Andreas Hilse setzt die reine Lehre von Minimal gegen das Generve von Trance und Acid. So verlaufen die Fronten in Brandenburg.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 99


Momentaufnahmen

Minimal ist alles. Nur seltenst noch minimal. Immer eine Prise Disco, Acid, Retro oder zumindest Chicago muss dabei sein, wenn sich das ehemals bestimmende Genre auf den Weg zum Dancefloor macht. Das reine, abstrakte, pure Minimal-Label, gibt es das noch? Gibt es jemanden, der die Idee weiterverfolgt, Reduktion in Sounds und Methode ganz oben auf das ästhetische Treppchen zu setzen? Man möchte sagen, nein. Aber das stimmt nicht, denn dieses Jahr trat Winsome Music aus Brandenburg mit vier EPs an und bewies uns, dass Minimal einmal mehr das spannendste Konzept sein kann, wenn es darum geht, den Dancefloor von dem Ballast des Bekannten zu befreien. Wir fragten Pitti Zell aka Andreas Hilse, was hinter Winsome Music steckt.

Warum ist Minimal für dich so grundlegend?

Weil es auf lange Sicht gesehen doch die viel geheimnisvollere Musik ist als das, was es sonst so gibt. Trance, Acid usw. ist in Massen vorhanden und gute minimale Musik gibt es erst seit drei bis vier Jahren und die ist noch lange nicht ausgereizt.

Was stört dich an dem, was sonst so unter Minimal läuft?

Trance und jegliche Art von Musik mit vielen Melodien. Und Musik über 128bpm.

Woher kam die Inspiration, Winsome zu machen?

Ich besitze seit sieben Jahren keinen Fernseher mehr, lese sehr gerne Musikzeitschriften, Szenemagazine, usw. und bin zu 100% Clubgänger, tanze gerne und besitze eine Timemachine, den DX200.

Sind die Releases eher spontan?

Wenn ich was Abgefahrenes auf Tasche habe, bringe ich was raus, wenn nicht, dann nicht. Das hat nichts mit Monat oder Jahr zu tun. Eigentlich sollte Winsome mal Windfall heißen, dann verstehst du das.

Ist das Setup in deinem Studio wichtig für den Sound von Winsome?

Nicht wirklich, weil im Endeffekt sind die Momentaufnahmen die schönsten Tracks. Das ist bei mir nach drei bis vier Stunden schon der Fall. Alles, was danach kommen würde, wäre mir einfach zu kopflastig.

Welche Sounds, musikalischen Ideen sind dir dieses Jahr am meisten aufgefallen?

Effekte, Effekte, Effekte. Musik lebt davon. Und halt die Acid-Welle, die zurückgekommen ist. Was ich leider nicht verstehen kann, weil Acid nervt genauso wie Trance.

Was war für dich dieses Jahr die wichtigste Erfahrung?

Dass in der Ruhe die Kraft liegt.

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Elektronische Lebensaspekte.