Lange stand die MPC2000 als das einzige ernstzunehmende Desktop Studio mit Livefunktionalität da, jetzt hat Yamaha mit dem RS7000, das neben umfangreichen Sequenzerfunktionen und einer großen Anzahl interner Sounds auch sampeln kann, den ersten ernsthaften Konkurrenten erschaffen.
Text: benjamin weiss aus De:Bug 57

Sounderzeugung
Der RS 7000 arbeitet mit dem sogenannten AWM2 Verfahren der neueren Yamaha Synths. Insgesamt gibt es 1054 Voices mit allen möglichen Soundcharakteristika aus allen erdenklichen Sparten, viel Schreckliches dabei, aber auch einige sehr gute Bässe und Drums (hier hat man sich bei Yamaha glücklicherweise der RX Serie erinnert, die für ihre Drumsounds der eher pappigen, aber sehr durchsetzungsfähig-groovigen Art bekannt ist). Das Prinzip der Klangbearbeitung ist bei allen Sounds, auch bei den weiter unten beschriebenen Samples gleich: zunächst gibt es eine Filtersektion mit ADSR Hüllkurve und sechs verschiedenen Typen (Tiefpass mit 24, 18 und 12 dB, Hochpass und zwei Bandpässe) sowie eine LFO Sektion mit fünf verschiedenen Wellenformen (Dreieck, ansteigender Sägezahn, abfallender Sägezahn, Rechteck, Sample & Hold und eine frei editierbare Wellenform, alle zur Geschwindigkeit synchronisierbar).

Samples und Sampling
Der RS 7000 kommt mit 4 MB Arbeitsspeicher, die maximale Ausbaustufe liegt bei 64 MB. Insgesamt 256 Samples sind möglich, aufgeteilt in die Kategorien lokal und global, wobei die lokalen Samples nur in einem Style, die globalen in allen Styles benutzbar sind, was zwar nicht wirklich stört, aber auch nicht wirklich Sinn macht. Gesampelt werden kann mit 44,1 kHz, 22,05 kHz, 11 kHz und 5 kHz, wahlweise stereo oder mono, über die optionale Digitalerweiterung auch mit 48 kHz. Neben .Wav und .Aiff kann der RS 7000 auch Samples des SU 700 und Akai Samples (S1000 und S3000) und Programs importieren, wobei im Handbuch diesbezüglich lustiger Weise etwas von “fast alle” steht. Ein Sample kann sowohl als Pitched Voice (mit unterschiedlichen Tonhöhen über die Tastatur spielbar), als Sample Kit Voice (mit festgelegter Tonhöhe) oder als Slice & Sequence genutzt werden. Hinter der Bezeichnung Slice & Sequence verbirgt sich eine Funktion, die Audioloops ähnlich wie ReCycle zerschneidet und dazu die passenden Sequenzdaten generiert. Dadurch lassen sich Loops in einer ungewöhnlich großen Geschwindigkeitsbandbreite abspielen, aber auch nachträglich durch eine Änderung der Sequenzdaten umbauen. Das Schneiden und die Definition von Loop-, Start- und Endpunkten geht einfach und durch das großzügige Display auch schnell von der Hand. Zur Nachbearbeitung stehen eine Normalisierungsfunktion (die auch direkt beim Sampeln eingesetzt werden kann), Timestrech, Pitch – Convert, Frequency Convert, Stereo zu Mono und die Loop Remix Funktion bereit. Die ist ein wirklich interessantes Feature: sie ordnet bei Slice & Seq Samples die Einzelsamples nach verschiedenen Mustern neu, kann aber auch für andere Sequenzen genutzt werden, da nur die MIDIdaten manipuliert werden. Es gibt fünf verschiedene Arten der Neuanordnung, die in jeweils sechzehn Varianten vorliegen: Normal (die Daten werden nur umgeordnet), Reverse (einzelne Teile werden rückwärts abgespielt), Break (einzelne Teile werden gelöscht) Pitch (einige Teile werden in der Tonhöhe geändert) und schließlich Roll (einige Teile werden mit kurzen Wirbeln versehen). Neben relativ vorhersehbaren Ergebnissen können damit auch wirklich aberwitzige Varianten geschaffen werden.

