Aus dem Herzen der RAK Studios, dort, wo Hot Chocolate Ende der 70er auf Erfolg produziert wurden, kommen Zero 7 mit ihrem zweiten Album. Das umgarnt den bourgeoisen Lehnstuhl genauso schön wie ihr Debüt. Zwischen "soft" und "kitschig" finden sie eben immer die passende Balance.
Text: Renko Heuer aus De:Bug 80

Auf Wolke sieben
Zero 7

Ruhe und Gemütlichkeit. Sam Hardaker und Henry Binns legen großen Wert aufs Ambiente. Sie haben es gern bequem. Während Henry den Tee zubereitet und einige Kerzen aufstellt, lehnt sich Sam im Sofa zurück, steckt sich eine Zigarette an. So ist es kaum verwunderlich, dass die sauberen Klangteppiche ihres gemeinsamen Projekts Zero 7 wie eine elegante Vertonung dieser ausgeprägten Häuslichkeit klingen: relaxt und absolut tiefenentspannt. ”Für mich war schon immer wichtig, dass ich etwas hatte, in dem ich mich verlieren konnte – und zwar in dem Moment, in dem ich den Walkman anmache. Dieses Element muss Musik für mich haben.“
Nachdem die beiden Nordlondoner sich zusammen mit Starproduzent Nigel Godrich in Mickey Mosts RAK Studios von Tee kochenden Aushilfen zu Tontechnikern hochgearbeitet hatten, war es schließlich ein Remix für Radiohead, der die beiden Schulfreunde zu Zero 7 werden ließ: “Nachdem uns Nigel zu dem Remix verholfen hatte, fingen wir an, selber Musik zu machen – aber wir waren uns damals gar nicht bewusst, dass wir ein Album machten, bis es dann auf einmal fertig war.“ Die jahrelangen, unbewussten Arbeiten an ihrem viel umjubelten Debut “Simple Things“ (2001) wurden mit einer Nominierung für den Mercury Preis und einem luftigen Plätzchen neben den Chillout-Helden von Air belohnt.
Während Tee-Experte Binns seine Meinung bezüglich des besten Darjeelings wohl niemals ändern wird, weiß er, in welche Richtung sie mit ihrem – dieser Tage erscheinenden – Nachfolgealbum ”When It Falls“ gehen wollten: “Wir haben mehr oder weniger da weitergemacht, wo wir auf dem letzten Album aufgehört haben: Es waren weitestgehend die selben Vokalgäste, mit denen wir gearbeitet haben, und die Elemente des Sounds sind sicherlich ähnlich, auch wenn wir sparsamer mit ihnen umgegangen sind. Dazu kommt, dass wir uns mehr auf echte Instrumente verlassen haben, als mit Samples zu arbeiten.“ Insgesamt klingen die warmen Sounds des Duos daher weitaus erdiger als auf dem Vorgänger, erinnern stellenweise an Becks “Sea Change“ (von dem beide zugeben, dass sie es während des letzten Jahres viel gehört haben) und bringen eine unterschwellige Traurigkeit mit sich, ohne dabei kitschig zu klingen: “Wir passen schon auf, dass wir den ‘Glanz-Knopf’ nicht zu doll drücken – das muss man auch, besonders wenn man so viel mit Streichern arbeitet wie wir. Das kann schnell mal zu viel sein, und dann ist die ganze Schönheit hin. Es kommt oft vor, dass wir etwas aufnehmen und es dann wegwerfen, weil es einfach zu cheesy ist und selbst wir eine Gänsehaut bekommen.“

Sam, für den sich die Welt in HipHop- und The-Smiths-Hörer einteilen lässt, fügt schmunzelnd hinzu, dass es trotzdem jede Menge Leute geben wird, die ihr Album kitschig finden: “Einfach, weil die Musik ein wenig softer ist.“ Doch es scheint ihn insgeheim sogar zu freuen, dass die beiden dieses Mal nicht als Hype-Act, sondern als “einfache Musiker“ gehandelt werden: “Die Tatsache, dass es letztendlich nur darum geht, dass ich zusammen mit Henry in unser Studio laufen muss und da Musik mache, das ist schon ganz schön simpel – nach wie vor. Es ist eine gute Möglichkeit, sich selbst in der Balance zu halten.“ Bevor der Tee bitter wird, gießt Henry ein wenig Wasser nach und denkt laut darüber nach, warum er eigentlich nie an unruhiger, aggressiver Musik interessiert war: “Immer, wenn wir so etwas probiert haben, waren wir uns nicht sicher, ob es auch wirklich gut ist. Ich habe uns das nie so wirklich abgenommen.“

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Elektronische Lebensaspekte.