ihm gehört. Ich bekam ein Tape und sollte mir ein paar Tracks auswählen. Und wenn mich jemand fragt, und ich die Leute fühle, dann habe ich damit kein Problem.” MC-Leben ”Vielleicht war es vor ein paar Jahren noch von Vorteil, ein weiblicher MC zu sein. Im Moment geht aber eine echt erstaunliche female Explosion ab, mit den ganzen Chicks, die jetzt rauskommen.” Mit dem weitgehend maskulinen Rapbusiness kommt WhatWhat ganz gut klar: “Seit Beginn war das Ganze ein Men’s Game. Ich versuche eigentlich, nicht allzuviel darüber nachzudenken. Es gibt einige Frauen, die nur über die bitchy Seite des Ganzen schreiben, als Antwort praktisch. Es gibt aber eine unendliche Menge anderer Themen in der Welt. Ich würde mich niemals darauf beschränken, mich nur auf das zu konzentrieren. Ich glaube, das ist auch der Grund, weshalb ich mich anders fühle als der Rest. Es gibt so viele weibliche MCs und dergleich viele Themen, die nur von Frauen besprochen werden können. Aber sie machen es nicht.” So hat Jean Grea eine konkrete Vorstellung davon, was ein MC neben sprachlichem Geschick können sollte: “Es gibt eine ganze Welt von Konzepten, Ideen und Geschichten, die einfach richtig tief gehen. Wenn man ein MC ist, sollte man sich nicht vor irgendeinem Thema fürchten. Und vor allem nicht immer das gleiche wiederholen.” Den Konflikt zwischen Underground und kommerziellem HipHop betrachtet WhatWhat als überflüssig: “Kommerziell sein ist nicht unbedingt schlecht. Viele Leute sind es einfach deswegen nicht, weil ihnen das Budget dazu fehlt. HipHop ist heute nunmal ein riesiges Geschäft. Ich denke, solange wir es richtig machen und das Geld wieder in Dinge stecken, die die HipHop Community bereichern, dann – hey, geht und macht Euer Geld.” Die allgegenwärtige Engstirnigkeit stört sie extrem: “Der Underground hört sich Dich nicht an, wenn Du zu kommerziell bist, und andersrum. Es ist wirklich schwierig, einen passenden Platz zu finden.” In Europa, meint sie, sei das alles anders: “die Leute haben ein offeneres Ohr dafür, welche Art Stuff Ihr hören wollt. Ihr habt kein Problem damit, zuzuhören oder die Sachen zu pushen. Hier hat jeder so eine “ok, gehört”-Mentalität. Wenn ein Stück sieben mal am Tag im Radio gelaufen ist, und dadurch in dein Hirn gehämmert wird, dann ist das eben was in nächster Zeit das heisse Ding sein wird.” Coming up Jean Grea hat zusammen mit Apani B. Fly Emcee von Polyrhythm Addicts einen Track für das Beatminers Album gemacht. Zudem wird sie auf Mr. Sinistas Album und Mr.Lens kommender Platte rappen. Zusammen mit Apani und Lyric hat Jean Grea/Run Run Shaw “SSBB” gegründet, deren EP im Sommer erscheint.

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Elektronische Lebensaspekte.