Die Vorlage zum Kinofilm 'Männer die auf Ziegen starren': Der Journalist Jon Ronson hat sich in seinem Buch 'Durch die Wand' auf eine Reise ins postmoderne Herz der Finsternis begeben. Ausgangspunkt sind die Versuche mit 'nicht-tödlichen Waffen' und psychologischer Kriegsführung der US-Streitkräfte in den 70er Jahren.
Text: Jon Ronson aus De:Bug 136

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Bild: Das “Active Denial System” (ADS) ist eine Mikrowellenwaffe, die Haut auf große Entfernung erhitzt. (US Army)

Aus dem Special in De:Bug 136: WUNDERWAFFEN

”Nur nicht tödliche!”, schreit der böse Medizinforscher Glenn Talbot. ”Ich wiederhole, nur nicht tödliche! Ich brauche noch ein Stückchen von ihm! Erledigt ihn mit dem Schaum!” Im unterirdischen Militärstützpunkt Atheon, versteckt unter einem verlassenen Kino irgendwo in der Wüste, ist der Unglaubliche Hulk ausgebrochen und zerstört alles, was ihm in den Weg kommt. Die Soldaten machen, was Glenn Talbot befohlen hat.

Sie nehmen ihre Positionen ein und besprühen den Hulk mit Klebeschaum, der sich im Moment der Berührung mit dem Körper ausdehnt und hart wird. Der Schaum ist da erfolgreich, wo alle früheren Waffen versagt haben. Der Hulk ist gestoppt. Er kämpft röhrend gegen den Schaum, aber ohne Erfolg. ”Auf Wiedersehen, großer Junge …”, grunzt Glenn Talbot. Er schießt dem Hulk mit einer Art in der Hand gehaltenenen Raketenabschussrampe in die Brust.

Das ist ein Fehler. Es macht den Hulk noch zorniger – so zornig, dass er genügend Kraft aufbringt, den Schaum aufzusprengen und weiterzuwüten. Der Schaum ist keine Erfindung der Drehbuchautoren des Hulk-Films. Er ist eine Erfindung von Oberst John Alexander, demselben Mann, der Dr. Jim Hardt holte, um die Gehirne der Jedi-Krieger zu trainieren. Oberst Alexander entwickelte den Klebeschaum in der Folge seiner Lektüre von Jim Channons Handbuch des Ersten Erdbataillons.

Die Armeeführer, die 1979 in Fort Knox anwesend waren, waren so hingerissen von Jims Rede, dass sie ihm die Möglichkeit boten, ein richtiges Erstes Erdbataillon zu schaffen und zu befehligen. Aber er lehnte dies ab. Jim hatte größere Ambitionen. Er war vernünftig genug zu begreifen, dass durch Wände zu schreiten, die Aura von Pflanzen zu fühlen und die Herzen des Feindes mithilfe von Lämmern zum Schmelzen zu bringen, auf Papier ganz gute Ideen waren, aber nicht notwendigerweise erreichbare Ziele im wirklichen Leben darstellten.

Jims Vorgesetzte hatten eine sehr buchstäbliche Auffassungsweise (daher rührten auch General Stubblebines zahllose Versuche, durch Wände zu schreiten), aber Jims eigentliche Vision war um einiges nuancierter. Er wollte, dass seine Mitsoldaten eine höhere spirituelle Ebene erreichten, indem sie nach dem Unmöglichen strebten. Hätte er das Kommando eines echten Ersten Erdbataillons übernommen, hätten seine Vorgesetzten messbare Resultate sehen wollen. Sie hätten sehen wollen, dass Jims Soldaten nachweislich ohne Schaden ihre Herzen anhalten konnten, und wenn sie gescheitert wären, dann wäre die Einheit wohl schmachvoll aufgelöst worden, ohne dass jemand wirklich gewusst hätte, dass sie je existiert hatte.

