Stand früher Wireless für grenzenlose Mobilität, so hat sich das Vokabular nach dem Dotcom Crash und "911" schlagartig geändert, besonders in den USA. Statt Mobilität und Flexibilität werden Rasterfahndung und Überwachung als neue Stärken der Technologie gepriesen. Einige Beispiele aus den USA.
Text: nico haupt aus De:Bug 59

Wir verwandeln uns in Funkwaldis

Wireless Technologie wird seit 911 in Amerika zunehmend zur Identitätskontrolle eingesetzt. In Boston gibt es einen Club namens “The Rack”, der alle ID’s der Gäste mit einem Barcode Scanner erfasst, um sie direkt mit einer Onlinedatenbank zu vergleichen, die Auffälligkeiten abcheckt und im Falle einer Rüpelei beim letzten Besuch den Einlass schlicht verweigert, aber auch Gewohnheiten berücksichtigt. Unheimlicherweise schaut auch das FBI gerne mal bei diesem Club vorbei, um eventuelle Alibis von Kriminellen abzugleichen. Der stolze Clubbesitzer glaubt, dass sein Beispiel bald Nachahmer finden wird. Da die IDs auch Daten wie die Sozialversicherungsnummer erfasst, ist der Club bisher auf starke Kritik der “Civil Liberties Union” gestoßen.
Die ist derzeit sowieso stark verwundert über “chilenische” Zustände verdeckter Verhaftungen im Zusammenhang mit Terroristenbekämpfung und etlicher anderer drahtloser Profil-Prozeduren. So kam eine umstrittene Studie in New Jersey zu dem obskuren Schluss, dass Afroamerikaner öfter betrunken Auto fahren als “weiße” Bürger. Untersucht wurden Polizeikontrollen, die drahtlos auf Daten der angehaltenen Personen zurückgreifen. Und die Kontrolle der Bürger geht weiter: General Bundesanwalt John Ashcroft will außerdem Ausleihlisten von öffentlichen Bibliotheken abrufen können- “Fahrenheit 451” lässt grüßen.
Solche Kontroversen werden jedoch in den US-Medien gerne klein gehalten. Eine neue National-ID mit Chips von Infineon, die die Wireless-Vernetzung weiter beschleunigt, fasziniert die Presse, da in Sekundenschnelle Fingerabdrücke oder die Iris der Augen verglichen werden könnten.
Chips, die wireless abgefragt werden können, werden derzeit in allen möglichen Bereichen entwickelt. Bei dem Projekt “Intelligent City” sollen Sensoren im Gemäuer (“Smart Bricks”) entlang von Wasserversorgung vor chemischen Anschlägen warnen. Sandia National Laboratory forscht an Warnsensoren in U-Bahnen.

Biotechnologie
Die Tabus fallen jedoch vor allem in der Biotechnologie. Surromed will mit sogenannten “Nanobarcodes” DNA-Strukturen analysieren. Ein drahtloser Chip der Cleveland Clinic Foundation, einmal unter die Haut gepflanzt, soll medizinischen Problemfällen helfen, für ihre eigene Sicherheit zu sorgen. Externe drahtlose Biosensoren (“Digital Angel”) sind schon seit Jahren Standard für die Firma Digital Solutions. Der VeriChipTM und ThermoLifeTM spürt mit Hilfe der GPS-Technologie verlorengegangene Tiere und Babys auf. Den ungewöhnlichsten Höhepunkt der Wireless Überwachung setzt jedoch das militärische Carnegie Mellons Robotic Institute. Ihre Idee beruht auf der Tatsache, dass jede Art von Haut unterschiedliche Emissionen ausstrahlt. Einmal in einer Datenbank erfasst, lassen sich somit weitere Profil- und Überwachungsmodelle entwickeln (“Hyperspectral Images”), natürlich auch hier mit Hilfe der Satellitentechnologie. Ob Terroristen anders schwitzen oder Araber schon einen festen Datenwert besitzen, ließ sich zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht ermitteln. Jetzt jedoch bereits beunruhigend: Nur wenige US-Kongressmitglieder gruseln sich bei all diesen Methoden. Demokrat Pete Stark hat nun die Unterdrückung von Kritik am steigenden Sicherheitsbudget mit “Reichstagsmethoden” verglichen. Das Pentagon-Gebäude will bald eine Smart-ID für ihre Angestellten einführen, vielleicht ein Testmodell für die US-Regierung. Die haben allerdings noch keinen “Türsteher”. Have a nice drink 🙂

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Elektronische Lebensaspekte.