Die Eid-Mucker im Einzelnen
Text: pat kalt aus De:Bug 88

Samim & Michal
Samim Winiger und Michal Holy sind eigentlich alte Hasen im Geschäft: Seit über zehn Jahren machen die beiden Schweizer schon Musik, wenngleich mit leicht unterschiedlicher Sozialisierung. Mit ihrer Stattmusik-EP “Dini Mueter” (zu deutsch: deine Mutter) und dem Minimal-Funk-Track “Ride my cadillac” machten sie zum ersten Mal auch außerhalb von Zürich auf sich aufmerksam. Auch Jay Haze war begeistert von dem Schweizer Duo und verschaffte ihnen je eine EP auf seinen Labeln Tuning Spork und Textone. “Jay hat ja ein gleiches Level an Weirdness wie wir zwei, und da wird mit Sicherheit noch einiges nachfolgen”, lacht Samim. Jedenfalls fühlten sich die beiden da schon nach kurzer Zeit heimisch. Der große Teil der Tracks ensteht bei Samim & Michal in langen Studio-Jam-Sessions, mit vielen Cut-and-Paste-Prozessen. “Dann holen wir uns ein Feedback im Club und löschen alles, wenn’s Scheiße ist!” Dass die Schweizer gerne auch mit Vocals arbeiten, stellt die kickende “F”-EP auf Tuning Spork eindrücklich unter Beweis, immer dann, wenn der Gesang von Jonjon für das zuckerrichtige Sahnehäubchen an Funk auf der minimalen Klicker-Klacker-Torte sorgt. Damit verglichen ist der Textone-Release schon eher sowas wie ein Sandkuchen, ohne dabei jedoch staubtrocken zu schmecken. Das Ziel ist alles andere als langweilige Repetition: “Ich will diese ewigen Loops aufbrechen und dem Chaos immer mehr Freiräume lassen”, sagt Samim.

Serafin
Bis vor kurzem fand Philippe Egger alias Serafin noch seine volle Befriedigung im Auflegen: “Das Produzieren war sekundär. Erst durch meine Zusammenarbeit mit Luciano trat so etwas wie eine Wende ein. Jetzt bin ich auch als Produzent erwacht!” Das Freundschaftsprojekt zwischen ihm und dem vor kurzem von Genf nach Berlin gezogenen Südamerikaner ist für die ersten Schritte eine wichtige Plattform. So veröffentlichten die beiden den ersten gemeinsamen Track im Frühjahr 2004 auf der Telegraph-Compilation “Post-Office”. Im August folgte die EP “Funk Excursion” auf Lucianos Minimal-Label Cadenza. Und im November seine erste Solo-EP “Kristall” auf dem Züricher Label “Bruchstücke”. Damit will der junge Züricher jetzt auch ein Kapitel abschließen. So würden die drei Tracks auf dieser EP noch einmal den alten, träumerischen Serafin zeigen, mit viel Nostalgie und Schweizergefühl. Danach soll es aber einen Schritt weitergehen. “Ich war in den letzten Jahren schon ziemlich verzettelt, ich habe ja auch immer wieder Partys organisiert. Aber jetzt will ich mich voll auf meine Musik konzentrieren.” Nicht umsonst steht Serafin seit kurzem auch auf der Bookingliste der Cocoon-Gemeinschaft um Sven Väth. Obwohl das Booking nach Deutschland noch nicht so klappt, wie er es gerne hätte. “Die machen die Kohle wahrscheinlich vor allem mit den Stars … aber ich bin gespannt, wie es weitergeht. Diese ganzen sozialen Abläufe, Leute kennen lernen und treffen, soziale Netzwerke knüpfen … es ist halt schon auch eine ziemliche ‘Vetterliwirtschaft’ in diesem Business.” Zu Hause sitzt Serafin übrigens auch an der richtigen Quelle: Gemeinsam mit Produzenten-Freund Cosili betreibt er tagsüber den über die Landesgrenzen hinaus bekannten Plattenladen P45.

Galoppierende Zuversicht
“Eigentlich war die Geschichte mit unserem Namen ein komplettes Missverständnis. Ein Freund charakterisierte unseren Sound einmal so, und wir fanden das ziemlich cool, bis sich später herausstellte, dass er eigentlich etwas ganz anderes damit gemeint hatte …”, so Styro2000 aka Marcel Ackerknecht, der zusammen mit Bang Goes aka Roland Widmer das Schweizer Duo mit dem ungewöhnlichen Namen bildet. Beide sind so etwas wie die Züricher Party-Urgesteine, stadtbekannt als DJs, Veranstalter und Produzenten. Unter dem Motto “Computer sind unsexy und stürzen ständig ab” versammeln die beiden bei ihren Live-Auftritten ein explosives Gemisch an zusammengebastelten und hochgetunten Samplern und Oldschool-Equipment und jammen auf Teufel komm raus. “Ich bin ja so ein Bastlertyp, der immer seinen Lötkolben im Case mit dabei hat”, gesteht Styro, der hauptberuflich eine kleine Elektronikbastelstube betreibt, in der so ziemlich alles geflickt wird, was mit Strom funktioniert. “Jammen finden wir wichtig. Live-Acts, die immer dasselbe spielen, sind doch langweilig.” Auch die letzte “Basta”-EP auf dem Label Bruchstücke mit dem Killertrack “Linguini al denta” sei praktisch komplett aus solchen Jam-Momenten entstanden. Das Live-Feeling ist noch erhörbar: Beständig dreht und schraubt da irgendwer an den Reglern und hievt die immer besser werdende Feierlaune auf ein nächstes Level. Dabei seien beide Musiker doch eigentlich “recht faule Säcke”, scherzt Styro. “Stücke machen ist Arbeit. Und wir feiern und trinken halt lieber …” Sehr zum Leidwesen von Bruchstücke-Labelchef Markus Unterfinger, der seine beiden Artists da des öfteren in den Allerwertesten treten muss, damit der Nachfolger der “Basta”-EP in die Gänge kommt. “Ach, das ist einfach der Züricher Groove: immer mit der Ruhe!”, verteidigt sich Styro und verspricht hoch und heilig, dass das Ende des Jahres ganz im Zeichen der neuen Platte stehen wird. Und das wird mit Sicherheit nicht nur den Label-Chef freuen … .

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Elektronische Lebensaspekte.