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Bild: Jon Ronson’s Text auf diesen Seiten ist seinem Buch “Durch die Wand – Die US Armee, absurde Experimente und der Krieg gegen den Terror” entnommen. http://www.salisverlag.com

Das war nicht das, was Jim vorhatte. Er wollte, dass seine Ideen draußen zirkulierten und dort Wurzeln schlugen, wohin das Schicksal sie verschlug. Das Erste Erdbataillon existierte überall dort, wo jemand das Handbuch las und dazu inspiriert wurde, irgendeinen selbstgewählten Inhalt umzusetzen. Er stellte sich vor, es könne so erfolgreich ins Gewebe der Armee eingeflochten werden, dass die Soldaten der Zukunft danach handeln würden, ohne irgendetwas über seinen fantastischen Ursprung zu wissen. Und so kam es, dass Klebeschaum eine der ersten wirklichen Waffen des Ersten Erdbataillons wurde.

Der Schaum hat eine holperige Geschichte. Im Februar 1995, als Friedenstruppen der Vereinten Nationen in Somalia versuchten, Nahrungsmittel zu verteilen, begannen die Massen zu pöbeln. Die amerikanische Marine wurde gerufen, um die Situation zu beruhigen und den UNO-Truppen beim Abzug zu helfen. ”Setzt den Klebeschaum ein”, orderte der befehlshabende Offizier. Und das taten die Marinesoldaten auch.

Sie spühten den Schaum nicht in, sondern vor die Menge, damit er hart werden würde und eine Sofortmauer zwischen der Masse und den Nahrungsmitteln bilden würde. Der somalische Mob hielt inne, blickte den cremeartigen Schaum an, wie er Blasen bildete, sich ausbreitete und hart wurde. Sie warteten, bis er fest wurde, stiegen ganz einfach darüber und fuhren fort zu pöbeln.

All dies geschah vor laufenden Fernsehkameras. Am selben Abend zeigten Nachrichtensendungen in ganz Amerika diese Szene, gefolgt von einem Clip aus Ghostbusters – Die Geisterjäger, in dem Bill Murray zugeschäumt wird. (Einer der Klebeschaumanwender in Somalia – Kommandant Sid Heal – warnte mich später, den Zwischenfall als ein vollkommenes Desaster darzustellen. Er sagte, sie hätten gehofft, dass es zwanzig Minuten dauern würde, bis der Mob rausfinden würde, wie man den Schaum überwindet, aber stattdessen dauert es nur fünf Minuten. Somit war es schlimmstenfalls nur ein Dreivierteldesaster. Es war jedoch das erste und einzige Mal, dass der Schaum in einer Gefechtssituation eingesetzt wurde.)

Unbeeindruckt von diesem somalischen Zwischenfall begannen die amerikanischen Strafbehörden, in Gefängnissen Klebeschaum einzusetzen, um gewalttätige Insassen ruhigzustellen, bevor sie an einen anderen Ort transportiert wurden. Die Praxis wurde jedoch bald wieder eingestellt, weil es unmöglich war, die eingeschäumten Gefangenen aus ihren Zellen zu transportieren, nachdem sie bewegungslos gemacht worden waren. Sie klebten ganz einfach fest.

Aber heute erlebt der Schaum unerwartet eine Renaissance. Flaschen mit dem Zeugs wurden 2003 in den Irak mitgenommen. Die Idee dahinter war, dass die amerikanischen Truppen, wenn sie Massenvernichtungswaffen gefunden hätten, sie mit Klebeschaum zusprühen würden. Aber die Massenvernichtungswaffen wurden nie gefunden, und so blieb der Schaum in den Flaschen.

Am fruchtbarsten von allen Ideen Jims war sein Beharren, dass militärische Einsatzkräfte und Wissenschaftler in die wildesten Ecken ihrer Vorstellungswelt vordringen sollten, ohne Angst davor zu haben, hirnlos und dumm bei ihrer Suche nach einer neuen Waffenart zu wirken, etwas Listigem, Großherzigem und Nichttödlichem.

