"Nach Preppy kommt nur noch der Tod."


Fumio Watanabe via dne

„Ich träume in letzter Zeit gern vom menschenleeren Amerika.“ Dieser Satz von Eckhart Nickel steht am Ende dieser einmonatigen Korrespondenz über Preppyismus. Die Entdeckung des Journalisten Eckhart Nickel vor vielen Jahren war für mich persönlich überhaupt ein Grund, der Mode mehr und mehr Sekunden meiner Aufmerksamkeit zu schenken. Seine Stil-Analysen in der SZ pieckten immer mit genau der richtigen Mischung aus weltmännischem Esprit und verkopftem Nerdism in das Herz des Unbeständigen. Umso mehr freut es mich, mit Alex Hunter aka Alec Sander, selbst eine Art zeitgemäße(r) Edie Sedgewick des Facebook und der Regisseur des guten Geschmacks beim Blog DNE, den perfekten Traumpartner gefunden zu haben für 25 Tage und Nächte bester Unterhaltung.

So much confusion
When autumn comes around
What to do about October
How to smile behind a frown?

“My October Symphony”
Pet Shop Boys

October 1 at 2:04pm
Timo Feldhaus: Ich habe mir gestern Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein in dem kleinen, am Lago Maggiore gelegenen Städtchen Luino ein paar blaue Mokassin-Slipper gekauft. Sie sind mit einen raffinierten Lüftungssystem versehen, und ich bin recht froh. Wie ist die Lage bei euch? Wo halten ihr euch derzeit auf? Was trägt man und ihr im Besonderen an diesem Ort?

October 2 at 9:39pm
Alex Hunter: Ich melde mich aus New York. Da es in den letzten Tagen sehr viel geregnet hat, habe ich mich dazu entschlossen meinen Körper in einen offiziellen NBC Vinyl-Poncho einzuwickeln. Mit großer Sicherheit einer der ganz wenigen eleganten Momente im Regen. Die Stadt selbst trägt mehr oder weniger das gleiche Outfit wie vor einem Jahr. Das kann gut aussehen, hat aber mit Preppy überhaupt nichts zu tun. Auf den Straßen sind sehr viele Gummistiefel in ganz dünnen Beinen am quietschen.

October 3 at 1:58am
Eckhart Nickel: Eure Nachrichten erreichen mich in Paris zur Modewoche, wo seit jeher alles geht. Da ich in diesen Tagen gerne arbeite, habe ich mir, wie stets zu regelmässigen Arbeiten, eine Art Uniform angelegt: Einfarbige Hemden in Weiß, Hellblau und Dunkelblau mit kurzem, aber nicht zu kurzem Kragen, dazu jeweils ein V-Neck Sweater in Grau, Schwarz oder Blau aus neuseeländischer Merino Wolle und dazu etwas zu lange dunkle Jeans, die ich ironischerweise leicht umschlage, warum genau weiß ich nicht. Dazu ein kurzer Herringbone-Einreiher in Navy mit nur im Scheinwerferlicht sichtbaren eingenähten Streifen, wie sie nur Helmut Lang circa 2004 ersinnen konnte. Die Umschläge, jetzt fällt es mir ein, dienen natürlich als perfekter Regenschutz für die schwarzen Oxfords, weil ich immer noch nicht weiß, wie man den Vernarbungseffekt von Lederschuhen im Regen vermeiden kann wie gestern beim Warten aufs Nachttaxi auf der Rue de la Paix. Obwohl ich die Schuhe nach jeder vorbeipreschenden Modelimousine von den Pfützspritzern befreite, indem ich sie an meinen hinteren Hosenbeinen trocken rieb, also eine Art Flamingo-Pose einnehmend, was die anderen Wartenden voller Erstaunen und Verachtung protokollierten, trugen sie heute morgen im fahlen Frühlicht eines mehr als pompösen Metroeingangs hier im chic abgeranzten 9ten Arrondissement, wo ich gerade bei einem guten Freund wohne, die bösen Tropfpusteln. Das lustigste Kleidungsstück des Tages waren für mich ein paar weiße Turnschuhe mit Hermes-Flügeln, die allen Ernstes ein Mann spazierenführte. Ach Gott, Paris.

