Sam Frenzel neu dabei, C.Neeon wieder da. Und Veruschka. Alle im Video!

Sam Frenzel A/W 2010 from Mary Scherpe on Vimeo.

Ein zartes Pflänzchen wie die Berlin Fashion Week (mit Satellitenveranstaltungen wie dem .HBC Couture: Designer Scout, der MichalskyStyleNite und vielen anderen Präsentationen in Off-Locations) muss man vorsichtig gießen. Eigentlich dürfte sie im Winter gar nicht stattfinden. Denn sie macht dann nicht nur weniger Spaß, man schwänzt faktisch auch einfach mehr. Wo im letzten Halbjahr noch eine ziemlich breite Euphorie um den Bebelplatz herum herrschte, sich mit der Bread&Butter die größten Modemesse der Welt wieder fest am Berliner Tempelhof Flughafen installierte und es auch überraschende Shows zu sehen gab, wurde es dieses Jahr wieder etwas lichter und auch etwas langweiliger. Man muss eben aus dem modischen Ausland immer noch lange nicht Berlin auf dem Schirm haben.

So kam außer Christiane Arp von der deutschen Vogue kaum eine Suzy Menkes vorbei, und das nahm natürlich, den messerscharfen Eiswind dazuaddiert, ein bisschen von der gesamtpaketmäßigen Aufgeregtheit. Aber das kann ja zum Sommer wieder anders werden. Und es war jetzt auch nicht total blöd oder so. Neben Hausach Couture, Patrick Mohr und Starstyling (Video kommt morgen) war die konzeptuell-exaltierteste, most crazyeste, aber auch qualitativ hochwertigste Kollektion von Sam Frenzel. Der 29jährige Halb-Türke und Halb-Ossi war der Basso&Brooke und Bernhard Wilhelms der Vorjahre. Aufgewachsen in Kreuzberg zeichnet ihn seine modische Anti-Berlinerhaftigkeit aus.

Denn seine skulpturalen, femininen Kollektionen sind zu schick, konzeptuell durchdacht und luxuriös. Statt 3 Tage wach in der Bar 25 und später Second-Hand-Lumpen asymetrisch zusammenzuschneidern, achtet Frenzel darauf, seinen eleganten Kreationen theorieschwere Modesoziologie einzunähen und sinniert bereits souverän-sympathisch mit einer beachtlichen Lagerfeld-haftigkeit. Frenzel war vor ein paar Monaten noch Student an der FHTW Berlin, er gewann im letzten Winter den Nachwuchsaward von Peek & Cloppenburg und debütierte dieses Mal im Zelt am Bebelplatz. Früher, so sagt er kurz vor der Fashion Week, ging er in Paris gerne mit Bernhard Wilhelm ins Fitnesscenter.

Von Frenzel wird man noch viel hören, weil er der gerne etwas behäbigen Berliner Mode ein wenig überhitzte Internationalität und Exzentrik beifügt. Er zeigte große Gaga-Schmuckteile, Egg-Shape-Kleider, megagrobmaschige Hosen aus Strick, nach allen Himmelsrichtungen fallende, durchsichtige, bodenlange Seidenkleider und eine mit Referenzen aus den 60ern gespickte retrofuturistische Utopia-Kollektion mit Ethno-Anleihen, die uns gut ins aktuelle Heft gepasst hätte.

Die Berliner DesignerInnen von C.Neeon zeigten frühmorgens im WMF Club eine Kollektion, die mit stark fransigen Mokassins Ambivalenzen erzeugte, aber in der Farbigkeit sowie den Schnitten ein das Label von jeher auszeichnende Zusammensspiel aus Street und Eleganz, nach Halbjahren eher flautenhaftigen Wiederholens, wieder einmal eindrücklich bespielte. Die Models waren auch ganz toll ausgewählt!

c.neeon featuring Mykita from Mary Scherpe on Vimeo.

8 Responses

  1. mahret

    ALSO. Ich finde das, was ich auf den Bildern überall sehe ja nicht so toll. ABER diese Schwärmereien überall verleiten mich zu der Annahme, dass ich vielleicht etwas verpasst habe. Oft – nicht immer – ist es ja so, dass das Abbild, nur ein Abklatsch der Realität ist… (In Marys Video schaut es schon sehr viel besser aus…).

  2. timo

    Liebe Mahret,

    was ich nicht verstehe ist das von dir oft verwendete wort “überall”. mit dem Abbild und dem Abklatsch hast du allerdings so recht. da kenn ich persönlich mich gar nicht mehr aus … aber schwärmereien, ich glaube nein. Timo