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Bild: Forscher der Sandia National Laboratories justieren ein kleines Modell der Mikrowellenwaffe “Active Denial System”, die Haut auf große Entfernungen erhitzen kann. (United States Department of Energy)

Der Schaum ist eine von Hunderten von ähnlichen Erfindungen, die in einem den Medien zugespielten Bericht der amerikanischen Luftwaffe von 2002 erwähnt wurden – Nicht tödliche Waffen: Bedingungen und Empfehlungen –, der ausführlich und im Einzelnen die letzten Anstrengungen auf dem Gebiet schilderte. Es gibt beispielsweise eine Reihe von akustischen Waffen: den Sprengwellenprojektor, die Blutgerinnungsmaschine und den Niederfrequenz-Infraschall, der dem Bericht zufolge ”ohne Mühe die meisten Gebäude und Fahrzeuge durchdringt” und ”Übelkeit, Stuhlgang, Orientierungslosigkeit, Erbrechen, möglicherweise auch Schaden an inneren Organen oder Tod” bewirkt. (Jim Channons Nachfolger scheinen losere Definition von ”nicht tödlich” verfolgt zu haben als er.)

Dann gab es die rassenspezifische Stinkbombe und den Chamäleontarnanzug, die beide noch nicht weiterentwickelt worden waren, weil niemand herausfinden konnte, wie man bei ihrer Erfindung vorgehen sollte. Es gibt ein spezielles Pheromon, das ”verwendet werden kann, um Einzelne als Ziel zu markieren, und dann Bienen anzieht, die den Betreffenden angreifen werden”. Es gibt den elektrischen Handschuh, die elektrische Polizeijacke, die ”jedem, der sie berührt, einen Stromstoß versetzt”, die Netzpistole und die elektrische Netzpistole, die gleich funktioniert wie die Netzpistole, aber zudem einen ”elektrischen Schock versetzt, wenn das Opfer sich wehrt”.

Es gibt allerlei Hologramme, einschließlich eines Todeshologramms – ”das eingesetzt wird, um eine Zielperson zu Tode zu erschrecken. Beispielsweise einen Drogenbaron mit einem schwachen Herz, der den Geist eines toten Rivalen neben seinem Bett stehen sieht und dann aus Furcht stirbt” – und eines Prophetenhologramms, ”die Projektion des Bildes eines alten Gottes über der Hauptstadt des Feindes, deren öffentliche Kommunikationsstrukturen in einer massiven psychologischen Operation besetzt und gegen die Bevölkerung eingesetzt werden”.

Der Oberst des Ersten Erdbataillons, John Alexander, wird als Mitautor des Berichts aufgeführt. Er lebt in einer Vorstadt von Las Vegas, in einem Haus vollgestopft mit buddhistischer und Aborigines-Kunst und militärischen Auszeichnungen. Es standen auch einige von Uri Geller verfasste Bücher in seinem Regal. ”Kennen Sie Uri Geller?”, fragte ich ihn. ”Oh ja”, sagte er. ”Wir sind dicke Freunde.

Früher veranstalteten wir zusammen Metallbiege-Partys.” Oberst Alexander war Sonderberater des Pentagons, der CIA, des Laboratoriums in Los Alamos und der NATO. Er ist zudem einer der ältesten Freunde von Al Gore. Er hat sich noch nicht ganz aus dem amerikanischen Militär zurückgezogen. Eine Woche, nachdem ich ihn getroffen hatte, flog er als ”Sonderberater” für vier Monate nach Afghanistan. Als ich ihn fragte, wen er denn in welcher Sache berate, gab er mir keine Antwort.

LARD
Bild: New Yorks Polizei hat 2004 angeblich eine Lärmwaffe LARD (Long-Range Acoustical Device) am Rande einer Anti-Iraks-Kriegs-Demo in Stellung.


[Die folgende Passage ist einem folgenden Kapitel von “Durch die Wand entnommen, in dem es um Folter durch Dauerbeschallung mit Popsongs geht, unter diesen auch ein Lied aus der US-TV-Sendung für Kleinkinder “Barney”, vergleichbar mit den Teletubbies.]

Celine Dions Titellied aus Titanic wurde übrigens tatsächlich im Irak gespielt, aber in einem anderen Zusammenhang. Eine der ersten Aufgaben der PsyOps, nachdem Bagdad gefallen war, bestand darin, die Saddam-kontrollierten Radiostationen einzunehmen und eine Nachricht zu verbreiten – dass Amerika nicht der große Satan war. Sie hofften, dies dadurch zu schaffen, indem sie immer und immer wieder ”My Heart Will Go On” abspielten. Wie konnte ein Land, das solche Melodien hervorbrachte, denn böse sein? Für mich klang das sehr nach Jim Channons Vision von ”strahlenden Augen” und ”Lämmern”.

