Buben aus der Bronx, De Babalon

The Black Ivy from Street Etiquette on Vimeo.

Ganz ehrlich, während ich Guy de Maupassants eleganten Journalisten-Thriller Bel Ami lese, weiß ich nicht wirklich gut, was sonst so um mich her passiert. Aber natürlich habe ich doch eine Ahnung. Zwei Formate sind für den neue Preppyismus kennzeichnender als alles andere. Neben dem beispiellos beliebten Haw-lin, an dem sich die hübschen urbanen Preppyisten die Nasen ihrer verspiegelten MacBooks plattdrücken, ist es das Brookly-based Blog mit dem grandiosesten Namen Streetetiquette. Dieser Name bringt so absolut auf den Punkt, worum es dieses Jahr, ach, Gott, ja, schon etwas länger ging. Es ist nicht das Abbilden alter modischer Ideale und Formalien, wie uns das schon vor längerer Zeit, etwa hier aufgefallen ist. Das Phänomen, mit dem wir es in diesem Jahr zu tun hatten, ist weniger durch kleinkarierten Neotraditionalismus bestimmt, als durch eine Auffrischung des Preppytums im urbanen Land, nicht auf dem Landhaus. Dass es sich dabei kaum um teures und traditionelles Einkaufen bei Ralph Lauren dreht, das erzählen die Etikettenschwindler auch in der aktuellen Ausgabe von Fantastic Man, schön sei, zum Beispiel, sich seine feine Kleidung bei ebay zu kaufen und dann sharp umschneidern zu lassen.

Neben der formvollendeten Selbstverständlichkeit, mit der die beiden 21-jährigen Buben aus der Bronx sich auf ihrem Blog als Infiltrationsfläche für Marken anbieten, fällt auf, dass ihre Form der Preppyness verspieler ist und wenig von standesgemäßem Dünkel hat. Stilgrößen sind für sie Bill Cosby Show und Fresh Prince of Bel Air.

Haw-Lin besticht vor allem durch die Formel: nackte Frauen und gut angezogene Männer. Die Bilder sind gerahmt durch den beispiellosen Blick konservativer Geschlechterauffassungen, auch das irgendwie voll Preppy, aber unnachahmlich schön bleibt es ja trotzdem. Streetetiquette bricht Preppy statt dessen an einer irgendwie-en Black-and-Proudhaftigkeit, man fährt weich ab, wie diese coolen Fahrräder, die sie fahren und dann dann noch über die Sebago Boots die Kohle einfahren. Aber die Jungs sehen wirklich einfach perfekt aus. Die Boots auch. Aktuell erscheint außerdem das hier:

Problematisch ist: Ich denke mir die jungen Prepper überhaupt immer mit dem Buch „Müdigkeitsgesellschaft“ des südkoreanischen Philosophen Byung-Chul Han in der Hand. Aber langsam beschleicht mich der Gedanke, das dies nicht den Tatsachen entsprechen könnte.

Preppy sollte uns eine bestimmte Form der Haltung geben, sie erst ausdrücken. Diese changiert zwischen weich und schnittig. Der Hemdkragen ist gebügelt, die Umgangsformen höflich, die Ironie sanft, die politische Ausrichtung liberal. Dunkle, an Schuluniformen und Marinejacken orientierte Blazer, Chino-Hosen, Button-Down-Hemden, gestreifte Krawatten, gestreifte Gürtel, gestreifte Hosenträger, möglichst teure Schuhe, gerne aus Wildleder, gerne ohne Schnürsenkel, eine akkurate Frisur. Es wird nun um den Tod gehen.

de-bug.de/mode hat einige weitsichtige Autoren gebeten, ihre Antwort auf Preppy einzuschleusen, in den nächsten Tagen wird hier viel passieren. Viel Tolles. So viel, das wir danach vielleicht niemals mehr über Preppy sprechen werden.

Ich selbst glaube ja, soviel vorweg, die Antworten, die wir suchen, sind schon lange bei Christoph de Babylon zu finden. Auf diesem wegweisenden Cover hat der Gabba-Star bereits alle modischen Weggabelungen eingezeichnet:

Sucht doch ein bisschen und hört seine Klänge. Es wird eine schöne Woche werden. Und ruhig öfter mal wieder einen guten alten Vorsatz neu denken, denn in ihm steckt viel Wahrheit: “If you’re into it, I’m out of it”, von Christoph de Babalon. Es geht ja auch, genau, um Haltung. Das findet auf jeden Fall auch Marc da unten.

5 Responses

  1. Horst Meier

    übrigens, in stockholm kann man aktuell nichts anderes in den geschäften finden,
    der preppy frisst seine kinder – und ich habe nichts neues zum anziehen!

  2. palu

    son schmu… vibskov und det andere skandi-pack sind ma ziemlich ungleich prep

  3. jochen.herberger

    christoph de babalon ist kein gabba star und erst recht kein prepp.

  4. ruediger

    die neue berliner preppszene ist sowas von lächerlich. die sehen alle so albern aus! die uniform für trottel ääh “hispter”.