Das Tablet als Medium - Welche redaktionellen Konzepte haben Erfolg und wie kann man mit ihnen Geld verdienen?

Vom 19. bis zum 22. Mai findet die internationale Designkonferenz Typo Berlin im Haus der Kulturen der Welt statt. Unter dem Motto „Shift“ konzentriert sich die Veranstaltung in diesem Jahr auf die fortschreitende Digitalisierung der Medien. Christoph Keese, seit 2008 Konzerngeschäftsführer der Public Affairs der Axel Springer AG, zeigte gestern im Haus der Kulturen der Welt eine Präsentation, in welcher er seine Ansichten zur Zukunft des Printjournalismus deutlich machte.

Gleich zu Anfang stellte Christoph Keese klar, daß sich der Axel Springer Verlag seit längerem intensiv mit dem Medium Tablet beschäftigt. Hierfür ist es, laut seiner Aussage, nötig das Erscheinungsbild der Publikationen neu zu erfinden. Seinen kurzweiligen Vortrag startete er mit einer Fotostrecke als “Bilderrätsel” welches sich als Zusammenstellung von Fotos der “New York Times” entpuppte, womit er aufzeigte, daß sich die Qualität der Bildstrecken durch das Aufkommen der Tablets stark gesteigert hat. Es kommt laut Christoph zu einer “Renaissance der Fotographie” innerhalb dieses Medienbereichs und eine kreative Entwicklung, die vergleichbar mit dem Übergang vom Fotosatz zur digitalen Produktion ist. Im Verlauf der Präsentation bot er seinem Publikum verschiedene Adaptionen von führenden Magazinen und Zeitungen dar und zeigte auf mit welch unterschiedlichen Mitteln und Navigationsmodellen sich die Umsetzung bewerkstelligen läßt.
Als Ausblick auf die Entwicklung bis zum Jahr 2020 skizzierte er einige Thesen:

– 93% aller Deutschen haben Breitband-Internetzugang
– Es gibt neben iTunes noch max. drei weitere große Marketplaces
– Jeder Deutsche besitzt mindestens ein mobiles Internet-Device
– Klassische Zeitungen und Zeitschriften haben weiter Bestand
– Gratis Angebote und kostenpflichtige Dienste koexistieren
– Tablets haben sich als als wichtigstes Zugangsgerätetabliert
– Ein personalisiertes Internetangebot ist immer und überall verfügbar
– Die Darbietung von Journalistischen Inhalten wird sich in Zukunft nicht mehr am Gerät orientieren, sondern an die Situation in der sich der Rezipient befindet, flexibel angepasst.

Im Anschluss an diesen eher allgemein gehaltenen Teil seines Vortrages ging Christoph Keese nun das verlagseigene Programm an Magazinen und Zeitungen für das iPad durch und zeigte die verschiedenen Ansätze zur Adaption. Hervorzuheben wäre hierbei die Bild App, für die kein normales Publishing Toll genutzt wird. Der Springer Verlag ließ sich hierfür ein System, welches eigentlich zur Spieleentwicklung gedacht war, exklusiv anpassen.
Als weitere Entwicklung zeigt sich laut Keese auch ein Comeback des Klassikers PDF, welcher zwar keine Interaktivität bietet, jedoch besonders leicht zu nutzen ist und von Springer für seinen eigenen Marketplace genutzt wird. Abschließend ging Christoph Keese noch auf die wirtschaftliche Bedeutung des Tabletmarktes ein und zeigte sowohl dessen rasantes Wachstum, wie auch die Schwächen der Bezahlsysteme auf.

von Sebastian Häusler / Melanie Ickert

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Elektronische Lebensaspekte.

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