Der Journalist, Adam Piore, der als erstes über den Einsatz des Barney-Songs berichtet hatte, sagte mir, dass er die Wirkung seiner Barney-Geschichte ziemlich erstaunlich fand. ”Sie erhielt unglaublich viel Aufmerksamkeit”, sagte er. ”Als ich im Irak war, rief mich meine Freundin an, um mir mitzuteilen, dass sie sie auf dem Nachrichtentickerband von CNN gesehen habe. Ich glaubte ihr nicht. Ich dachte, das sei ein Missverständnis. Aber dann wollten mich die Fox-Nachrichten interviewen. Und dann hörte ich, dass die Geschichte in der Today-Show lief.

Und dann sah ich sie in Stars & Stripes.” ”Wie wurde darüber berichtet?”, fragte ich ihn. ”Humorvoll”, sagte Adam. ”Immer humorvoll. Es war irgendwie schon empörend, in diesem Scheißloch an der Grenze festzusitzen, in einer verlassenen Eisenbahnstation, alles unbequem, keine Duschen, nur Matten zum Schlafen, und schließlich, als wir einige Tage später Kabelfernsehen bekamen, was sehen wir auf dem Bildschirm?

Die Barney-Geschichte.” Kenneth Roth von Human Rights Watch erkannte die Lage. Er wusste, wenn seine Antworten an die Journalisten zu düster ausfielen, würde es so aussehen, als hätte er den Witz nicht verstanden. Er würde wie ein Griesgram klingen. Also sagte er den Journalisten, mich eingeschlossen: ”Ich habe kleine Kinder. Ich kann verstehen, dass man mit dem Barney-Song in den Wahnsinn getrieben werden kann.

Wenn ich mit voller Lautstärke ‘Ich mag Dich, Du magst mich’ hören müsste, dann wäre ich auch bereit, alles zu gestehen.” Und die Journalisten lachten, aber er fügte schnell hinzu: ”Ich möchte wissen, was sonst noch in diesen Containern geschieht, während die Musik abgespielt wird. Vielleicht werden die Gefangenen getreten. Vielleicht sind sie nackt, mit einer Tüte überm Kopf. Vielleicht hängen sie gefesselt kopfüber von der Decke…”

Aber die Journalisten erwähnten diese Möglichkeiten kaum in ihren Geschichten. Als ich Kenneth Roth traf, hatte er ganz eindeutig genug von Barney. ”Sie waren in dieser Hinsicht”, sagte Kenneth, ”sehr geschickt.” ”Geschickt?”, sagte ich. Er schien andeuten zu wollen, dass die Barney-Geschichte bewusst in Umlauf gesetzt worden war, damit alle Menschenrechtsverletzungen im Nachkriegsirak auf diesen einen Witz reduziert werden würden. Ich fragte nach, und er zuckte mit den Schultern. Er wusste nicht, was vor sich ging. Dies, sagte er, sei das Problem.

Blend-und-schockgranaten
Bild: Blend- oder Schockgranaten sind ein Klassiker der “nicht-tödlichen Waffen”, die allerdings permanent weiter entwickelt werden.

Ich wusste jedoch, dass Unteroffizier Mark Hadsell, der PsyOps-Soldat, der an diesem Abend zu Adam Piore gekommen war und ihm gesagt hatte: ”Schau mal dort nach, wo die Gefangenen sind”, nicht mehr als eine leichte Verwarnung für seine Indiskretion erhalten hatte. Hatte Kenneth Roth recht? War Barney ausgewählt worden als Beispiel für die Folter im Irak, ganz einfach weil der Dinosaurier etwas Wirkungsvolles lieferte: eine Geschichte für die Menschen zuhause?

