Die Berliner Boutique unseres Vertrauens setzt das I-Tüpfelchen auf die Torstraße

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Berlins Modeboutique mit dem Grinse-E als Logo, Extrafein, für die Durchmachen und Updressen kein Widerspruch ist, setzt das endgültige Signal zum Standort-Shift. Von der Touri-Meile Kastanienallee ziehen sie in die Torstraße, das missachtete Herz von Mitte.

Zwischen dem Laden für delikate Après-Sneaker Shusta an der Ecke Tor-/Rosenthalerstraße und der Spielwiese für die Adidas-Spezialpalette No74 schließen sie das östliche Stück der Straße für den Modeflaneur, während das westliche mit Bandol, Tartane und Themroc längst von den Gaumenpilgern abgetrampelt wird.

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Extrafein zieht nicht in irgendeinen Laden, sondern in eine ehemalige Fleischerei, die als Anarcho-Druckerei zwischengenutzt wurde. Sie haben die Innenräume so rau belassen, als würde Leatherface gleich in die Umkleidekabine einfallen. Die Klamotten hängen an Fleischerhaken, Ratten und Fick-Zentauren grüßen als Graffiti von der Kachelwand, die Bodenmitte senkt sich zum Abfluss – fürs Blut. Damit machen sie dem Apartment den Rang um das originellste Shop-Konzept Berlins streitig.

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Zur Feier des Umzugs haben sie natürlich eine neue Logo-Tasche entworfen. Die alten Motive mit dem Extrafein-E, ursprünglich von De:Bug-Layouter Alexander Seeberg-Elverfeld entworfen, sieht man längst überall dort, wo es auch Fake-Louis-Vuitton-Taschen gibt. Das neue zitiert einige der Graffitis aus der ehemaligen Fleischerei. Damit setzt man nicht nur für Extrafein, sondern auch für den alten Geist Berlins ein Statement.

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6 Responses

  1. Stephanie

    Es ist schon ein skurriler Ort für einen Laden aber auch mal etwas anders als die polierten, kühlen Shops. Ist orginell und kreativ und damit Berlin.

  2. Patricia

    Das ist schon ein schräges Ambiente. So ähnlich stelle ich mir auch SM-Studios vor … nicht, dass ich schon mal in einem drin gewesen wäre.

  3. herzlos

    ja es ist ist originell und kreativ und damit berlin.
    eine schöne dichotomie!
    weil umgenutzt und gestaltet würde der raum von einer DIY nonprofit druckerei die vom vermieter rausgeschmissen wurden um platz für was profitables zu machen.
    was für ein segen für den neuen hiport den authentischen dreck für lau zu bekommen.

  4. Jean K.

    “Durchmachen und Updressen” war doch nie ein Widerspruch – in diesem Kontext riecht diese Parole aber verdächtig nach dem neoliberalen Motto “feste Arbeiten, feste Feiern” – und dazu eine Extraportion symbolisches Kapital, u.a. übernommen von der Nonprofit-Druckerei – Elite kann so schön sein. Bezeichnend auch das Motto eines der gefeaturten Labels: “products to smooth the transition from office to home” (12.72, s. Extrafein Homepage).