Aus offenen Halswunden pumpt Sound statt Blut. Klar, mit Boxen in Form von misshandelten Hunden hat man einfach mehr Spaß.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 108

Gadgets

Bass-Sprudeln im Kopf
Woofer

Boxen stehen meist nur blöd in der Ecke rum und erinnern zumeist visuell eher an ein Möbelstück, das früher mal Bestandteil eines furnierten Wandschranks war. Und – was noch schlimmer ist – aus irgendeinem merkwürdigen Grund sind die Boxen, egal wie schlank ansonsten (z.B. nur noch ein iPod) die heimische Musikanlage zusammengeschrumpft ist, der letzte wohnliche Überlebensrest einer gewissen technophil-nerdigen Stereo-Kultur. Die Box als Gadget ist wirklich ein Einzelfall und wenn, dann eher im Umfeld der Computerlautsprecher zu finden.

Woofer, der Name ist Programm, ist da ganz anders. Im feisten Neokitsch der Eroberung der persönlichen Distinktion als Spiegelbild der Welteroberung durch Ausstellung einer leicht wissenschaftlich angehauchten, aber fast zwanghaft figürlichen Brutalität bestehen die Boxen (siehe Bild) eben einfach aus nachempfundenen Hundekörpern (einer halbwegs unbestimmbaren Rasse), in deren offener Wunde des abgeschlagenen Kopfes der Lautsprecher-Sound pumpt statt falsches Blut. Zwangsneurotiker dürften – andere werden auch wohl kaum 600 Euro für zwei mittelmäßige Boxen ausgeben – den Charme zwischen Plastik und glänzend porzellanpüppchenhafter Oberfläche lieben. Neocons können ihrer unentschlossenen Stillosigkeit endlich einen wahren Ausdruck verpassen und werdende HipHop-Pimps können ihre Kampfhunde damit narren. Es ist immer schön zu beobachten, wie sich Kitsch als Querschläger des ansonsten durch und durch getrimmten Stilverhaltens auch heute noch grandios daneben benehmen kann und dabei sogar den Anspruch von Funktionalität wegsteckt.

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Elektronische Lebensaspekte.