Post-PRISM Grundschulsitten: Essen nur gegen Fingerabdruck

Foto von Tim Ellis

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Kinder hinterlassen gerne ihre biometrischen Spuren (s.o.) vor allem dort wo man sie nicht haben will. In einer Hamburger Grundschule sollte jetzt die Bezahlung des Mittagessens (das hoffentlich ansonsten wenigstens essbar ist) via Fingerabdruck stattfinden. Könnte ja sein, dass sich da jugendliche Vielfraße was erschleichen wollen. Die Eltern fanden das lockere Datenhandling des Caterers irgendwie nicht so gut und wollten lieber Chipkarten. Wir fragen uns ja selbst bei Chipkarten was für eine Schule das sein soll. Die Webseite des Caterers stellt übrigens Fingerabdruck oder RFID-Karte zur Auswahl und hat einigermaßen putzige Datenschutzrichtlinien, die wir hier in all ihrer Menschlichkeit kurz zitieren wollen, auch wenn sie nix mit dem Thema zu tun hat.

Die äußere, sichtbare Schale unseres Zwiebelmodells ist das Internet, das Ihnen den Weg zu I.S.S. zur Verfügung stellt. Dieser Transport der Daten, die zwischen I.S.S. und Ihrem PC hin und her gesendet werden, sind durch ein Verschlüsselungsverfahren gesichert. Im Fall, dass es jemandem gelingen sollte, Ihren Datenverkehr zu belauschen, kann er mit den abgehörten Daten nichts anfangen – sie sind durch diese Verschlüsselung unlesbar. Das Internet ist also nur der Transportweg zwischen Ihrem Rechner und dem Datenbankserver. Ihre Daten stehen -salopp formuliert- “nicht im Internet herum”, sondern sind nach den höchsten Maßstäben gesichert, wie sie auch bei Banken für das Internet-Banking gelten.

Und der Caterer hat scheinbar auch gleich auf den Vorwurf reagiert und die Daten gelöscht. Die Schule selbst will allerdings die Daten jetzt wieder haben, von den Kindern deren Eltern eingewilligt hatten und 10 weitere Schulen sollen dem Beispiel folgen. Was für ein Gepansche.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, das eine Grundschule Fingerabdrücke zur Identifizierung einführen will. In Bayern wurde das mal versucht und damals lockte dies laut Süddeutsche “Datenschützer und Medien aus ganz Deutschland nach Gilching”, wo dann die Fingerabdrücke auch schnell wieder gelöscht wurden. Das waren noch Zeiten! Da ging es aber nicht ums Essen, sondern nur um den Eingang.