Hitfabriken wie "Die Ärzte" in die Schranken weisen? Nichts einfacher als das. Die 13jährige Rosa hat ein paar Produzenten elektronischer Musik kennengelernt. Und wurde zum Star. Wie es dazu kam, dass ein Lied seinen Weg vom Kunst-Sampler "Zigaretten rauchen" über das Berliner Label Monika-Records hin zu Sony nahm, erzählt Manuela Krause.
Text: manuela krause [manou.k.@gmx.net] aus De:Bug 35

/elektronika Rosa: “Männer sind Penner” Der postfeministische Präpubertätshit, der von unten kam. Eigentlich ist Rosa noch ziemlich jung für einen Popstar. Neun Lenze ist sie. Aber der Zufall dachte sich, dass ihm das egal sei. Eine Erzieherin ihrer Schule namens Elli Wedepohl war mit einigen Berliner Künstlern befreundet, die gerade für 14 Tage das “micro-studio” und die Idee für ein musikalisches Kunstprojekt realisierten. Man wollte Musik machen. Schnell und einfach, aber effektiv. Unter dem Motto “11 Tage des didaktischen Liedguts” wurde von den Künstlern aus dem Umfeld der “zweiten Klasse” und der Buchläden “b_books” und “pro qm” sowas wie ein Workshop abgehalten. Man stellte Hallgeräte, Videorekorder, Labtops, Turntables und Mikrophone zur Verfügung, die benutzen konnte, wer wollte. An einem der Tage stand auch Elli Wedepohl mit ihren aufgweckten Schülerinnen auf der Matte. Mit dabei natürlich Rosa. Zufälligerweise hatte Rosa damals gerade einen Liedtext in ihr Tagebuch geschrieben. Den wollte sie hier kurzer Hand zum besten geben. Gesagt, getan. Nach einem kurzen Moment des Zögerns griff sich Rosa das Mikrophon, kletterte auf eine kleine Bühne und sprach: “Okay, das nächste Lied heisst ‘Männer sind Penner'”, und dann rappte sie einfach so los, ganz ohne Musik. Als ob sie nie im Leben etwas anderes getan hätte. ‘Ich bin ein Mädchen, wie es jede ist, bin stolz und schlau und Optimist…’ Letzteres ein Wort, dessen Bedeutung sie damals noch nicht kannte. Es reimte sich aber so gut. Das war übrigens 1996. Noch dachte keiner daran, dass sie ein Star werden würde. Knapp an Blumfeld vorbei Rosa wandte sich wieder der Schule, der Akrobatik und anderen Dingen zu. Na, was junge Mädchen halt so interessiert! Im “micro-studio” hatte man in der Zwischenzeit das entstandene Material weiterverarbeitet, verändert, gemischt und auch musikalisch vertont. So auch Rosas Sprechgesang. Interessant, dass dieser Titel von Anfang an so gut wie fertig war, noch dazu kristallisierte er sich als heimlicher Hit heraus. Auf der CD “Zigaretten rauchen – Surplus”, die im letzten Jahr von dem Buchladen b-books veröffentlicht wurde, war Rosas Hit zwar noch neben all den anderen Soundschnipseln des “microstudios” zu hören und wurde nicht gleich von allen Kritikern gebührend beachtet. “Grundschulärger kleiner Mädchen” , war z.B. ein Satz, der einem einfallslosen Journalisten einfiel. Aber es dauerte nich lang und der erste Mensch aus der hauptberuflichen Musikszene, der auf die freche “Männer sind Penner”-Hymne aufmerksam wurde, war niemand anderes als Jochen Distelmeyer von Blumfeld in Hamburg. Auf dem Label Pudelrecords sollte Rosas Hit eigentlich dann auch veröffentlicht werden, und zwar von Blumfeld und Schorsch Kamerun. Die wollten gleich noch eine Coverversion dazulegen. Aus Geldmangel wurde das geplante Projekt jedoch auf Eis gelegt. Im Juli1999 feierte dann jemand eine Geburtstagsparty. Musik ist ein beliebtes Partyrequisit, und da dieses Mädchen ein Faible für besondere und aussergewöhnliche Musik hat, brachte ihr ein Freund “Zigaretten Rauchen: Surplus” mit. Klar wurde sie gleich auf das Lied von Rosa aufmerksam, und darum wurde dieser Song an diesem Nachmittag mehr gespielt als alle anderen Lieder. Gudrun Gut, ehemals “Malaria” und mittlerweile ungekrönte Labelchefin des Berliner Elektroniklabels “Monika-Enterprise”, war auch auf der Party zu Gast. Sie fand es geradezu herrlich, wie frech und direkt die 9jährige