October 3 at 11:50am
Feldhaus:Lieber Eckhart, das müssen die Jeremy-Scott-Sneaker sein, die der Designer für das Label Adidas regelmäßig mit Flügeln versieht. Der Ikarus unter den Turnschuhen. Daran angeschlossen vielleicht die aktuellste aller Fragen an euch beide: Welche Winterschuhe sind in Planung?

October 4 at 1:07am
Nickel:Ich weiß nicht, wie das geht, Winterschuhe kaufen? Deswegen kaufe ich immer nur Clarks Desert Boots. Mein letztes Paar erstand ich bei Neiman Marcus am Union Square in San Francisco, als seltene Abweichung von der Farbe Sand in Khaki, also einem Beige foncé. Die passen ganz gut zu schwarzblauen Hosen.

October 4 at 9:25pm
Hunter:Ich kann mich da nur anschließen. Wenn es so kalt ist, dass ich Schuhe mit Socken tragen muss, dann Clarks. Ich kaufe mir nie Winterschuhe, höchstens Skischuhe. Wenn ich es mir recht überlege, dann bin ich auch kein großer Freund des Winters. Hier trägt man ja gerne Red Wing Boots. Ab Größe 43 würde ich diese geballte Ladung der Fußbekleidung aber nicht mehr als Schuh bezeichnen.


October 5 at 9:33pm
Feldhaus:Bei kleinen Wanderungen durch Oberitalien, hier in den Bergen Piemonts ist mir aufgefallen: Ganz im Gegenteil zu den älteren italienischen Herren bei The Sartorialist, deren Stil sich bekanntlich durch eine Folie aus halbqueerer Rassigkeit, britischer Schrulligkeit und amerikanischer Prepp-Hochschule auszeichnet, tragen die wunderbar gestylten italienischen Herren hier Hemdkrägen mit herrlichen Verschleißerscheinungen. Sie rupfen zumeist Gräser am Straßenrand und entstammen eingesessenen Bauernhöfen, die ihnen seit den 50er Jahren von Deutschen abgekauft werden. Die Frage an euch beide wäre nun: Wie bildet sich eigentlich der eigene Geschmack heraus? Oder anders: Wie kam es zu eurem Hang zu ordentlichen, gebügelten Hemden, weißen Hosen und schweren Hornbrillen? Noch anders: Wird man ins Preppywesen hineingeboren?

October 6 at 8:33am
Hunter:Meine Brillen wiegen oft nicht sehr viel. Ich habe empfindliche Haut und möchte nicht, dass mein Nasenrücken eine tiefe Furche bekommt. Diese fettigen Abdrücke haben mich schon als Kind geschreckt. Also habe ich mich sehr früh gegen zu schwere Hornbrillen entschieden, bis heute bin ich dabei geblieben. Falls ich irgendwann einmal meinen Wohnort an eine windige Küstengegend verlegen sollte, würde ich diese Entscheidung aber durchaus überdenken.
Ob man ins Preppywesen hineingeboren wird? Ich weiß noch nicht mal genau, was Preppywesen überhaupt bedeuten soll. Jedenfalls sah ich mit 20 schon aus wie 40.

October 6 at 10:43pm
Nickel:Was die Brille anbelangt – wie fast alle Details meiner Garderobe habe ich sie mir gnadenlos bei meinem Vater bzw. Photographien von ihm zur Zeit meiner Geburt und kurz danach, also in den Sixties bzw. Seventies abgeschaut. Mein Vater trug, so lange ich zurückdenken kann, eine leichte eckige Hornbrille und dazu blaue Hemden, die an sehr dünnen Bügeln sauber aufgereiht in seinem Kleiderschrank hingen. Auch seine Lieblingsfarben beim Anziehen habe ich geerbt: Beige, Grün, Blau, Braun und Schwarz. Mein Vater war darüber hinaus sehr wagemutig, er trug Lackschuhe in den Alpen beim Wandern und einen Schirm gegen Regen.

