Claus Richter über Ferris Bueller und Maggi-Ravioli

Eigentlich ist das ganze Preppy-Spiel ja wahnsinnig langweilig. Darum geht es ja auch wahrscheinlich. Köstliche saturierte Langeweile. Endlich mal Ausruhen vom ganzen Hipstertum, Uff! Hier in Köln laufen die jungen Leute immer noch rum wie immer, der Druck ist wahrscheinlich nicht so hoch wie in Berlin, gibt es da wirklich so viele Preppys jetzt? Und ist Preppy nicht eigentlich vor fünf oder sechs Jahren schon mal Thema in Stil-hungrigen Kreisen gewesen? Ist es ein Revival-Revival? Herrlich, wie schnell alles heutzutage geht! Aber ich kann die Liebe zum Preppytum gut verstehen und habe selbst einen Haufen der üblichen Bekleidungsbestandteile im Schrank.

Wenn es mir schlecht geht oder das Geld alle ist oder mein kleines Leben irgendwie festzustecken scheint, ziehe ich mich manchmal preppy an und gehe unter Leute. So mancher Passant denkt dann eventuell: „Oh dieser fesch gekleidete junge Mann! Dem kann es gar nicht schlecht gehen, Sorgen hat er sicher auch nicht, bei diesem Stilbewusstsein! Wie klug er dreinschaut! Ob er auf einer Elite-Universität studiert hat?“ Beziehungsweise denke ich, dass das jemand denken könnte, und so ist alles nicht mehr ganz so erbärmlich. Dann gehe ich wieder heim und esse eine Dose Ravioli. Mit einem Glas kalter Vollmilch dazu. Ein schäbiger kleiner Selbstbetrug, ich bin auch ein bisschen rot, während ich dieses Geständnis tippe.


Claus Richter in Fasanenhose

Leute, die von sich behaupten, konstant und im tiefsten Innersten ihres Wesens Preppy zu sein, finde ich befremdlich, was nicht heisst, dass ich nicht bereit wäre, sie gernzuhaben, wenn sie nett sind. Aber ob man zusammen Maggi-Ravioli vor der Glotze mampfen kann, ohne sich verräterisch zu fühlen? Vielleicht wäre es in seiner Heimlichkeit wundervoll…

Meine liebste Polo Ralph Lauren Hose ist eine Chordhose in die überall Fasane und anderes Wild eingestickt sind. Sie ist fast schon etwas zu angeberisch, zu „laut“ wie man so sagt, aber den Bruch brauch ich, um Spaß daran zu haben. Überhaupt sollte man etwas Spaßiges damit anfangen, jetzt so fesch und frisch und clean auszusehen. Nur cool herumstehen und hoffen, dass das genügt, genügt eben längerfristig wohl doch nicht.

Ein Vorbild könnte (nicht nur hier) Ferris Bueller sein, der Held aus John Hughes fantastischem Meisterwerk „Ferris Buellers Day Off“, hierzulande auch bekannt unter „Ferris macht Blau“. Ferris ist nicht wirklich preppy, aber er könnte, wenn er wollte. Er ist nah dran. Und er steht zudem selten herum. Er würde sein freshes cleanes „Rich-Kid“ Outfit nutzen, um in teuren Boutiquen alles auf den Kopf zu stellen, arroganten Dummköpfen die Leviten zu lesen und seinen Freunden den falschen Respekt vor den Einschüchterungsversuchen selbsternannter Eliten zu nehmen.

Ins Museum könnte man zwischendurch auch mal gehen, das tun sie ja auch in dem Film und es ist eine der schönsten Szenen. Was wäre das für ein Spaß, und hinterher würde man erschöpft und erfüllt ins Bett sinken und gut und tief den Schlaf der Gerechten schlafen. In einem wahnsinnig teuren Pyjama. Oder in einer zerlumpten Unterhose und einem ollen Schlaf-T-Shirt. Mir eigentlich egal, denn morgen ist ein neuer Tag. Mal sehen, was man anstellen kann..

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Claus Richter ist Künstler und Autor und lebt in Köln. Er liebt Disneyland, Syd Mead und Les Disques du Crepuscule und nebenher schreibt er die Kolumne “Entertainment Values” für Texte zur Kunst und ab Dezember zudem eine regelmäßige Kolumne für das Design-Magazin “Form”.
Am 5.12 eröffnet seine Museumsausstellung im Leopold Hoesch Museum in Düren und am 10.12. ist Claus Richter außerdem in FFM bei einer feschen Show im Hauptzollamt/MMK/Kunstverein dabei.

5 Responses

  1. jens

    kannte den begriff preppy nicht. hier in london (shoreditch) gibts mehr als genug davon. schon witzig wie uniformiert die leute erscheinen wenn man sie in groesserer anzahl antrifft.

  2. Jocki Flint

    In Chordhosen Ravioli essen, fantastico!
    Gut gefiele mir auch “Korthose”.