Neuer Chef gesucht

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Innerhalb der kommenden zwölf Monate will Steve Ballmer, CEO von Microsoft, seinen Posten räumen. Das teilte Microsoft heute kurz und knapp in einer Pressemeldung mit. Inzwischen liegt auch die E-Mail vor, die Ballmer heute früh über den Firmenverteiler schickte.

Ballmer ist 57 Jahre alt und hatte den Posten des CEOs von Microsoft seit dem Jahr 2000 inne.

Microsoft befindet sich aktuell in einem Umstrukturierungsprozess. Erst vergangenen Monat hatte Ballmer mit der Neuorganisation des Unternehmens begonnen und das Personalkarussell gedreht. Microsoft will sich mit Hardware- und Service-Abteilungen fit machen für die Zukunft. Auch wenn Windows immer noch die unangefochtene Nummer 1 der Betriebssysteme ist, gibt es auf zahlreichen Gebieten viel aufzuholen. Windows Phone hat immer noch nicht den erhofften Marktanteil und kommt gegen Android und iOS nicht an. Und auch Windows 8, die aktuelle Version des Betriebssystems für Rechner und Tablets, wird nicht so angenommen, wie man es sich in Redmond gewünscht hatte. Zum Marktstart von Version 8 führte Microsoft ein neues User Interface ein, das für Geräte mit Touchscreen optimiert ist und den alten Desktop erst nach Knopfdruck freigibt. Gleichzeitig floppte Windows 8 RT, eine spezielle Version für Tablets mit ARM-Prozessoren, komplett. Die wenigen Geräte, die mit dieser OS-Version ausgestattet wurden, inklusive Micrsofts eigenem Tablet Surface RT, kamen bei den Kunden nicht an.

Es ist unklar, ob Ballmer aus eigenen Stücken seinen Platz räumt, oder der Aufsichtsrat nachgeholfen hat. In der E-Mail an die Belegschaft äußert sich Ballmer, dass er einen Rückzug eigentlich auf halber Strecke der Umstrukturierung habe ankündigen wollen. Es brauche aber einen CEO, der “langfristig hier ist”.

Um die Suche nach einem Nachfolger kümmert sich eine speziell eingerichtete Arbeitsgruppe, der auch Bill Gates angehört. Ballmer wird sich dann zurückziehen, wenn der Nachfolger feststeht.

Ballmer ist unter anderem für seinen eigenwilligen Präsentationsstil auf Pressekonferenzen bekannt.

Microsoft als Unternehmen hat jahrelang die Bedeutung von mobilen Geräten im Allgemeinen und Smartphones und im Besonderen verschlafen. Gegen den iPod von Apple kam Microsoft nicht an, der hauseigene Zune kam in Europa nie auf den Markt und wurde in den USA bald wieder eingestellt. Telefone mit Windows Mobile spielten genau in dem Moment keine Rolle mehr, als das iPhone und Geräte mit Android auf den Markt kamen. Und auch wenn die Hardware der aktuellen Geräte mit Windows Phone auf der Höhe der Zeit ist, und das OS das vielleicht eleganteste in der Bedienung, fehlen dem Ökosystem zahlreiche Apps, ohne die es heutzutage nicht mehr geht. Instagram ist nur ein Beispiel. Google verweigerte die Portierung der YouTube-App und blockiert Microsofts eigene Version. Steve Ballmer sah das alles nicht kommen.