Bertelsmann kündigt Printvariante der Online-Enzyklopädie an

Nachdem der Brockhaus seine Pläne, nur noch online zu publizieren, ein wenig revidiert hat, beschließt der Riese Bertelsmann, Wikipedia als Jahrbuch im Herbst mit 50.000 Artikeln zu veröffentlichen. Da die Redaktion, bestehend aus den emsigen partizipativen Netzwissern, quasi umsonst arbeitet, soll das Lexikon auch zu einem recht günstigen Preis von unter 20 Euro in die Buchläden kommen. Da Wikipedia jedoch weit über 700.000 Artikel fasst sind die 50.000 also nur ein Bruchteil dessen. Wer braucht das also? Wie sieht es mit Urheberrechten aus, wenn ein Verlag mit Beiträgen anderer, den Reibach zu machen versucht?

Dass ein jemand online sein Wissen zur Verfügung stellt ist ja bekanntlich eine Sache, dass dies dann aber in die klassischen Verwertungsketten einfließt spricht dann ein bisschen gegen “Wisdom of the crowds“ und andere netzpolitische Ansätze, die mit Wikipedia kommuniziert werden sollten, und der eine Euro, der pro verkaufter Ausgabe an Wikimedia gehen soll, scheint eher symbolisch zu sein.

5 Responses

  1. Tim 'avatar' Bartel

    Es ist zu begrüßen, dass Verlage Freie Inhalte nutzen. Die Idee Freier Lizenzen beruht auf dem Gedanken der Nachnutzung. Für die Wikipedia, die das Ziel hat, das Wissen der Menschheit einem möglichst großen Personenkreis/Zielpublikum zugänglich zu machen, ist die (kleine) Print-Version eine gute Ergänzung.

  2. Name

    Den letzten Absatz verstehe ich nicht so ganz. Was spricht wogegen? Was wollte wer mit Wikipedia kommunizieren? Und was ist an einem Euro symbolisch?

  3. ji-hun

    Ich sehe ein zu kaufendes Buch erstmal als ein kommerzielles Produkt. Bertelsmann werden die letzten sein, die die Idee von freien Lizenzen ausnahmslos unterschreiben würden. Es werden hier Inhalte benutzt, die eigtl. für ein “nichtkommerzielles“ Projekt geschaffen wurden. Werden die Verfasser gefragt? Wenn ja, dann revidier ich das. Ich gehe eher davon aus, dass dies nicht der Fall ist. Freier Inhalt impliziert für mich auch freien Zugriff. Wenn die Printversion umsonst wäre, wäre das auch eine andere Sachlage, dass dies nicht möglich ist, ist ein anderes Thema. Ich persönlich hätte Einwände dagegen, wenn ich sähe, dass ein Beitrag von mir kommerziell genutzt würde.

  4. kommentator

    @ ji-hun:
    Wenn ein Autor einen Artikel bei Wikipedia einstellt, dann stellt er diesen unter eine freie Lizenz. Diese freie Lizenz beinhaltet Möglichkeit diese Inhalte kommerziell zu nutzen. Eine Weiternutzung, bei der weiteres freies Wissen entsteht, ist vom Grundgedanken des Projektes also gewünscht, egal ob kommerziell oder nichtkommerziell. Im Übrigen müssen die Autoren in der Printausgabe mit ihrem selbst gewählten Benutzernamen genannt werden.

    Ich persönlich sehe keine Einwände gegen einen solchen Druck: Die Inhalte werden umsonst gesichtet und fließen wieder in die Wikipedia ein. Wissen wird zu einem erschwinglichen Preis für Personen ohne Internet verbreitet. Der Verein profitiert finanziell am ganzen Projekt. Durch diese Mittel kann der nur durch Spenden finanzierte Verein weiterhin den leider recht teuren Betrieb sicherstellen und nebenbei Projekte zur kostenlosen/günstigen Verbreitung und Erstellung von freiem Wissen, z.B. in Afrika, fördern.