Es gibt einen Raum in einem Polizeigebäude auf einem Hügel in Los Angeles, in dem sich große Mengen an Pfefferspray, Schockgewehre und übelriechende Substanzen befinden – kleine Kapseln mit dem Geruch von ”Fäkalien, toten Säugetieren, Sulfur und Knoblauch” in Pulverform gefüllt, die sich ”wunderbar zum Auseinandertreiben einer Menge” eignen und ”selbst eine Made nach Luft ringen lassen”. Der Mann, der mir diese Dinge zeigte, war Kommandant Sid Heal vom Los-Angeles-Sheriff-Department. Nach Oberst Alexander vom Ersten Erdbataillon war Sid Amerikas führender Befürworter von nicht tödlichen Technologien.

Sid und Oberst Alexander – ”mein Mentor”, wie ihn Sid nennt – kommen regelmäßig in Sids Haus zusammen, um die verschiedenen elektronischen Schockgeräte aneinander auszuprobieren. Wenn beide beeindruckt sind, nimmt Sid sie in das Arsenal der Polizei von Los Angeles auf. Von dort verbreiten sie sich oft, wie im Falle der TASER-Schockpistole, im gesamten amerikanischen Polizeiwesen.

Eines Tages wird vielleicht jemand ausrechnen, wie viele Menschen nicht von Polizisten getötet wurden, dank Sid Heal und Oberst Alexander. Sid Heal widmete sein Leben der Erforschung von neuen, nicht tödlichen Technologien, deshalb nahm ich an, dass er alles über die Barney-Folter wissen würde, aber als ich ihm erzählte, was ich wusste – das Blitzlicht, die Endloswiederholungen, der Schiffscontainer – wirkte er erstaunt.

”Ich weiß nicht, weshalb sie das tun”, sagte ich. ”Ich auch nicht”, sagte er. Schweigen. […] Er dachte über die Barney-Technik und die begleitenden Blitzlichter nach, und plötzlich huschte ein erstaunter Ausdruck über sein Gesicht. ”Ich denke, es könnte …” Er hielt inne und sagte dann: ”Nein.” ”Was?”, sagte ich. ”Es könnte der Bucha-Effekt sein”, sagte er. ”Der Bucha-Effekt?”, fragte ich. Sid erzählte mir, wie er zum ersten Mal vom Bucha-Effekt gehört hatte. Es war in Somalia, während des verunglückten Einsatzes von Oberst Alexanders Klebeschaum.

Die Experten für nicht tödliche Technologien, die den Schaum nach Mogadischu begleitet hatten, waren an diesem Abend verständlicherweise ganz niedergeschlagen, und so wandten sich die Gespräche der Frage zu, was denn der Heilige Gral dieser exotischen Technologien sei. Und da sprach ein gewisser Leutnant Robert Ireland über den Bucha-Effekt. Es habe alles in den 1950er-Jahren begonnen, sagte mir Sid, als Helikopter ohne ersichtlichen Grund vom Himmel zu fallen begannen, und die überlebenden Piloten es nicht erklären konnten. Sie waren ganz normal herumgeflogen, dann fühlten sie sich plötzlich übel und schwindlig und geschwächt, verloren die Kontrolle über ihre Helikopter und stürzten ab.

Lesslethallauncher
Bild: Blendgranaten, aber auch Tränengas oder Gummigeschosse werden mit Waffen, wie dem Less-Lethal-Launcher GL-06 der Schweizer Firma Brugger Thomet verschossen.

Also wurde ein Arzt namens Bucha gerufen, um das Rätsel zu lösen. ”Dr. Bucha fand heraus”, sagte Sid, ”dass die rotierenden Propeller durch das Sonnenlicht einen Stroboskopeffekt erzeugten, und wenn dieser die ungefähre menschliche Hirnwellenfrequenz erreichte, hebelte er die Fähigkeit des Gehirns, korrekte Informationen an den Rest den Körpers zu senden, aus.” In der Folge von Dr. Buchas Erkenntnissen wurden neue Sicherheitsmaßnahmen eingeführt, wie getönte Brillen, Helmsonnenblenden und so weiter.

