Text: pat kalt aus De:Bug 88

Servicetanke-Zürich: Labels bis zum Après Ski

Labels:

Bruchstücke

Mit seinen 17 Veröffentlichungen innerhalb der letzten fünf Jahre mauserte sich das Züricher Label Bruchstücke zu einem der renommiertesten Lieferanten für elektronische Klänge aus der Schweiz. Label-Betreiber Markus Unterfinger war Ende der 90er Jahre einer der ersten Züricher, die das kreative Potential der hiesigen Club- und Partyszene auf Vinyl und CD zu pressen versuchte. Zu den Künstlern der ersten Stunde zählten neben den Züricher Techno-Urgesteinen “Bang Goes” und “Styro2000” auch Klettermax alias Stefan Altenburger alias Golden Boy. Neben lokalen Künstlern öffnete die Schweizer Label-Plattform aber auch Türen für deutsche Acts wie beispielsweise “Vermittelnde Elemente”, “Die Patinnen” oder “Liebe ist cool”. Orientierten sich die ersten Releases eher an tanzbarem Clubsound, schlug das Label mit seiner “Music for Children”-Compilation und dem Cabo-San-Roque-Projekt in jüngster Zeit auch listening-orientierte Seiten an. Der jüngste Release stammt von Serafin und für die Bruchstücke Nr. 18 steht Move D bereits in den Startlöchern.

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Stattmusik

Rolf Aeschimann ist ein alter Kenner der Züricher Musikszene. 1995 eröffnete er mit seinem Partner einen kleinen Plattenladen im Kreis 5 und legte unter dem Pseudonym Bad Baxter Platten auf den Teller. Daneben lancierte er mit Stattmusik ein Minimal-Label, das sich mit seinen bisherigen Produktionen in keinster Weise hinter den großen der Branche zu verstecken braucht. Die Tracks von Kalabrese, Cosili, Canson, Klettermax oder Samim & Michal findet man mittlerweile in jedem gut sortierten Plattenladen. Und mit der auf Stattmusik veröffentlichten Substrat-Kompilation zeigte Zürich schon vor drei Jahren, dass auch abseits der Berliner und Kölner Pfade eine eigenständige elektronische Musikkultur möglich ist.
Das viele Feiern ging an Aeschimann allerdings nicht spurlos vorüber. Seit einem Tinnitus-Leiden ist es aus mit dem DJing. “Auch gut”, sagt sich der Züricher, “zu Hause höre ich zur Zeit auch ganz andere Musik. Eher so Triphop, Jazz und Abstract. Das ist jetzt auch zu einem Problem für Stattmusik geworden, weil ich mit diesen reinen Minimal-Techno-Sachen nicht mehr so viel anfangen kann wie früher.” Insofern steht die Zukunft bei Stattmusik – trotz Unterstützung durch die Züricher Kulturförderung – in den Sternen.

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7b

John Player (bürgerlicher Name: Hans Spieler) gehört zur Züricher Partyszene wie die Kuh auf die Alm: egal ob als DJ, Partyveranstalter oder Labelbetreiber von 7b Records. “J” ist der Hans Dampf in allen Gassen. Seine 7b-Posse, die er gerne als “Family” bezeichnet, ist ein verrückter Haufen feierwütiger Schweizer unterschiedlicher Herkunft und musikalischer Couleur: Da gibt es zum einen den Exil-Basler Silvio Tommasini alias Monoblock B, einen New-Wave-Electro-Punk mit schriller Frisur und noch schrilleren Live-Performances. Dem stehen die Auftritte des jurassischen Newcomers Aster OH. in punkto Spektakel in nichts nach: Zu seinem Elektro-Breakbeat-Bleep-Synthie-Pop kleidet sich Fred Voisard mit Vorliebe in grelle Frauenoutfits mit Barbie-Accessoires. Daneben rockt der Genfer Acid-Routinier Christopher Dazen aka Plastique de Rêve von Old School zur New School. Und mit Martin Wiggler alias Staubsauger hat 7b auch eine Lösung für volldigitale Synthie-Pop-Melodien im Repertoire. Und wenn, wie auf der neuen EP, noch gute Freunde wie Crowdpleaser und Kate Wax aushelfen, sind die “various lunatics” dann so gut wie vollzählig und die Party kann beginnen.

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Little Big Recordings

Das jüngste Züricher Label wurde in diesem Jahr von Markus Ullrich und Urs Weisshaupt gegründet. Ullrich produziert bereits seit längerem unter den Pseudonymen Markese, Babychlor und Clos-O-Mat, Weisshaupt bringt wichtige Erfahrungen von seiner Arbeit bei Bpitch Control und Sonar-Kollektiv mit ein. Das Label soll in erster Linie als Plattform für noch unbekannte, junge Acts aus der “Little Big City” Zürich dienen. Dabei sollen die EPs neben den Tracks der Newcomer auch immer mit Remixen von bereits etablierten Produzenten versehen werden.

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Elektronische Lebensaspekte.