Die Webdesign-Agentur Fork sitzt mit einem ihrer drei Büros in der Wolliner Straße 18/19. Dort entwickeln sie Designideen, die ziemlich weit vorne sind. Die Funktion immer im Blick, wird die Serviceleistung zum künstlerisches Abenteuer. Unkonventionell. D
Text: Tjoss May aus De:Bug 41

Medizin gegen Beipackzettel
Fork

Daimler Chrysler? Kenn ich. Mein Papa hatte auch mal ein Auto von denen. Und ich hab sie alle gesehen, die tollen Features: Tornado-Klimaanlage, aufblasbare Kindersicherung, Nivea? Kein Problem. Wer ist damit nicht groß und schön geworden? Und Lufthansa? Ne, lass mal. Mein erster Flug – und die Schwimmweste hat unter’m Sitz geklemmt. So was vergisst man nicht. Dann, eines Tages, kam die Frage, ob ich mir schon mal die Webseiten dieser Firmen angesehen hätte, und ich hab natürlich sofort gesagt: Ja, klar. Weil ich kenn ja alles schon. Und dann habe ich erzählt, wie ich mich bei Daimler Chrysler durch all die Klimaanlagen geklickt habe und dass ich mir auch fast eine in rot gekauft hätte, wenn mir nicht Nivea dazwischen gekommen wäre. Ich sei eben schon immer ein leidenschaftlicher Leser von Beipackzetteln gewesen, Cremes und ihre Zusatzstoffe, so was find ich super. Zu Lufthansa bin ich nicht mehr gekommen, weil ich dann doch gemerkt habe, dass ich in meinen Beschreibungen ein kleines bisschen daneben lag. Heute würde ich zwar immer noch nicht gewisse Spielchen im Auto meines Vaters treiben (wie wird wohl die Klimaanlage reagieren, wenn ich ihr aus dem Beipackzettel vorlese?). Aber immerhin weiß ich zwischenzeitlich, dass man mit Cremes im Netz manchmal viel mehr Spaß haben kann, als man es beim Lesen der Beipackzettel vermuten würde.

Wie sagt man
Ein Stockwerk über Playframe sitzt die Agentur Fork. Besser gesagt, ein Teil davon, denn Fork haben noch zwei weitere Büros: eins in Hamburg und seit letztem Jahr auch eins in New York. Gegründet wurde das Unternehmen von einem Deutschen und zwei Amerikanern, die über ein Studien-Austauschprogramm nach Deutschland gekommen sind. Deutschland? Und ihr seid euch da ganz sicher? Klar, warum nicht? Deutschland ist doch lustig. Symbole wieder ausgraben, die man hier so gerne im Abfalleimer der Geschichte versteckt halten würde, dem “scheiss Service” ein Forum geben und überhaupt: wo kann man die beste Deutsche Wertarbeit leisten? Offensichtlich nicht in Deutschland. Denn hier bezeichnet man das, was Fork machen, meistens als “unkonventionell”. Was das wohl wieder heißen mag? Wahrscheinlich soll es irgendetwas benennen, das irgendwo zwischen Bewunderung und Verwirrung liegt. Ob man auch die deutsche Sprache manchmal lustig finden soll?

Webdesign, kann schon sein
“Webdesign” ist, glaube ich, der Begriff, den man benützt, wenn man schnell mal sagen will, was Fork so im Allgemeinen machen. Sicher bin ich mir da allerdings nicht. Denn es könnte ja auch sein, dass man bei “Agentur für Webdesign” ganz schnell ein bestimmtes Bild im Kopf hat. So ein richtig großes Bild mit einer richtig großen Werbefirma drauf. Oben der Geschäftsführer, eine wichtige Person mittleren Alters, die permanent Angst vor dem Marketinggedanken hat. Denn wenn sich der Marketinggedanke benachteiligt fühlt, dann macht das mit der Werbefirma alles keinen Spaß mehr. Und deshalb darf es das Heer aus Creative Director, Art Director, Graphik Designer, Chef Techniker, Praktikant bloß nicht zu bunt treiben. Das heißt: bunt soll es natürlich schon sein, weil es soll ja schön aussehen, und wenn sich hier und da mal was bewegt, ebenfalls in Ordnung. Aber am besten sind die Webseiten, die sich eigentlich auch auf einer Litfassäule ganz gut machen würden. Stimmt nicht: zwei Litfassäulen sollten es sein. Um zu demonstrieren, was passiert, wenn man da auf das umrandete Bildchen klickt: Ui, jetzt ist es größer, und ein Text erklärt mir, warum das so sein muss. Ui, sagt da der Marketinggedanke. Und was sagt das “Webdesign” dazu? Hallo? Keine Antwort.

Welches Webdesign eigentlich?
Vielleicht diese kleinen Teilchen, die da draußen im Netz rumflitzen, um mal eben was auf dem Bildschirm zusammenzubauen? Aber eigentlich wird die Bastelarbeit ja von den Rechnern übernommen, die von Tag zu Tag schlauer werden, während die Teilchen da draußen immer schneller durch die Gegend flitzen. Könnte wiederum dazu führen, dass das Abrufen einer Datenbank, egal in welcher Farbe, schon bald gar nicht mehr so spannend sein wird, wie es das – ich weiß nicht genau wann – mal war. Wäre so ein Fall von: voll schneller Rechner und voll schnelles Netz und ich voll gelangweilt zu Hause, weil die schönen Seiten viel zu schnell zusammengebaut sind und man dann eben doch nicht so wirklich was mit ihnen anstellen kann. Und wieder muss man irgendwelche Beipackzettel lesen, ach quatsch, wird nicht eintreten, so ein Fall, Extremfall nennt man das in der deutschen Sprache. Ist so was Ähnliches wie “unkonventionell”. Das Netzt explorieren und Spaß haben, sagen Fork dazu. Dabei kann es zwar passieren, dass man plötzlich merkt: die Idee ist eigentlich ganz gut, aber blöderweise hätte man vorher noch das passende Programm dazu erfinden müssen. Und dann kann es passieren, dass man denkt: Irgendwie müsste es jetzt total doof aussehen, was ich da gemacht habe, aber, scheiße, es sieht total gut aus.

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Elektronische Lebensaspekte.