Tobi Tobsucht ist der Christopher Just der Netlabel-Szene. Bald aber wird er zur Partyinsitution in Köln, prophezeien wir.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 96

Nischen mit Schmackes
Rest

Es gab in den letzten Jahren eine Professionalisierung von Netzlabeln, über die man sich nur freuen kann. U.a. Thinner hat gezeigt, dass ein Netzlabel mit einer Sorgfalt an das Business herangehen kann, die anderen Labeln in nichts nachsteht, u.a. Textone hat gezeigt, dass es keine Gräben mehr zwischen Netz- und anderen Labeln geben muss. Rest sagt: “Rest will nicht Thinner oder Textone sein.” Und genau diese Art von Netzlabeln braucht es jetzt auch umso mehr. Das ist keine Ansage gegen die beiden bekanntesten Netzlabel. Die Release-Infos von Rest, das Tobi Tobsucht in – ausgerechnet – Köln macht, sind jedes Mal wieder eine Erfrischung. Ihr Christopher Just gewidmetes “Die Irre & Ich”-Album von Hannelore Klinge & Tobi Tobsucht (“Wir sind in etwa so wie Christopher Just und Ilsa Gold”) zitiert z.B. eine erschütterte Debug mit “Arme Netlabellandschaft!”. Rest stiftet Aufruhr, bringt Unordnung und frischen Wind in die Labellandschaft, die sich immer mehr an das Vorbild der “echten” Label anzugleichen scheint. “Wir sind virtuell und wir können unsere Cover machen, wie wir wollen. Und wenn’s dreieckig ist.” Positivismus an allen Ecken. “Es muss sich halt noch rumsprechen, wie großartig das ganze System Netzlabel eigentlich ist. Auch bei der Musik. Mal minimal, mal durchgedreht, aus allen Ecken des Landes von Erkelenz (Simulant aka Holz) über Sachsen (Nick Zero) bis Münster (Neutron404). Alles Internetbekanntschaften von Tobi Tobsucht, genauer gesagt, meist Forums-Bekanntschaften, denn der wahre Underground im Netz wird in Foren geschrieben. Im Moment steht Rest für unerbittliche, aber nicht von irgendeinem Retrogedanken einzuengende Ravetracks, die jede Lücke, die Netlabel lassen, schamlos ausnutzen: “Grad die Netaudio-Nischen House & guter Techno sind kaum abgedeckt, aber wir arbeiten dran.” Wer die letzten Platten von Rest hört, und, das ist immer wieder das Gute, man kann sie alle hören, wird sich fast wundern, dass Tobi sich als Studio-1-Fan bezeichnet und grade deshalb auch mit den in Köln übermächtigen Kompakt-Szenerien nichts anfangen kann. “Da war noch richtig Bass im Minimal. So richtig mit Schmackes, nicht wie diese dürren Sandmann-Luciano-Dinger.” Und noch befindet sich die Rest-Posse vor allem im Netz (Tobi legt allerdings häufig im Kölner Camouflage auf, dem Club von Dr. Walker). Wir sind gespannt, was sie aufmischen werden, wenn sie erst mal, vielleicht auch dank immer schnittstellenkompatiblerer Hardware, zu einer Partyinstitution werden. Aber vielleicht sind sie dann ja auch schon wieder ganz anders: ”Ich denke, dass mein Geschmack auch Phasen durchläuft. Das Label begann ja schon eher minimal und ruhig, und gerade wurde es etwas düster, dann wieder raviger, und wenn dann Neutron404 sein zweites Album macht, dann kehren wir zur Ruhe zurück.” Glauben wir’s? Nein, Rest wird bestimmt noch lange die Netzlabelszene mit Humor und guten Tracks aufmischen. Wie lange? “Bis ich Country releasen will, dann höre ich freiwillig auf.”

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Elektronische Lebensaspekte.