Yoav B betreibt das einzige israelische Technolabel überhaupt. Bei ihm releasen Leute wie Shake und Dan Curtin. Schade nur, dass in Israel nur fünf Menschen davon wissen.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 96

Tel Aviv-Detroit-Amsterdam

Yoav B macht eins der wenigen israelischen Label für elektronische Musik überhaupt. Es gibt zwar immer schon ein paar Elektronika Acts, eine alte Schule der Elektroakustik und mit Sicherheit mehr als genug Goa und Psytrance, aber ein Label für Detroit Sounds aus Israel, da fällt einem wirklich nur Wabi Sabi ein. Wabi Sabi ist übrigens eine Form der japanischen Ästhetik. Und Wabi Sabi steht für Yoav B. Obendrein auch noch für Holland, denn ohne Marsel von Delsin hätte es Wabi Sabi nie gegeben. “Ich dachte, dass es niemand anderen geben könnte, der an meiner Musik interessiert ist. Er organisiert auch die Pressungen, das Mastering, das Drucken der Label, Vertrieb und Distribution, alles was ich brauche. Und mittlerweile reagieren auf Wabi Sabi auch Leute wie Shake, Dan Curtin, Charles Webster, für den ich sogar einen Remix gemacht habe, und Rolando. Derrick May und Carl Craig spielen meine Tracks. Und wir verkaufen auch nahezu alles, was wir pressen, aber das deckt gerade mal die Kosten.”
Yoav Bs erste Platte war Michael Jacksons “Thriller”, er begann als Kind noch Posaune und Gitarre zu spielen und alles, was eine Band in der High School sonst noch so braucht. Anfang der 90er, gerade 18 geworden, begann er mit Computern herumzuspielen. 94 wurde aus ihm einer der frühen Produzenten elektronischer Musik in Israel, 97 begann er aufzulegen. Die Szene in Israel beschreibt er als tot. “Es kennen vielleicht fünf Leute hier meine Musik. Ich hab hier – abgesehen mal von vielleicht zwei bis drei Gigs – seit über einem Jahr nicht mehr aufgelegt. Es gibt immer weniger Partys und die Clubs machen alle zu. Die Crowd hat einfach immer weniger Geduld. Sehr harter Techno, Drum and Bass und dieses neue Breaks-Ding, das läuft hier im Underground.”
Seine Musik ist aber konzentriert, reduziert, trocken und orientiert sich weit mehr an Chicago und Detroit als daran, dass alle Pegel auf rot stehen. “Meine Musik klingt einfach, aber ich lege viel von mir selbst rein. Ich versuche, einen Moment in der Zeit zu fangen und den zu erforschen bis zum Maximum. Ich möchte andere Leute mit der Musik bewegen. In gewisser Weise soll die Musik von mir sehr persönlich sein. Spirituell, aber nicht im Deep-House-, Gospelhouse-Verständnis. Ich suche auch nach Spiritualität in meinem alltäglichen Leben. Wenn du wissen willst, was das heißt, müsste ich dir von der Weisheit der Kabbalah erzählen, aber nicht in dieser trendy Weise wie Madonna oder Mrs. Spears, sondern die wahre Seite, die einem hilft, die höheren Welten zu erreichen. Ich hoffe, eines Tages werde ich meine Augen öffnen können und es wird mir möglich sein, diese Gefühle mit den Hörern zu teilen und ihnen damit in direkterer Weise helfen zu fühlen, was da oben ist, so wie der große Kabbalist Yehuda Ashlag es mit seiner göttlichen Musik erreicht hat.”

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Elektronische Lebensaspekte.