Überwachungsstaat, Winterschlaf, Polizeistaat.

Im Grunde könnte man denken, die Welt hat sich vorgenommen, uns alle gründlichst zu repolitisieren. Erst ein Sommer und Herbst der Totalüberwachung, dann Winterschlaf-GroKo und jetzt steht der Polizeistaat vor der Tür. Und die Medien?

Entweder gibt es “neutrale” bestenfalls sanft konjunktivierte Berichterstattung, die Polizeimeldungen durchwinkt, oder sie geben Tips wie man sich anziehen muss, damit man in die Polizeikontrolle kommt. Hihi. Immer dieses Gesellschafts-Spektakel. So lustig.

Manchmal gibt es sogar noch einen Hauch von Kritik unter dem Mäntelchen, dass das politisch aber nicht so klug ist. Da ist das schillernde #dankepolizei schon eine Erleuchtung.

Und warum das alles? Streit um Asyl und linkes Zentrum. Dann Demo danebengegangen, mit üblichem Steinewerfen und höchst fragwürdigem Polizeieinsatz, der eigentlich kaum anderes als den Schluss zulässt, dass eine Demonstration schlichtweg nicht gewollt war (Demonstrationsrecht? Na und). Und danach mehrfach Steine gegen Polizisten auf der Davidswache und selbst das steht zum Teil in Frage.

Erstaunlich wie schlecht die Informationslage aus einer Millionenstadt im Zeitalter der Totalüberwachung letztendlich eigentlich ist. Erstaunlicher aber noch, wie schnell sich eine bundesdeutsche Großstadt leistet einen kompletten Innenstadtbereich in den Ausnahmezustand zu versetzen – selbst wenn das Eskalation pur ist – und wie wenig medial dagegen unternommen wird. Cover: Schumacher Skiunfall. Nicht etwa Deutschland auf dem Weg zum Polizeistaat. Man fühlt sich wie in einem total verhunzten Tatort. Da sind die kritischen Stimmen in der Polizei selbst aktiver bei der Aufklärungsarbeit.

Und damit nicht genug, sondern die Polizei allein entscheidet sogar noch über Dauer und Ausmaß dieses Gefahrengebiets. Wieso dürfen die das? Wo leben wir?

Und was um alles in der Welt tut man dagegen? Noch mehr Demos. Klar. Eigentlich dieser Tage Bürgerpflicht in Hamburg, auch wenn man sich ungern in Gefahrenzonen rumscheuchen lässt und Demos dort natürlich gleich zur Aufenthaltsverboten führen dürfen. Sympathische Unterwanderung mit Selbstverdächtigungs-Urlaub in der Gefahrenzone ist jenseits dessen bislang noch die beste Aktion, wenn es sie wirklich gab. Fast hilfloses Informationen gegen Desinformation sammeln in social Media ist der neue Alltag.

Wie soll das eigentlich weitergehen dieses Jahr? Wenn es so offensichtlich keinerlei relevante mediale Gegenwehr gibt und schon gar keine politische, und all das nur wegen einer Handvoll Krawalle, dann muss man schon beginnen, sich zu fragen, wie stabil eine Demokratie 2014 eigentlich überhaupt ist. Albtraum so ein Frage. Immer wieder.

Ja, wir leben in einem Gefahrengebiet, in einem Ausnahmezustand, aber es ist nicht der Ausnahmezustand rings um die Reeperbahn, sondern der unserer eigenen Demokratie. Das Gejammer, dass irgendwer das Netz kaputt gemacht hat, hört sich mehr und mehr an wie ein Luxusproblem von 2013.

Bild von den feinen Gefahrengebietsmashups von Urbanshit

Update: Wir gönnen euch noch ein Themevideo…

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Schreibmaschine. Tippse. Reviewweltmeister und so Dinge.

5 Responses

  1. Secret of Elements

    Seit langem warte ich auf einen authentischen offiziellen und Seriösen Bericht aus der Hansestadt! Die Medien verschweigen alles, Journalisten werden Mundtot gemacht und keiner traut sich etwas zu schreiben, bis auf de DeBug! Danke!!!

    gebe mein Möglichstes, diesen Beitrag zu verbreiten!

    • Der Johann

      wenn ich mich jetzt so lese…würde ich glatt denken ich wär auch einer von diesen Idioten die heute “wir sind Volk” brüllen…
      Ich korrigiere nach, auch wenn ich mich gar nicht von meinem comment von damals distanzieren will, aber, Tatsächlich: -Wirr ist das Volk”

      Irgendwie ist seit 2014 doch echt was schief gelaufen…Um mich selbst vor mir zu rechtfertigen: – “Junge, damals hast du von dein Freunden gehört das ganz Hamburg durchdreht, dir selbst echt sorgen um deine lieben gemacht und sich erst nach gefühlten 4 Wochen -zumindest das medium TV- bereit erklärt hat mal ein bisschen was zu davon zu erzählen.”

      “Du” also -ich- “habe selbst gesehen wie die Journalisten eins auf dem -nicht metaphorisch gesprochenen- Deckel bekommen haben wenn se ihre Kamera drauf gehalten haben.

      Ich hänge jetzt irgendwie zwischen “hast du ein rad ab?” und “ne! damals hattest du recht”

      Und irgendwann ist man dann irgendwie zwischen die fronten gekommen -“was isn jetzt noch gut? und wer ist jetzt “Braun”-

      Also, -ich selbst an dich selbst- lass es dir eine Lehre sein! Eventuell zu solchen Themen zukünftig die fresse halten, denn irgendwann ist der korrekte Gedanke dann irgendwie doch falsch..

      Auch wenn mit faden Beigeschmack…damals kämpfte doch hamburg für die Asylanten, und die idioten heute sind doch dagegen..

      Bin ich denn jetzt dagegen dagegen dagegen?! Wogegen? Auf jedenfall wie begriffe von ” Mundtot” bis zu “die bösen Medien” (und andere Wörter die ich auf keinen fall erwähnen möchte)

      Aber für Asyl und Kultur…

      Nur schließt sich doch heute “die Medien verschweigen alles” und Pro-Asyl mittlerweile gegenseitig aus…

      Ich bin jetzt schon wieder Selbst verwirrt…deswegen stelle ich mich jetzt selber noch mal klar:

      Junge, du bist Pro Asyl, Frieden und Offenherzigkeit

      Und du bist 100% gegen diese Pfosten, die genau das Gegenteil labern und mit ihrem Abendland Gedöns sich zur Lachnummer der Nation erklärt haben…
      ausser das mit den Bösen Medien…….wobei…lügen tun die ja gar nicht…oder doch? Ich glaube die lassen ehr aus…ist das lügen…—-ne hier wird es mir wieder zu kompliziert…

      Also -Memo an dich selbst- beim nächsten mal Fresse halten…und bei dir zuahsue eventuell einfach mal einer alten Dame über die Straße helfen, oder den, der meint einen Menschen mit Migrationshintergund zu beleidigen, eins auf die fresse Hauen.

      So hat es ja auch Hamburg gemacht…und ich weiß, das ich keine nachrichten gucken muss um zu wissen wie ich nen Nazi ein auf die Nase gebe…

      Dennoch.. Danke DeBug von damals, ich glaube ich war damals zu jenen Zeitpunkt etwas erleichtert.

      PS. ich find immer noch schade das es dich nicht mehr gibt..

      der SoE Johann