Effekte
Für jede Spur stehen die drei Effektblöcke Variation, Delay und Reverb bereit, die zusammen über hundert verschiedene Effekte bereitstellen. Das ist aber noch nicht alles, denn der RS 7000 bietet darüber hinaus noch neben einem vierbandigen Master EQ acht verschiedene Mastereffekte, die auf den Ausgang wirken: Isolation, D-Filter, CTRL Delay, Multi Comp, Ring Mod, V Dist, Lo-Fi und Slice.

Sequenzer und MIDI
Der Sequenzer ähnelt strukturell dem des RM1x (dessen Songs auch direkt geladen werden können). Aufgeteilt in die Modi Pattern Mode, Pattern Chain und Song kann er bis zu 256000 Noten aufnehmen. Ein Pattern besteht dabei aus sechzehn Sektionen (wovon die ersten zehn direkt über die Tasten abgerufen werden können), die jeweils bis zu sechzehn Spuren enthalten können. Der Übersichtlichkeit halber sind jeweils die ersten acht Spuren für Drumsounds reserviert, die zweiten acht für melodische Teile. Insgesamt sind 1024 User Patterns speicherbar, was auf jeden Fall ausreichen dürfte. Zur Aufnahme von Spuren gibt es eine Echtzeit Funktion, bei der wahlweise über das integrierte Keyboard, die zwei Pads oder ein externes MIDI Keyboard aufgenommen wird, sowie zwei Stepmodi, die jeweils für das Erzeugen von Notenfolgen oder Drums optimiert sind. Die Quantisierung kann vorher oder nachher erfolgen. Neben einer gut groovenden Swingfunktion gibt es eine zusätzliche und sehr ausgefuchste Groovefunktion, die über die Parameter Note Offset (verschiebt die Tonhöhe der Noten in Halbtonschritten), Clock Shift (verschiebt das Timing nach hinten oder vorne in Clock Impulsen) Gate Offset (verändert die Spiellänge der Noten in Clock Impulsen) und Velo Offset (erhöht oder verringert die Velocity der Noten) verfügt und auf einzelne oder mehrere Noten gleichzeitig angewendet werden kann. Schließlich können die erstellten Sequenzen weiter manipuliert werden, indem man ihnen die Play FX zuweist. Hier gibt es unter anderem Unison (die gleichen Noten werden im gleichen Timing bis zu achtfach abgespielt), Octaver (erzeugt eine Sequenz, die bis zu zehn Oktaven höher oder tiefer liegt als das Original) sowie zwei Harmonizefunktionen, die der Sequenz eine Harmonie zufügen. Einen Arpeggiator besitzt der RS 7000 auch, allerdings ist der etwas einfach gehalten: lediglich fünf Abspieltypen gibt es hier. Die MIDI Ausstattung ist dafür sehr vollständig: die sechzehn Spuren können frei einzelnen Kanälen zugewiesen werden, um externes Equipment anzuspielen, sämtliche Parameter sind über MIDI fernsteuerbar, außerdem können die Sequenzdaten im SMF Format (Standard MIDI File) ex- und importiert werden. Sämtliche Zuordnungen zu Controllern sind im Handbuch akribisch festgehalten, schön ist auch die Möglichkeit, den zweiten MIDI Ausgang zum Thru umzufunktionieren.

Bedienung und Sound
Der Sound ist erstaunlich druckvoll und klar, mit im Vergleich zum SU-700 erheblich verbesserter Bassabbildung. Die Bedienung verdient auch ausdrückliches Lob, alle Drehregler sind frei zuweisbar, Funktionen wie Patternwechsel, Muting und Selektion von einzelnen Spuren, auch die Struktur der Benutzeroberfläche kommt ohne allzu tiefe Menüs aus. Das Display ist groß genug, beleuchtet und gut lesbar. Die Verarbeitung ist für Yamahaverhältnisse recht robust, obwohl bei diesem Preis ein Vollmetallgehäuse meiner Meinung nach echt drin gewesen wäre. Der RS 7000 ist seinem Konkurrenten MPC2000 durchaus überlegen, auch wenn er etwas teurer ist, bietet er mit den internen Sounds, den Effekten und der stringenten Oberfläche und mit einer Ausbaubarkeit des Samplespeichers auf 64 MB (MPC= maximal 32 MB) Vorteile, die den höheren Preis mehr als wett machen. Sehr praktisch auch die Möglichkeit, Samples und Sequenzen auf SmartMedia Cards zu speichern, wodurch das Mitschleppen von anfälligen Zip Drives oder externen Festplatten bei Livegigs entfällt.

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Elektronische Lebensaspekte.