Ralf Peters debranded Tankstellen, Supermärkte und arbeitet sich am Realitätsbegriff ab

Ralf Peters hat vor gut zwölf Jahren Tankstellen und Supermärkte debranded. Ein Konzept, das bis heute nichts an Aktualität eingebüßt hat, man sehe sich nur das verwaiste, werbefreie São Paulo an. Das wirkt befremdlich, kalt und irgendwie trostlos. Konzernlogos stiften also schon seit langem Wärme und ein enormes Identifikationspotential – während Ralf Peters Tankstellen und Supermärkte eher aussehen wie Playmobil-Attrappen und sich beinahe komplett der signifikanten Präsenz des Konzerns entziehen. Einzig die Farben erinnern an die guten alten Namen und geben uns ein klein wenig Halt.


Über die Jahre hat Peters seine Arbeitsfeld auch auf Flughäfen, Landschaften und Porträts ausgedehnt und eine ganz eigene Bildsprache zwischen Realität und Fiktion entwickelt, die sich immer den Rändern alltäglicher Artefakte anzunehmen scheint und diese durch digitale Bearbeitung neukontextualisiert und entfremdet. Der Realitätsbegriff wird als Ganzes in Frage gestellt – für den Betrachter entstehen dadurch sehr rätselhafte und irritierende Bilder, die ordentlich Reibfläche für so manches Medienwissenschaftler Seminar liefern dürften.

In wunderbarer Aufmachung ist bei Hatje Cantz nun ein Bildband mit Peters Arbeiten der letzten Jahre erschienen. Das Buch liefert einen umfangreichen Einblick in alle Werkserien des Künstlers.

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