Heiko Scherer, Jörn Loviscach, Andreas Bersch, Robin Kinross und Peter Bil'ak.

Weiter geht es mit unserer Berichterstattung zur Typo. Melanie Ickert und Sebastian Häusler waren vor Ort und bringen euch eine Übersicht über die Vorträge von Heiko Scherer, Jörn Loviscach, Andreas Bersch, Robin Kinross und Peter Bil’ak.

Robin Kinross / Design und Redaktion: der anarchistische Weg

Der Typograf, Herausgeber und Autor Robin Kinross eröffnete den Samstagvormittag mit seinem Vortrag “Design und Redaktion: der anarchistische Weg”. Den Einstieg bildete seine Zusammenarbeit mit seinem Freund Norman Potter, von dessen Buch er 1972 so begeistert war, dass sie gemeinsam eine zweite und dritte Version von “What is a designer: education and practice” veröffentlichten. Eine vierte folgte nach Potters Tod. Weitere Publikationen folgten, dessen Originalfassung ihn so faszinierte, dass er sie in englisch herausbrachte – so auch die Bücher “The stroke – theory of writing” von Gerit Noordzij und “Detail in typography” von Jost Hochuli.

Anhand seiner Arbeit und Publikationen zeigte er die Fragen auf, die gestellt und beantwortet werden müssen. Diese reichen vom Format, über die Papierwahl bis hin zum Produktionsverfahren und -ort. Deutlich wurde vor allem hierbei, welchem Wandel sich die Printmedien in den letzten Jahren unterzogen haben – seine letzte Publikation im Buchdruck, der Kauf seines ersten Macintoshs 1990 und die Arbeit in Quark Express. Während er früher Autor, Herausgeber und Designer zugleich war, konzentriert er sich heute lieber auf eine Sache und arbeitet in kleinen Teams.

Peter Bil’ak / Bildschirm und Print: 100 Jahre Nachholbedarf

Während gedruckte Typografie eine reiche Geschichte und lange Entwicklungszeit vorzuweisen hat, können Bildschirmschriften nur wenige Jahre/ Jahrzehnte aufweisen. Diese Problematik und Lösungen zeigte der Grafiker, Schriftengestalter und Chef der Tyotheque Peter Bil’ak in seinem Vortrag auf. Betrachtet man heute die verschiedenen Zeitungen so kann man diese auf anhieb zu ordnen, sei es aufgrund der Schrift, Schriftgröße, Layout etc. Doch besucht man die Website der jeweiligen Zeitung so spricht diese häufig eine ganz andere Sprache. Oder besser gesagt die gleiche wie alle anderen. Die Unterschiede der meisten Verlage sind marginal. Sie weisen fast alle eine horizontale Navigation auf und besitzen eine ähnliche Art der Verlinkung. Eine losgelöster Artikel kann also optisch nicht eindeutig einer bestimmten Zeitung zugeordnet werden. Der Grund: die geringe Auswahl bei den websicheren Schriften. Doch ist diese Problematik nicht neu. 1900 wiesen englische Zeitungen das gleiche Problem auf – ähnliche Formatierung, der gleiche Schrift und Schriftgröße.

Mit @font-face sollte dies im Web endgültig gelöst werden. Die Schrift wird direkt vom Server geladen und im Browser angezeigt. Doch warum benutzt nicht jeder diese Technik? Neben der üblichen Browserkompatibilität und Renderingmethoden, stellt wohl die Schriftlizenzierung den größten Nachteil dar. Denn mit dem Content wurde ebenfalls die Schriftdatei herunter geladen – ein Tabu für alle Type Foundries und Schriftenentwickler. Darauf folgte 2009 mit als erster Web Font Service die Kernest Typotheque. 2011 kann man bereits zwischen den verschiedenen Services wie z.B. Font Deck, Fonts Live, Google Font Directory und Typekit frei wählen.

Doch welche Vorteile bringen uns die Web Font Services? Wir können den Font testen bevor wir ihnen kaufen, er ist immer und überall verfügbar und vor allem jede Schrift kann verwendet werden. Doch ist der wichtigste Vorteil, gleichzeitig die größte Schwäche. Nicht jede Schrift ist für das Web optimiert. Einige sind zu klein, für die Auflösung nicht geeignet und daher schlecht lesbar. Was tun also Web Font Services, insbesondere Typotheque? Das Team um Peter Bil’ak bereitet Schriften für die verschiedenen Sprachversionen auf. Da die Font-Dateien sehr groß werden, wenn alle Sprachen implementiert sind, bietet die Typotheque für jede Sprache (die angeboten wird) ein eigenes Character Set an. Ein wichtiger Schritt stellt hier nach wie vor das Hinting dar, auch wenn dieses nicht von allen Computern und Systemen interpretiert werden kann.