”Glauben Sie mir”, sagte Sid Heal, ”es gibt einfachere Methoden, jemandem den Schlaf zu rauben, als diesen Riesenaufwand. Barney-Musik? Blitzlichter? Schlafentzug war vielleicht ein Teil davon, aber es muss einen tiefergehenden, versteckten Effekt geben. Meine Vermutung ist, dass es sich um den Bucha-Effekt handelt. Ich vermute, sie zielen auf die Amygdala.” ”Stellen Sie sich Folgendes vor”, sagte Sid Heal. ”Sie gehen einen dunklen Gang entlang, und jemand springt Ihnen in den Weg, und Sie schreien und weichen zurück und plötzlich merken Sie, dass es sich um Ihre Frau handelt.

Es handelt sich dabei nicht um zwei verschiedene Informationen”, sagte er. ”Es ist die gleiche Information, die gleichzeitig von zwei verschiedenen Teilen des Gehirns verarbeitet wird. Der Teil, in dem sich das Urteilsvermögen befindet, braucht drei oder vier Sekunden für die Verarbeitung. Aber der Teil, der für die Reaktion zuständig ist – die Amygdala – braucht nur den Bruchteil einer Sekunde.” Die Suche nach einem Weg, diesen Amygdala-Moment zu fassen, diese Sekunden unerträglichen, lähmenden Schocks, diese Momente zu fassen und nicht loszulassen, sie auszudehnen, so lange es geht, dies, sagte Sid, sei das Ziel des Bucha-Effekts.

”Es wäre die ultimative nicht tödliche Waffe”, sagte er. ”Also”, sagte ich, ”könnte die Strobo-Barney-Musikfolter in einem Schiffscontainer hinter einer Eisenbahnstation in al-Qa’im in der Tat die ultimative nicht tödliche Waffe sein?” ”Ich kenne niemanden, der das geschafft hätte”, sagte Sid. ”Das Problem ist, dass der Grat zwischen Effizienz und dauerhaften Schäden so schmal ist …”

Dann schwieg Sid, ich denke, weil er begriff, dass, wenn er den Satz beenden würde, seine Gedanken an einen Ort gelangten, an den er nicht wollte, einen Ort, an dem Soldaten im Irak sich, im Gegensatz zu ihm, nicht um diesen Grat kümmerten. ”Aber vielleicht gelang es ihnen”, sagte ich. ”Vielleicht”, sagte Sid traurig. ”Ja.”

Dann fügte er hinzu: ”Aber jede nicht tödliche Waffe, die jemanden in einem Verhör gefügig machen würde, wäre unattraktiv für uns, weil das so gewonnene Beweismaterial nicht im Gerichtssaal verwendet werden darf.” ”Aber in den Schiffscontainern in al-Qa’im gelten diese Einschränkungen nicht.” ”Nein, das tun sie nicht”, sagte Sid. ”Oh”, sagte ich. ”Wissen Sie, worauf Sie hier gestoßen sind?” ”Was?”, fragte ich. ”Die dunkle Seite”, sagte er.

Aus dem Special in De:Bug 136: WUNDERWAFFEN

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Elektronische Lebensaspekte.

4 Responses

  1. De:Bug » Non Lethal Weapons

    […] The Men Who Stare at Goats Der Journalist Jon Ronson hat sich in seinem Buch “Durch die Wand” auf eine Reise ins postmoderne Herz der Finsternis begeben. […]

  2. Kumbajah

    Es heißt LRAD, nicht LARD.

    LARD ist die Methode seine Gegner durch zu viele Kohlehydrate und zu viel Fett so dick und unbeweglich zu machen, dass man Sie einfach ignorieren oder straffrei hänseln kann. Das macht eine unbekannte Macht zur Zeit mit den USA.

  3. Dave

    Koffeintabletten, Energy Drinks – ich habe mir das Zeug auch über Wochen reingepfiffen und irgendwann wollte der Körper nicht mehr. Das Problem ist, machst Du das eine nicht, macht der Andere es doppelt und raus bist Du. Ich habe auch schon viel rum-experimentiert, gerade in der Programmierung – bin dann allerdings auf die Energy Kapseln von http://samuria.de/wachmacher-energy-kapseln.html (ich bin mal so frei) gestoßen und das ist echt mal was anderes. Kein künstliches gepushe aber trotzdem schön lange konzentriert. Ansonsten gibt es noch Club Mate, auch tolles Gesöff …