Wenn ich mir Fotos von vor zwanzig Jahren ansehe, fällt mir auf, dass ich wie Alex auch schon immer das gleich trage: weiße Hose, blaues Hemd, sandfarbene Clarks. Ich finde ja, dass einem das Uniformprinzip das Denken erleichtert. Wie Einstein, von dem es heißt, er hätte dreißig mal den selben Anzug im Schrank hängen, damit er keine Zeit darauf verschwenden muss, sich einen auszusuchen. Die äußere Erscheinung des Menschen sollte immer eine gewisse Leichtigkeit atmen, das Leben ist schwer genug.

October 7 at 12:51pm
Feldhaus:Noch vor Beginn unseres Briefwechsels hattet ihr mir erklärt, dass, würde man ernsthaft darüber nachdenken, nach Preppy nur noch der Tod folgen kann. Würdet ihr das bitte erklären?
Außerdem würde mich interessieren: Ihr seid ja, wenn ich das richtig verstehe, beide für das Blogformat defining new elegance aktiv. Könntet ihr vielleicht eine zeitgemäße Definition von Eleganz vornehmen?

October 15 at 7:35am
Nickel:Lieber Timo Feldhaus, Alex: Ich bitte um Entschuldigung für die etwas gedehnte Pause, aber ich hatte eine Buchmesse, einen Transkontinentalflug und eine Flasche Irony 2007 Napa Valley Cabernet Sauvignon zu überleben. Abgesehen vom Cavalry and Guards Club kann man vielleicht folgendes zu True Prep feststellen: Wie Stil wendet sich ja auch das Prinzip Preppy von der Mode ab, und sucht sein Glück im Fahrwasser verbrieft angenehmer Parameter des Dauernden. Genau in dieses Schaufelrad greift auch, wenn man beim Bild bleiben mag, die Definition von Eleganz ein. Eleganz per se, und hier ist ein klassisch philosophischer Widerspruch versteckt, entzieht sich der und verbietet sich die Definition, und ist das Ergebnis einer Hypersensibilität in Sachen Geschmacks-, Geruchs- und Tastsinn (Haptik), die aber im selben Moment dazu in der Lage ist, vollends von sich abzusehen und so eine Art von unter-, wenn nicht gar unbewusster Mühelosigkeit entstehen zu lassen, deren Ergebnis sich dann gemeinhin sehen lassen kann. Puh. Darum, wenn ich Alex richtig verstehe, hat er seiner Ansammlung des Schönen auch den verräterisch absurden Titel “defining” gegeben, weil das Manifest und Absage an das Manifestieren zugleich ist. Alex, bitte korrigiere mich.

October 18 at 12:11pm
Hunter:Interessanterweise habe ich die letzten Wochen damit verbracht einen Vortrag zum Thema Unterbewusstsein zu verfassen. Wenn, wie Eckhart beschrieben hat, Eleganz nur ein multisensorisches Substrat vom Unbewussten ist, dann kann sich auch “defining new elegance”, als beabsichtigt scheiternder Gegenentwurf, diesem neurowissenschaftlichen Rezeptionsspiel nicht entziehen.

Der Namensgeber von DNE ist übrigens der amerikanische Designer und Oldtimer-Sammler Ralph Lauren, das kann ich hier einmal preisgeben. Ich fand den Slogan in einer dunkelgrünen Chino auf der viele kleine Jagdhunde eingestickt waren. Diese Hose habe ich nur einmal getragen, zu Silvester in Berlin. Ralph’s Frau heißt übrigens Ricky Low-Beer, was mich immer an Root Beer und den ehemaligen deutschen Talkshow Moderator erinnert. Toll!

October 20 at 9:14am
Feldhaus:Wie gefällt euch eigentlich das von jungen urbanen Preppys stark frequentierte Bildblog Haw-Lin, dessen Archiv auch zur Visualisierung dieses Schriftwechsels zum Teil geplündert wurde?

October 21 at 8:43pm
Hunter:Haw-Lin gefällt mir grundsätzlich natürlich sehr gut. Dennoch versuche ich dort nicht zu oft vorbeizuschauen. Ich weiß nicht wirklich, wer hinter diesem Konzept steht, mir gefällt diese Anordnung aber weitaus besser als jegliche tumblr-Versuche.

