Eine experimentelle Spielwiese mit massenhaft Aha-Erlebnissen und euphorischen Jungdesignern

Ab heute bis einschließlich Sonntag, 25.5.2008, findet zum sechsten Mal in Berlin das DMY statt, diesmal unter dem Motto “The sky is not the limit”. Das Herzstück des “International Design Festivals” ist die “Youngsters”-Halle der Arena. Daneben präsentieren sich die “DMY Allstars” an 35 verschiedenen Orten in der Stadt. Die Ausstellungen werden durch ein Symposium im Radialsystem am Samstag, 24.5.2008 ergänzt.

Zur gestrigen Eröffnung staute sich drei Stunden lang trotz zügigem Einlass die visuell aufgeweckte Jugend vor der Halle. Innen verteilen sich die einzelnen Stände und Boxen der Aussteller geräumig unter dem Industriedach. Jungdesigner, Fachhochschulen und Design-Kollektive zeigen viel Naturmaterial, Holz, Filz, Metall, in skandinavischer 60s-Funktionalität, warm, aber hell und frisch.
Dabi sind die Sachen betont wenig hochnäsig, wollen Kommunikation fördern und den Spielgeist anstacheln. Vieles lebt von der frischen Idee, braucht keine teuren Mittel und keine komplizierten Herstellungsverfahren. Die “Youngsters” brillieren nicht durch Rocket Science, sondern gerade dadurch, dass sie simple, nachvollziehbare Lösungen für alltägliche Fragen erfinden.

Schon allein wegen der Holz-Chopper von der Berliner Design-Gruppe “inimalism” lohnt der Besuch. Man cruist zurückgelehnt und der Lenker knirscht wie das Holzdeck eines Segelschoners. Rockig romantisch.


(Designer Wolf Jeschonnek von inimalism auf Chopper)

Rockig skurril dagegen die Koi-Kiss-Band von Yoske Nishiumi für Onitsuka Tiger.

Leider noch nicht serienreif: der Kevlar-Draußenstrumpf “feetback” von Katharina Merl, der die Leinensneakermode konsequent ins Minimalistische zuspitzt – mit Gesundheitszertifikat.

Wenig Digitales oder Mulitmediales ist zu sehen. Aber der Pixelkubus vom Megapixel-Projekt entschädigt alle Pixelschieber mit dem Gefühl, endlich das Display nicht mehr vor sich zu haben, sondern mitten drin im Bildschirm zu stehen. Abenteuer für Nerds. Lass dich vom Rechner assimilieren.

Das gewagteste soziale Experiment kommt von der HFBK Hamburg. Schlürfe Fruchtsuppe aus einer Gemeinschaftsschale und erkenne, dass die Mitschlürfer am tieferen Ende sitzen und viel mehr aus dem Vollen schöpfen können. Das steigert Neid und Ekel. Aber in Berlin, so zeigte sich gestern, förderte es nur das gemütliche WG-Feeling. Große Sache, insgesamt.

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