Die deutsche Drum and Bass-Szene, allen voran kleine Label wie das Berliner Hard:Edged, haben es nicht leicht. In Zeiten, in denen Drum and Bass in England so charttauglich und massenkompatibel wie lange nicht mehr ist, interessiert sich hierzulande außer einer eingeschworenen Gemeinschaft kaum jemand für Breaks und Basslines. Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.
Text: Sven von Thülen aus De:Bug 64

Built to Resist
X-plorer, Deepulse und Hard:Edged

Basisarbeit. Etwas, wovon vor allem deutsche Drum and Bass-Label wie Hard:Edged ein Lied singen können. Denn wenn man sich die Entwicklung der deutschen Drum and Bass-Szene seit dem kurzzeitigen Boom inklusive Aufbruchsstimmung und erhöhtem Vernetzungswillen untereinander vor fünf Jahren mal anguckt, dann hat sich zwar, gerade was die Abläufe bei der Labelarbeit angeht, einiges getan, viel Zählbares ist dabei aber nicht rumgekommen. Das mag unter anderem daran liegen, dass die gerade noch gefeierte unendliche Entwicklungsfähigkeit von Drum and Bass kurz darauf plötzlich anfing, sich als doch nicht so unendlich herauszustellen, und sich stattdessen selbstverliebt in eine lärmige Starre begab, die das allgemeine Interesse an Breaks, Basslines und Rewinds innerhalb von kürzester Zeit wieder gen Null sinken ließ. Das Hauptproblem heute (wo Leute wie Peshay, Shy/Fx oder auch die Brasilianer Marky und XRS Land die englischen Charts stürmen und sogar Magazine wie das Mixmag, das nicht gerade als Drum and Bass-freundlich gilt, Loblieder auf den wieder erwachten Riesen singt) wie gestern dürfte daran liegen, dass die deutsche Drum and Bass-Szene, vollkommen unabhängig von der Qualität der Clubabende und Tracks, die so produziert werden, sozusagen strukturschwach ist, die in London ganz protektionistisch weit weg und, was wohl nicht weniger wichtig ist, nicht ein Fünkchen Glamour mitbringt. Celebrities und Integrationsfiguren à la Goldie oder Grooverider und Fabio sind in den letzten fünf Jahren nicht aus den Studios gekrochen. Schade eigentlich.

Weitermachen

Viel mehr als sich konstant weiterzuenwickeln und hier und da mal einen großen Seufzer von sich zu geben, bleibt einem da kaum übrig. Metro und Stoffel von Hard:Edged sehen das Ganze eher pragmatisch: “Wir sind ein kleines Label, auf einem kleinen Vertrieb. Da entscheidet oft nicht die Qualität. Wir können nur konstant weitermachen und schauen, ob sich irgendwo ein Türchen für uns öffnet.” Und weitergemacht wird. Im Oktober soll, nachdem sie im letzten Jahr die Hard:Edged-Sessions im WMF eingestellt hatten, der erste eigene Club eröffnen. Direkt an der Spree mit Blick auf das neue Universal-Gebäude. Schöne Aussichten. Und mit den letzten Releases von Pentagon, den One:Soul Remixen von Total Science und Kabuki und jetzt dem Debutalbum von X-plorer und Deepulse ist auch das Label in die Offensive gegangen. Und in den nächsten Monaten soll es so weiter gehen. Im Moment hat das schon erwähnte Debutalbum von X-plorer und Deepulse oberste Priorität. Die beiden hatten schon einmal ihre Sneaker in der Tür zur Londoner Szene, aber die Vorstellungen über eine Zusammenarbeit lagen dann doch recht weit auseinander: “Renegade Hardware haben ein paar Tracks von uns gesignt. Aber deren Ansage war, dass sie uns nur richtig promoten würden, wenn wir es unter einem neuen, exklusiven Namen machen würden. Darauf hatten wir keine Lust. Wir haben uns über die Jahre etwas aufgebaut und uns langsam einen Namen gemacht. Den wollten wir nicht einfach aufgeben.”

Pleasure Principles

Das Album der beiden hätte es auf jeden Fall verdient, von mehr Ohren gehört zu werden, als es im Endeffekt wahrscheinlich der Fall sein wird. Neben ihrer schon bekannten Liebe für soundtechnische Details und der eleganten Deepness, die immer wieder im Zentrum von “Pleasure Principles” steht, zeigt nicht zuletzt der extrem frische Vocaltrack “Trust” einmal mehr, wie weit X-plorer und Deepulse sich mittlerweile entwickelt haben. Mal sehen, was die Zukunft bringt.

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Elektronische Lebensaspekte.