October 23 at 6:50am
Nickel:Ich finde den charmantesten Begriff in diesem Zusammenhang den von Alex beschriebenen “beabsichtigt scheiternden Gegenentwurf”. Man darf ja nicht vergessen, dass “Eleganz” ein Begriff ist, mit dem mindestens so viel Schindluder getrieben wird wie mit dem gerne parallel genannten “Dandy”, dessen Abschaffung ich einmal ein “Tagebuch der Entsagung” auf Christian Krachts Webseite widmete.
Eleganz ist dermassen inflationär, dass man natürlich die bewussten Brüche auf Haw-Lin erfreut begrüsst, wenngleich mir das manchmal als Strukturrätsel aufgrund mangelnder oder extrem vertrackter, nicht mehr erkennbar theoriefundierter Stringenz etwas zu weit aus dem ästhetischen Ruder läuft. Obwohl: David Lynch, Burlington Socks, Wes Anderson, T.Rex, Land Rover, Jean Luc Godard, Clarks, Jane Birkin, Barbour, Michael Douglas, D.A.F, Brideshead Revisited, Ralph Lauren, A Room with a View, Elizabeth Peyton, Bauhaus, The Great Gatsby etc. – gut.

Wir sollten vielleicht noch einmal auf den Begriff der Definition an sich zu sprechen kommen, der mir hier im Zentrum zu stehen scheint. Dabei ist die rein wörtliche Ähnlichkeit von DNE zu DNA sehr vielbezüglich. Ich glaube, Eleganz entzieht sich zwar einer endgültigen Definition, aber nicht ganz der phänomenologisch vorantastenden Beschreibbarkeit. Sie, die Eleganz, zieht sich wie die DNA durch den Körper eines Lebens, in manchmal überraschenden und verschrobenen Windungen, die aber im Rückblick ein schlüssiges stilgenetisches Programm ergeben. Insofern sind Reihungs-Seiten wie Haw-Lin oder ein Projekt wie DNE zur Erkundung des ästhetischen Hallraums so nützlich.

Die Jagdhund-Chino klingt ja toll. Ich habe letztes Jahr zu Weihnachten von einem befreundeten Antiquitätenhändler ein paar Socken von Ralph Lauren geschenkt bekommen, auf denen auch Jagdhunde abgebildet sind. Bis heute führten sie in meiner Strumpfschublade ein eher trauriges Dasein bei den Sportsocken, aber vielleicht trage ich sie ja morgen zur Feier des Tages zum ersten Mal, was meinst Du, Alex?

October 23 at 5:39pm
Feldhaus:Ich würde ich mich zuletzt sehr über einen einen kleinen Kommentar von euch zu diesem schönen Video freuen:

Besonders die Formulierung von Lisa Bernbach finde ich sehr gelungen: “Everyone could be a Preppy.” Wenn Chip Kidd sagt: “True Prep is what it means to be preppy now, and that its a whole new old world.” Was meint er damit wohl?

October 23 at 6:50pm
Hunter:Mir schwirren auch noch ein paar Fragen im Kopf herum:

Ist eine Definition nur dann gültig, wenn sie auch bei einem Pimm’s Rangoon im Hochland von Sri Lanka noch messbar ist? Schmeckt das Getränk nur hier so gut?

Wann darf man eine Schiffsreise machen? Ist die Zeit vorbei? Kommt sie wieder?

Wenn sich Eleganz zu Desoxyribonukleinsäure verhält wie Loki zu Helmut Schmidt, was sind dann Viren?

October 23 at 6:53pm
Eckhart, bitte zieh diese Strümpfe endlich an. Hauptsache du bist dabei nicht in Berlin. Dort könnte das schnell missverstanden werden.

October 23 at 7:00pm
Ich bin mir übrigens sehr sicher, dass ich in den nächsten zwei Jahren einen Kleidungsstil gefunden habe, den ich nie wieder wechseln werde. Es wird nicht herausragend aussehen, genau das will ich auch nicht. Ich werde verschwinden mit meinem Gewand, niemand wird mich wahrnehmen. Unsere Filter im Hirn schmeißen meine Projektion gleich weiter in die Ablage. Es passt, es stört nicht, es ist ruhig. Vielleicht wünsche ich mir dabei insgeheim eine innere Ruhe.

October 23 at 7:10pm
Noch was: Ich denke bei Eleganz nie an Frauen.

