Die Londoner Frieze Art Fair meint, die Moderne sei da, die Rezession fast ganz weg

Kunstmessen gelten als verpönt. Wenn man nobel ist, sagt man die Kunstwerke haben dort keinen Platz, sie müssen sich in saunakleine Kammer drängen. Kapitalismuskritiker missfällt ihre Reduktion auf das Produkthafte. Und Durchschnittsbesucher, die mitmischen wollen, haben keine Ahnung, wo in dem Tohwabohu denn anfangen mit Hingucken. Was ist denn hier, bitte, wichtig? Tja.

Genau aus all diesen Gründen kann man Kunstmessen aber auch fabelhaft finden. Alles wird auf eine Ebene geschrumpft, bekommt ähnliche Ausgangsbedingungen, selbst wenn eine Galerie wie White Cube oder Contemporary Fine Arts sich die doppelte Standfläche leistet, macht das keinen großen Unterschied. Man kann unglaublich viel sehen, ohne Zweifel. Und überall stehen Sammler, Models, Möchtegernsammler und Möchtegernmodels herum und stellen die real existierenden Bedingungen mit aus, unter denen junge Kunst zu existieren hat. Großartig!

In London ist all das gerade der Fall, denn in den kommenden Tagen wird mit der Frieze in London die hippste Kunstmesse abgehalten. 173 zeitgenössische Galerien sind angereist und stellen aus, darunter Schlachtschiffe wie die Londoner Gagosian Gallery, hintergründig leicht im See schaukelnde Motorboote wie die Berliner Galerie Neu, oder rotzigere Plastiksegelboote wie Stephen Friedman, bei denen das neue Britische Spielkind David Shrigley ausstellt. Der ist natürlich lustig – dafür liebt man Britische Kunst, oder verdammt sie, je nachdem auf welcher Seite man steht – und verkauft Sprüche wie “Ants have sex in your beer”, oder macht einem ein Tattoo.

Wie man nach dem ersten Eröffnungstag sehen konnte, lässt die Rezession nach, die Galeristen haben wieder große Sachen mitgebracht; und wie man hören konnte, war das richtig, es verkauft sich in Ordnung. Eine klare Tendenz ist nicht auszumachen, außer vielleicht eine neue Poetik der Moderne, und das ist ja nicht verkehrt. Wer zum Wochenende hin mal den Easy-Jet in die andere Richtung besteigt, also Berlin-London oder so ähnlich, der sollte folgendes nicht verpassen:

Lucy McKenzie auf dem Stand der Londoner Cabinet Gallery, die Arbeit von Claire Fontaine in der Galerie Neu (gibt es gerade auch in Berlin, hingehen!), die der Moderne gewidmete Show bei Casey Kaplan aus New York, und die wunderschöne Arbeit von Henrik Olesen bei Daniel Buchholz. Ach, und außerdem hat die Frieze ein tolles Programm drum herum, die Diskussionsrunde Who owns images? mit Thomas Demand, ein Gespräch mit Wolfgang Tillmans, oder den Auftritt von Telepathe, die am Freitag als Vorgruppe auf Hercules and Love Affair einstimmen. Dufte.

Wer zu Hause bleiben muss, den fangen wir hier ab – es geht zum Rundgang.

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