Sein neuestes Projekt basiert auf der automatischen Skalierung von Schriften. Hier wird ein “Basis Alphabet” mittels verschiedener Parameter verändert.

Mehr unter http://www.typotheque.com

Heiko Scherer / Storytelling auf dem Tablet – Journalismus für Designer

Smartphones und Tabletts werden zur immer größeren Konkurrenz von klassischen PC´s. Das iPad verkaufte sich in nur 28 Tagen 1 Millionen mal. Deutschland hinkt dabei jedoch hinterher. Heiko Scherer berichtete in seinem Beitrag über das Storytelling auf dem iPad und widmete sich der Frage, ob das iPad Verlage retten kann? Sein Fazit: Die zwar sehr hohen Download-Zahlen diverser Onlinemagazine sagen nichts über deren User-Gewohnheiten aus. Vor allem eine regelmäßige Nutzung lässt daraus nicht ableiten.

Anschließend führte Scherer in die verschiedenen Bereiche der iPad Nutzung wie Print, Enriched Print und Web Based ein und zählte die jeweiligen Vor- und Nachteile auf. Er zeigte tolle Beispiele des Storytellings am iPad wie z.B eine neue Präsentation tropischer Reisen, die den User die Entscheidung des Urlaubszieles schmackhaft vorstellen soll. Am Ende des Vortrages kam jedoch der Aspekt der ständigen Beta-Version auf, die stets eine kontinuierliche Verbesserung fordert!

Jörn Loviscach / Das Navi fürs Typo-Universum

Wie suche und finde ich Schriften? Dieser Frage ging Jörn Loviscach in seinem Vortrag nach. Täglich wird über google nach Fotos gesucht, die wir nach Farbe, Größe und Dateiformat kategorisieren können und Music Player differenzieren unsere Musik nach Stimmungen, um unsere Suche zu erleichtern.

Wie steht es mit der Fontsuche? Loviscach verfolgte bei der Lösung dieser Frage zwei Strategien: er entwickelte durch einen Satz von Kennzahlen und durch das Bilden automatischer Karten eine Möglichkeit, schneller und gezielter an die gewünschte Schrift zu gelangen. Dabei fließen Aspekte wie z.B. die optische Größe, Gewicht – wie fett/schmal ist ein Font geschnitten – und Krümmung mit ein. Momentan beschäftigt sich Loviscach damit, Buchstaben in ihre Elementarteilchen zu zerlegen, um aus diesen Neues zu schaffen. Mehr Informationen über seine Themen und Herangehensweisen gibt es auf seiner website http://www.j3l7h.de.

Andreas Bersch / Facebook Marketing – Overview and outlook

Fast jeder kennt Facebook. Es gehört neben MySpace und StudiVZ zu den größten Netzwerken. Wir pflegen unsere sozialen Kontakte darüber, werden Fan unserer Lieblingsband und treten Gruppen bei um über die aktuellsten Events benachrichtigt zu werden. Andreas Bersch hinterfragt diese immer größer werdende soziale Plattform. Wie kann und wird Facebook noch eingesetzt und genutzt? Wie wird damit Geld verdient?

Neben Themen wie Facebook als Marketinginstrument und Erweiterungsmethoden der Reichweite durch Pushkanäle, wurde über den Begriff Open Graph gesprochen. Dieses von Facebook entwickelte Protokoll ermöglicht die Verbindung zwischen Mensch und Objekt über Website Grenzen hinaus. Somit analysiert Facebook unser Verhalten und Denken anhand unserer Klicks, unserer Likes, anhand der Orte, an denen wir uns aufhalten, unserer Freunde und erstellt eine Auswertung.

Auch die Zukunft mit und durch Plattformen wie Facebook wurde angeschnitten wie z.B. das Aussterben von Buchhandlungen durch amazon oder das Reisebüro durch tripadvisor. Zum Abschluss wurde die Frage diskutiert: Was mache ich mit meinen Fans? Sie/ wir können nicht nur an tollen Gewinnspielen teilnehmen. Nein, wir agieren sogar als Markenbotschafter oder können Feedback geben. Doch wird nicht auch genau dies wieder genutzt, um uns zu analysieren?

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