October 23 at 7:11pm
Nickel:Lieber Timo, danke für das wirklich erfreuliche Video, vor allem die leicht hüpfende Musik am Anfang, die auch einen der DNE-Einträge in Erinnerung ruft, den zu Stings “An Englishman in New York”. An dieser Stelle, nur um das einmal zu klären: ich gehöre ja nicht zu DNE, sondern bin nur wohlwollend teilnehmender Beobachter, wie das zur Zeit so schön heisst. Allein wegen Quentin Crisp und Stings absolut unfassbar kranker Spaghetti-Frisur finde ich den Hinweis auf das charmant veraltete Stück gerechtfertigt, auch wenn ich eher “A Picture of Dorian Gray” von den Television Personalities auf dem wirklich fantastischen Album “And don’t the kids just love it” als den vielleicht besten und mir liebsten Song aller Zeiten bezeichnen würde.

Zur Frage: Eine ganze neue alte Welt – was der Mann mit dem rosa gestreiften Hemd, der so schön die Augenbrauen hochziehen kann, da meint, ist wohl die Tatsache, dass mit dem neuen Prepp-Buch, das, wie ich finde, leider nicht mehr so viel mit dem Fanzine-Charme des Originals zu tun hat, sondern etwas zu schwer im Handgepäck liegt, obwohl es immer noch eine amüsante Lektüre ist, dass also mit “True Prep” noch viel mehr denn je nach good old Europe geschielt wird. Was ich von meinem derzeitigen Wohnort, der anderen Seite des W.A.S.P.-Kontinents, wo es eher um W.A.S.T.E. geht, im leeren wilden Westen Amerikas also, von Kalifornien aus, natürlich sehr gut verstehen kann. Alles Weitere später, Alex?

October 23 at 7:16pm
Nickel:Ich habe gerade die Jagdhund-Strümpfe angezogen.

October 23 at 7:18pm
Hunter:Mach doch ein Bild, Eckhart.

October 24 at 10:30am
Nickel:Also, noch einmal von vorne, zur Kritik. Zur Video Kritik. Erstmal: wie sieht denn Frau Birnbach, bitte aus? Was hat die denn an? Was ist das für eine Frisur? Ist es Understatement, versteckt als bewusste Nachlässigkeit? Oder ist es einfach nur die Wahrheit? Und, vor allem, was ist das für ein gestelztes Gerede, das sie uns präsentiert? Es beschleicht einen der furchtbarste aller Verdachtsmomente: Der absolute Mangel an Selbstironie. Dieses unangenehme sich-selbst-zu-wichtig-nehmen, das automatisch zum Respektverlust führt. Das trifft genauso ihren Mitstreiter, der wohl auch für das Casting der Mommy beim im Video zu sehenden Shooting verantwortlich war. Um Himmels Willen! Wenn es alles wenigstens tacky wäre, aber es ist einfach nur geschmacklos. Da hilft auch das etwas müde Warhol-Zitat, dass jeder Prep sein kann, nichts mehr. Dass Frau Birnbach auf ihre Autorenschaft des Buches hinweisen muss, um nicht (imaginär) aus dem Kreis der Preppys (Wer ist das überhaupt?) ausgeschlossen zu werden, scheint mir auch kein gutes Zeichen zu sein. Die gestellten Szenen im Buch, in denen die Autoren L. Birnbach und Chip Kidd (sic!) auch persönlich auftreten, sind extrem peinlich und komplett humorfrei. Ich fürchte also, anders als im Fall Coppola und Godfather Two, den Herr Kidd ja als Vergleich heranzieht, hat hier das Zweitwerk auch das Original in Mitleidenschaft gezogen. Fast schade drum. Ach was, eh egal. Also erstmal abrücken in die zweite Reihe im Buchregal. Prep-a-Porter!

October 24 at 10:33am
Alex, Deine Fragen! Schiffsreise: Welche Passage? Ich glaube, Schiffe sind einfach so hässlich geworden (ich saß diesen Sommer auf einem Speedboot im Golf von Neapel, auf dem man nicht mehr an Deck gehen konnte, und innen sah es aus wie eine Mischung aus Reisebus und Krankenhaus), dass nur noch der eine oder andere Seelenverkäufer am roten Meer oder ein Kabinendampfer auf dem Nil die Bedingungen für eine angenehme Bootsreise bereitstellt. Note to self: “Die Gewinner” von J. Cortázar wiederlesen.

