Nicht nur Computerfirmen und Internetportale legen ihre Hoffung auf das Internetfähige "Handy". Auch die Musikfirmen hoffen mit den gut zurückfolgbaren Geräten der digitalen Kopierwut zu entkommen. Das Handy als neuer Walkman ist im Kommen. Gemagebühren für Klingeltöne sind selbstverständlich jetzt schon fällig. Jetzt aber neu: Klingeltöne zum Selberprogrammieren. Alles über Wireless Vibes.
Text: janko roettgers [roettgers@devcon.net] aus De:Bug 34

/wireless/musik Wireless Vibes Funky Mobiles: MP3, Klingeltöne und die GEMA Personalisierte Player sind die heimliche Hoffnung der Musikindustrie. Wenn das Gerät die Raubkopie verhindert, muss man sich um CD-Ripper und Schulhof-Schwarzmärkte keine Gedanken mehr machen. Allerdings konnten sich Hardware-Player bisher noch nicht durchsetzen: Zu teuer, zu unpraktisch, und zu allem Überfluss haben Rio & Co. nicht einmal einen Kopierschutz. Doch jetzt rückt ein Gerät ins Blickfeld, dass eigentlich das Zeug zum idealen Player hat: das gute alte Handy. An die 25 Millionen Mobiltelefonierer gibts hierzulande bereits – alles potentielle Kunden für die digitale Musikdistribution. Und der Trend geht bekanntlich zum Zweit-Handy. Beziehungsweise zum mobilen Internet-WAP-Organizer-MP3-Player, mit dem man nebenbei auch noch telefonieren kann. Ausserdem sind Handys sozusagen von Haus aus durch ihre Telefonnummer personalisiert. Die Musik lässt sich damit ohne Umwege aus dem Netz laden, entsprechende Übertragungsraten mal vorausgesetzt. Bezahlt wird dann logischerweise über die Telefonrechnung. Passenderweise waren auf der Cebit die ersten Geräte mit integriertem MP3-Player zu bestaunen. Samsungs Anycall MP zum Beispiel. Das funktioniert zwar erstmal nur in Südkorea, aber was solls: Bis wir hierzulande die nötige Breitband-Power im Mobilfunk haben, vergeht eh noch ein Weilchen. Wer es gar nicht abwarten kann, kauft sich eben ein buntes Motorola-Handy mit eingebautem UKW-Radio. In Japan ist man selbstverständlich mal wieder schneller: Dort arbeiten Sanyo, Hitachi und Fujitsu bereits an einem eigenen Standard unter dem Namen “Music to your mobile”. Noch in diesem Jahr soll es dort möglich sein, sich mit bis zu 2MBit/s Musik aufs Handy zu laden. Gründe, das toll zu finden, gibt es genug. Endlich kann man unliebsame Anrufer mit Sprüchen abfertigen wie: “Moment, ich hab grad Madonna auf der anderen Leitung.” Auch vor der Insellösungs-Strategie der Phonoindustrie muss man keine Angst haben. Die verspricht zwar scheinbar Sicherheit gegen Raubkopien, indem sie den Computer aus der Distributionskette rausnimmt. Aber es wird auch für MP3-Handys garantiert wieder kreative Bastlerlösungen geben. Wie schnell die Vertriebskontrolle ins Leere läuft, zeigt jetzt schon die Geschichte mit den Klingeltönen. Der Klingelton-Schwindel Klingeltöne sind sozusagen der Testlauf für Handy-Musik. Das weiss Siemens, weshalb das C25 mal eben als Gerät mit ãheissen DJ-Klingelsounds” angepriesen wird (was das wohl sein mag? De La Souls Ring Ring?). Das wissen auch die zahlreichen Sites im Netz, die Klingeltöne zum Download anbieten. Und das weiss mittlerweile auch die GEMA, die die Zahl dieser Sites mit den üblichen Abmahnungen bereits wieder erheblich reduzierte. Denn auch auf Klingeltöne entfallen GEMA-Gebüren. 5 Pfennig pro Dudeln, um genau zu sein. Das macht bei 20 Klingeltönen pro Gerät eine Mark GEMA-Gebühr. Ausnahmen bilden die Werke von Komponisten, die bereits mehr als 70 Jahre unter der Erde liegen. So richtig lukrativ wird das Ganze erst dadurch, dass niemand mehr mit den Handy-Presets zufrieden ist. Also werden neue Sounds aus dem Netz geladen, und die GEMA kassiert ebenfalls. Bei den Rechteverwertern denkt man nun schon mal darüber nach, dass 5 Pfennig ja eigentlich nicht genug sind. Nur “Pay per Klingeln” wird es wohl in absehbarer Zeit nicht geben. Dabei gibt es längst genug Wege, auch ohne GEMA an hübsche neue Klingeltöne zu kommen. Diese unterscheiden sich je nach Handy-Modell, so das im Zweifelsfall ein bisschen persönliche Recherche gefragt ist. Ausserdem kommen wie immer die coolsten Lösungen nicht von den Handy-Herstellern, sondern eigenwilligen Bastlern. Die definitiv abgefahrenste Lösung hört auf den Namen Eringson. Diese kleine Palm Pilot-Applikation erlaubt nicht nur das Übertagen von Sounds zum Handy via Infrarot, sondern auch das Programmieren eigener Klingeltöne. Handy-Hipness selbstgemacht Damit zeichnet sich schon ein neuer Trend am Horizont ab: Kreativ sein mit dem Mobile Phone. Echte Handy-Hipness darf demnächst nur noch für sich verbuchen, wer die aktuellen Clubtunes noch vor ihrer 12″-Veröffentlichung als Klingelton nachprogrammiert hat. Das geht natürlich auch mit Nokia-Geräten. Das betreffende Tool heisst in diesem Fall Nokring. Neben einer Art Mini-Sequencer bietet das Programm RTTTL-Export an. Was das ist? Na, Ringing Tones Text Transfer Language. Damit lassen sich Klingeltöne auch per eMail austauschen. Noch einfacher macht es der Nokia PC Composer, der sogar vom Hersteller selbst stammt. Der PC Composer erlaubt den neben Eigenkompositionen auch den Import von MIDI Files. Für Siemens-Geräte gibt es mit MIDI2C25 ebenfalls ein Tool zum MIDI-Konvertieren. MIDI-Files gibt es bekanntlich tausende im Web, auf Lizenzierungen schaut da keiner ernstlich. Tja, liebe GEMA: Pech gehabt.

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Elektronische Lebensaspekte.