Mehr Hoffeste bitte. Das Fotostudio Z21 gehört zu den jungen Firmen, die in der Wolliner Straße 18/19 nach neuen Umgangsformen beim professionellen Arbeiten suchen. Dazu gehört, sich von Punks begrillen zu lassen.
Text: Christian Chilla aus De:Bug 41

Auftragssharing und Grillwürste

Fotostudio Z21

Im Studio Z21 haben sich sechs Fotografen nach Ihrer Ausbildung am Lette-Verein zusammengetan. Sinn ihrer Bürogemeinschaft war nicht nur, sich Räume zu teilen, sondern auch, sich gegenseitig beim Berufsstart unter die Arme zu greifen. Und obwohl sich die Besetzung schon mehrfach geändert hat, ist die Gründungsidee, sich bei der Arbeit zu unterstützen, erhalten geblieben. Schon seit sieben Jahren beschäftigen sich Daniela Eger, Nico Hesselmann, Peter Maasz und Uwe Arens. Mit redaktioneller Fotografie, Werbefotografie und digitale Bildbearbeitung, zusammen mit dem Maskenbildner C.I.S.E.L, der seine Werkstatt unter dem Dach der Z21er hat. Die Gemeinschaftsstruktur bringt viele Vorteile mit sich, z.B. Erfahrungsaustausch, gegenseitige Kritik und Hilfestellungen. Da jeder der fünf Fotografen einen unterschiedlichen Schwerpunkt hat, profitiert der eine vom anderen. Auch die Praktikanten und freien Mitarbeiter können auf die unterschiedlichen Erfahrungen der Z21er zurückgreifen und nutzen das kreative Klima für ihre eigene Inspiration.
Durch Mundpropaganda erfuhren sie von leerstehenden renovierten Räumen, die für die Zwecke eines Fotostudios sehr gut geeignet waren. ” Wir hatten schon davor zweimal ein Studio in Mitte und zogen vor zwei Jahren so ziemlich als erste in diesen Komplex. Es ging uns darum, dass alles gut erreichbar ist.” Zur Debatte stand auch Kreuzberg, aber die zentrale Lage und die Infrastruktur, in der sie auch vorher schon arbeiteten, sprachen für die Wolliner Straße. Zu dem ganzen Hof sagen sie: “Es ist eigentlich ein großes Glück, dass sich diese Leute hier angesiedelt haben, denn beworben haben sich auch genug Firmen aus anderen Bereichen wie z.B., äh, Internet. Ob die Ansammlung von Kreativen reiner Zufall ist oder der Vermieter dabei einen Schwerpunkt gesetzt hat, keine Ahnung.” Jedenfalls findet man hier einen bunten Querschnitt durch die moderne Dienstleistungswelt. Über Z21 sitzt eine Bookingagentur, darüber Flora&Fauna. In den anderen Aufgängen haben das Label “R.O.T”, das Sonarkollektiv und die Leute von “dj-sets.com” Arbeitsräume gefunden. Außerdem gibt es hier noch einen Verein, der sich um die soziale Betreuung von Jugendlichen kümmert, sowie die Kirche von unten (Kvu – dem Punk-Club), einen Billardsalon und das Restaurant “Schildkröte”, dem Treffpunkt, bei dem man sich beim Essen büroübergreifend austauscht. Die bunte Mischung ist interessant und bildet ein angenehmes Arbeitsumfeld. “Es freut uns, dass es hier die sozialen Einrichtungen gibt, und die ‘Kirche von unten’ hat im Hof oft leckere Würstchen gegrillt und gefeiert.” Insgesamt arbeiten hier schätzungsweise einhundert Leute, die letzten erst seit sechs Wochen. Oft läuft man sich nicht über den Weg, denn meist ist man ja nur zum Arbeiten hier, und da bleibt nicht soviel Zeit zum gemeinsamen Plaudern. Uwe hat schon einmal auf der gleichen Etage mit den Jazzanovas gearbeitet: “Wir laden uns zwar immer auf Kaffee und Kuchen ein, aber die Zeit dazu haben wir noch nicht gefunden.”
Man weiß nur ungefähr, was die anderen hier machen. Um wirklich miteinander arbeiten zu können, kennt man sich noch zu wenig. Doch ein paar kleinere Aufträge hat es schon gegeben. Ein bisschen mehr Sozialisation täte gut –ein Hoffest könnte dazu beitragen, sich näher kennen zu lernen. Doch der wird gerade erst begrünt (unser Hof soll schöner werden), und bis dahin machen die Baumaschinen noch richtig Lärm.

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Elektronische Lebensaspekte.