October 24 at 10:34am
Viren sind der Feind.

October 24 at 10:36am
Alex, was ist für dich ein ruhiges Stück Kleidung? Warum ist das Ziel, nicht mehr über Kleider nachdenken zu müssen? Ist Free-Jazz heilbar?

October 24 at 10:37am
Ich will zurück ins Hochland von Sri Lanka. Da gibt es noch Selbstverständlichkeiten. Und kein Internet.

October 24 at 10:39am
Ich persönlich finde ja The Godfather Part Three am besten, besonders die Süssigkeiten-Metapher. Also besteht doch noch Hoffnung?

October 24 at 1:04pm
Hunter:Wenn ich noch eine weitere Sekunde über dieses Video reden muss, springe ich aus dem Fenster und schneide mir vorher alle Finger ab. Ich glaube, Timo will uns bewusst in eine Falle locken, aber nicht mit mir.

Eckhart, ich weiß nicht genau, wann ich das letzte mal auf einem Schiff war. Vielleicht war es ein kleines, hässliches Segelboot vor der Küste Kapstadts. Leider ist es nicht gesegelt, sondern mit blubberndem Heckantrieb durch die Schallmauer der Peinlichkeit gezuckelt. Mit an Bord: eine alleinerziehende Mutter, die ihrem drei Kindern einen besonderen Nachmittag ermöglichen wollte. Es wurde kalt, wir lagen an Deck. Sie hatte Decken dabei und nachdem sie mit ihren Kindern fertig war, wickelte sie auch mich ein! Das muss man sich mal vorstellen.

Ich glaube es gibt gar keinen Feind der Eleganz, nur bestärkende Gegenkräfte, welche die Säulen der Existenz gießen. So sieht es doch aus! Ich sage nur: Jocelyn Wildenstein. Übrigens eine fantastische Köchin.


Heinz Peter Knes

October 24 at 1:48pm
Wenn man mich fragen würde, das tue ich jetzt einfach selbst, was die zwei wichtigsten Filme in meinem Leben sind, würde ich antworten: Starship Troopers und Muriel’s Wedding. Eigentlich liegt das auch auf der Hand. Beide Filme benutzen die Rückkehr nach Hause als Unmöglichkeit. Eine Philosophie, die mich antreibt.

October 24 at 1:51pm
Eckhart, ich glaube du verstehst mich. Wir beide wissen, dass man nur einmal durch den Feuerring springen sollte. Das gilt auch für Preppy.

October 24 at 1:58pm
Free-Jazz ist nicht heilbar, Jazz ist autistisch. Guter Jazz kann eigentlich nur von Split-Brain-Patienten durchgeführt werden. Das hat mir mal John Valenti vom Birdland gesagt.

Im Hochland von Sri Lanka habe ich meine Liebe zu Elton John gefunden. Er ist der eleganteste Künstler der Welt. Und da wo jetzt Elton John steht, auch stilistisch, möchte ich mich irgendwann befinden.

October 24 at 5:44pm
Nickel:Wenn ich mir wünschen könnte, wie die Welt zu klingen hätte, dann wäre es vielleicht das “Bon Appétit!” von Meryl Streep als Julia Child. Eine herrlich beruhigende, hysterische Kopfstimme.

October 24 at 7:59pm
Und, ein letztes Mal zu Preppy: Es war einmal der verzweifelte Versuch der denkenden und empfindenden Amerikaner, sich so etwas wie sichtbare Geschichte zuzulegen, da der Mangel an Historie, die über die Auslöschung der Indianer hinausgeht (Zitat Shining: Alles, was ich weiß, ist, dass das Ganze auf einem alten Indianerfriedhof steht) eine so profunde Leere erzeugt, dass man verrückt darüber werden kann, in den Krieg zieht (Murder-Redrum) – oder sich eben solche Dinge ausdenkt wie das “Official Preppy Handbook”. Von diesem neokulturellen Reflex kündet noch heute jeder Ralph Lauren Rugby Store. Amerika, so bin ich mir nach drei Jahren Aufenthalt hier ziemlich sicher, ist ein im Grunde komplett unbewohnbarer Kontinent. Zwischen Tornado Alley, Hurricane-Evacuation Roads und dem San Andreas Fault (sic!), der für die Erdbeben zuständig ist, ist kein Platz für Menschen. Nur für den Bible Belt, der ihnen helfen soll, mit den Katastrophen, die die Natur für sie hier auffährt, transzendental fertig zu werden. Was Eleganz ist, zeigt uns die monumentale Schönheit der Natur allein. Ich träume in letzter Zeit gern vom menschenleeren Amerika.

