Mit knuffigem Linux und Partnerschaftsbuhei zu neuen Monopolen

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Open Handset Alliance: Schnuckeliges Logo!

Nachdem die Gerüchteküche zum “gPhone” bereits seit gefühlten zehn Jahren brodelte, hat Google heute offiziell seinen großen Mobilfunkwurf angekündigt: Und dabei keine echte Überraschung mehr in petto. Es gibt, wie zuletzt erwartet, keine Google-Hardware, aber dafür, wie zuletzt erwartet, ein auf Linux basierendes Handy-Betriebssystem, das “Android” gerufen wird, und von der eigens gegründeten Industriegruppe “Open Handset Alliance” entwickelt.

Einzig Zahl und Auswahl der Google-Partner in der Open Handset Alliance sind echte Nachrichten: Handy-Produzenten (LG, Motorola, Samsung, etc) aber nicht Nokia, Mobilnetzbetreiber (T-Mobile, Telefonica, Telecom Italia, China Mobile, Sprint Nextel) aber nicht AT&T und Verizon, außerdem Chipköche (Intel, Texas Instruments, Qualcomm, Broadcom) und eBay. Mehr als 30 Mitstreiter hat Google versammelt, und die offiziellen Ziele der Gruppe klingen vernünftig und gar nicht fies: Offene Standards sollen endlich auch in den Handy-Netzen Einzug halten und damit die Kleinstaaterei der Provider beenden, was wiederum zu einem Boom führen soll, von dem dann alle profitieren, auch die Provider.

Wenn es aber um offene Standards zum Nutzen aller gehen soll: Warum begeben sich Google & Co. dann Konkurrenz zu Projekten wie OpenMoko, die einen fast identischen Ansatz verfolgen, aber schon die meisten Schritte zum fertigen Produkt absolviert haben?

Natürlich geht es um Kontrolle, Macht und Einfluss, und davon kriegt Google als Chefrocker seiner eigenen Gang bestimmt reichlich. Denn am Ende der Leitung geht es für Google darum, seine beherrschende Stellung in Sachen Indizierung, Suche und Werbung aus dem klassischen Internet auf das mobile Netz auszuweiten.

Der eigentliche Google-Mobil-Knaller besteht unterdessen darin, dass Googles Expansionspläne auf keinerlei Widerstand treffen. Zwar werden allseits die Parallelen zu Microsofts Dominanz-Strategien bemerkt (Software verschenken um Konkurrenz loszuwerden, und neue, dominante Standards zu etablieren), aber Microsoft hat sich vergleichsweise überhaupt nicht darum geschert, mit welchen Inhalten seine Kunden hantieren. Im Gegensatz dazu kontrolliert Google zuerst und vor allem den Zugang zu Inhalten, was eigentlich noch wesentlich heikler sein sollte, als die Betriebssystemfrage. Dieser Konzern sollte also nicht auch noch Einfluss auf Software und Infrastruktur bekommen.

3 Responses

  1. EA PLAY » Blogschau #20: Art. 3 Abs. 1

    […] wird von Hardwareseite her gar kein gPhone, läuft aber dafür als Android mit Linux-Schuhwerk. Die eigentliche Nachricht ist die Gründung der Open Handset Alliance – der es vordergründig mit Schwergewichtsbedeutung […]