Rosa mit ein paar Worten genau auf den Punkt brachte, was sie – wie übrigens auch viele andere Frauen – über Männer dachte. Aber wenn man schon um die 30 ist, wird es schwierig, Ansichten dieser Art einfach so herauszuposaunen. Männer und Frauen, die Männern gefallen wollen, sagen sonst, man sei sexuell frustriert… Gudrun besorgte sich die CD und spielte den “Männer sind Penner” Song von da an regelmässig beim “Oceanclub-Radio”, ihrer gemeinsame Radiosendung mit Thomas Fehlmann in Berlin auf Radio 1. Fehlmann war es dann, der Gut irgendwann mal fragte, ob sie nicht den “Männer” Song von Rosa auf einer geplanten 7inch Reihe veröffentlichen wollte. Gudrun kontaktierte “Zigaretten Rauchen”, denn die hatten die Rechte an dem Stück. Von Rosa war zu der Zeit weit und breit keine Spur. Im Einvernehmen mit ” b-books” wurde die Single veröffentlicht. Endlich kam der tolle Song unter die Leute – in Form einer “Liebhaber-Single” aus gelben Vinyl. In relativ kurzer Zeit entwickelte sich “Männer sind Penner” zum absoluten Geheimtip, der sich wie ein Lauffeuer verbreitete, mit stetig wachsendem Erfolg und wachsender Fangemeinde. Bei “DIS-Records” in Göttingen war “Männer” im Februar beispielsweise die meistverkaufte Platte überhaupt. Bei Radio Fritz, einem populär orientierten Berliner Jugendsender, sollten HörerInnen per Anruf entscheiden, welcher Song bleiben darf und welcher rausfliegt, die Ärzte oder Rosa? Rosa blieb drin. The Return of Rosa Irgendwann hat dann auch eine Freundin von Rosa das Lied im Radio gehört und sie gleich angerufen. Rosa konnte das natürlich gar nicht glauben und war völlig verdutzt. Schliesslich war dieser Song fast vier Jahre alt. Wie sollte denn der ins Radio kommen? Ihr Vater war es, der dann die Rolle des “Detektives” übernahm. Er meldete sich bei “Monika-Enterprise”, vorerst getarnt als Fan. Als Gudrun ihm dann aber erklärte, dass sie leider über die Interpretin auch nicht viel wisse, ausser ihren Namen, Rosa, ihr damaliges Alter, 9, und dass die Suche nach ihr vor der Veröffentlichung vergeblich gewesen sei, da gab sich Rosas Vater zu erkennen. Man traf sich, und zwar genau im rechten Moment. Noch bevor im Office von “Monika-Enterprise” von einem Majordeal geträumt wurde, stand auch schon ein A+R vor der Tür. Mitten in der Baustelle von Gudruns neuem Büro, das mittlerweile schön und fertig und rosa ist, wurden flugs die Verträge zwischen Sony, Rosa, “Zigaretten rauchen” und Monika-Enterprise ausgedealt. Seit März 2000 steht “Männer” nun als CD, von Stefan Betke alias “Pole” neu produziert, im Handel. Neben der Radio-Version mit einem Diskomix von Justus Köhnke und natürlich mit den Lieblingschnipseln von “Zigaretten rauchen: Surplus” aus dem damaligen “micro-studio”. Für Rosa ist damit ein grosser Traum in Erfüllung gegangen. Wenn sie davon erzählt, wie alles angefangen hat und wie sich ihr Leben seitdem verändert hat, dann strahlen ihre Augen wie zwei Sterne… In Berlin ist sie ja mittlerweile eine kleine Berühmtheit und wahnsinnig beliebt bei Fernsehen und Presse. Selbst Harald Schmidt hat gleich an seine Quoten gedacht und sich um Rosa als Studiogast bemüht. Sie weiss noch nicht, ob sie hingeht. Es ist schon unglaublich, mit welcher Gelassenheit und vor allen Dingen Professionalität Rosa ihre Interviews gibt. “Männer sind zwar körperlich meisstens überlegen und darum vielleicht das stärkere Geschlecht. Aber wir Frauen sind nun mal einfach das intelligentere Geschlecht” , sagt sie mit ihren mittlerweile 13 Jahren und lächelt mich an. Die Frauenbewegung hat doch ihre Spuren hinterlassen, die scheinbar Generationen später erst sichtbar werden. Besser spät als nie. Für Rosa ist das der Anfang ihrer Karriere: “Ich bin sicher, mein Traum wird auch noch gross…” Rosa, wir wünschen es Dir.

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Elektronische Lebensaspekte.