October 24 at 8:16pm
Feldhaus:

October 25 at 9:04am
Hunter:Ich glaube, bald werde ich Europa verlassen.

October 25 at 9:09am
Nickel:

October 25 at 11:11pm
Feldhaus:Vielen Dank für das Gespräch.

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Alex Hunter, Publizist und Maler aus Wien.

Eckhart Nickel war Chefredakteur von DER FREUND und machte u.a. die Stilseiten der SZ WOCHENENDE. Heute betreut der freie Schriftsteller z.B. die Texte im Modemagazin ACHTUNG. Als Letztes erschien, gemeinsam mit Christian Kracht, “Gebrauchsanweisung für Kathmandu und Nepal”. Er lebt und arbeitet in Sonoma County, CA.

13 Responses

  1. palu

    behalts für dich, nicht wichtige person

  2. L

    Lieber Timo,
    ich kenn mich mit dieser ganzen Preppy-nummer nicht sonderlich aus, aber haben Preppyboys überhaupt Zeit die ganze Zeit darüber zu reden, wer oder was oder warum etwas oder jemand oder man selber oder die Gesamtsituation gerade besonders “preppy” ist? Wie sollte man dafür Zeit haben, während man segelt oder Jagen ist oder nach dem Soccer-Training lernt? Dazu kommen Verpflichtungen, wie zum Beispiel Hummer-mampfen und Champagner-schlucken.
    Ich kann es mir nur schwer vorstellen: Wäre ich Preppy, ich wäre es, ich würde nicht darüber reden und daraus vor allem keine Wissenschaft machen. Nichts wirkt alberner als jemand der sich anstrengen muss, um etwas zu sein. Man ist etwas. Fertig.

    Beste Grüße

    PS: Sehr unterhaltsam das ganze.

  3. Timo Feldhaus

    Hallo L, schön, dass dir das Interview gefällt! Wobei ich natürlich erst einmal auch “nicht wichtig” beipflichten muss: “Die Langeweile” ist natürlich ein wesentlicher Hervorbringer des Preppyismus. Ganz wichtig. Und damit in Zusammenhang steht auch die Zeit an sich. Ich würde sagen, der Preppy hat extrem viel Zeit. Da er ja in der Regel keine Geldsorgen hat, und die Zeit nutzt er dann zur reflektierten Gedankengestaltung. Das wurde auch in dem obigen Gespräch versucht nachzuzeichnen.
    Dein Einwand ist natürlich richtig: Man sollte sich niemals zu sehr anstrengen (zumal ja der Preppy-Look genau das auszeichnet, so unangestrengt wie möglich zu erscheinen) und niemals zu sehr mit sich selbst auseinandersetzen, es sei denn mam macht es so gewitzt wie die beiden hervorragenden Gesprächspartner oben. Wobei ich auch noch einmal sagen möchte: Der Grundgedanke der Preppy-Serie ist ja nicht den alten Prepp durchzudeklinieren, sondern der Fokus liegt tendenziell eher auf der Frage: Wieso macht es für soviele (junge, männliche) Menschen so viel Sinn aktuell sich so eine (konservative) Erscheinung zu geben.

  4. karl otto

    ein weiterer triftiger grund dass sich manche leser mit recht gluecklich schaetzen koennen in den 80ern schwuler poppe genannt zu werden

  5. Coach Factory

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  6. homelivingstyle

    Beispiel Hummer-mampfen und Champagner-schlucken.
    Ich kann es mir nur schwer vorstellen: Wäre ich Preppy, ich wäre es, ich würde nicht darüber reden und daraus vor allem keine Wissenschaft machen. Nichts wirkt alberner als jemand der sich anstrengen muss, um etwas zu sein.

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